Konzertbericht

When We're Both Not So Emotional

Nur selten hat man die Gelegenheit, eine Band live zu sehen, die seit ihrem Debüt 1999 nicht viel von sich haben hören lassen. American Football hat im vergangenen Jahr ein neues Album veröffentlicht und nun Berlin einen Besuch abgestattet.
American Football live
American Football auf der Bühne

Das Konzert spielte die Band zusammen mit zwei weiteren bekannten Emo Bands: Joan of Arc und Minus The Bear. Da jede dieser Bands Erwähnung verdient, diesmal ein Bericht in drei Teilen.

Joan Of Arc
 

Joan of Arc

Die Band entstand 1995 im Zuge der Trennung von Cap'n Jazz. Tim Kinsella, der Sänger und Bruder von American Footballs Mike Kinsella, ist das einzige Gründungsmitglied, das jetzt noch Teil der Band ist. Der Sound der Band ist im Vergleich zu den beiden folgenden Bands weniger zugänglich. Besonders die neuen Songs sind sehr experimentell. Live funktionieren sie trotzdem sehr gut und begeistern die bisher anwesenden Zuschauer. Es wird getanzt und mitgesungen, auch wenn nach wie vor noch Leute am Rand sitzen und der Raum sich erst im Laufe des Auftritts füllt. Die Band spielt eine gute Mischung aus alten und neuen Songs - auch wenn sich an der Reaktion des Publikums zeigt, dass die alten Songs sich deutlich größerer Beliebtheit erfreuen. Sehr witzig, wenn auch ein wenig verstörend, ist außerdem die kurze Gesprächseinlage, die Tim Kinsella gibt. Neben einer Dankesrede an seine Eltern und Großeltern für's Babies-Machen, geht er in eine kurze Dauerwerbesendung-artige Ansprache über, die zum Kauf von T-Shirt animieren soll.

De Band live
 

Minus The Bear

Nun ist der Raum also voll. Minus The Bear fangen in meinen Augen sehr bedächtig an (um nicht zu sagen, ich befürchte schon kurz, dass die komplette Show genau so bleiben wird, weil es mir etwas zu slow wäre) legen aber nach den ersten zwei bis drei Songs doch deutlich mehr Gefühl in ihre Songs und reißen damit auch das Publikum merklich mit. Besonders bestechend ist bei ihnen natürlich die Präzision, für die ihre Live Shows berüchtigt sind. Die beweisen sie bei jedem Song aufs Neue. Im Laufe der Show variieren sie zwischen neuen und alten Songs. Dem Publikum scheinen sowohl die neuen als auch die alten Songs sehr gut zu gefallen. Nach einer Dreiviertelstunde uf der Bühne beenden Minus The Bear ihre Show und es folgt die Band, für die der Raum inwzischen fast zu voll ist.

Die Band auf der Bühne
 

American Football

Die ersten Töne erklingen und ich habe ein breites Grinsen im Gesicht. Es hat eine besondere Magie, eine Band zum ersten Live zu hören, die man schon etwa 10 Jahre lang regelmäßig als Platte auflegt. Das erste und lange Zeit einzige Album von American Football wurde im Jahr 1999 veröffentlicht und ist sowas wie ein Klassiker des 90s Emo. In vielen Songs der heutigen Emo Revival Bands findet sich eine American Football Referenz. Im vergangenen Jahr brachte die Band überraschend ein zweites Album heraus, das nun auch zum Anlass der Tournee wurde. Viele der Anwesenden scheinen Fans der ersten Stunde zu sein, doch die Empfindung ist wohl ähnlich wie bei mir. Man sieht viele glückliche Gesichter, und auch wenn es sich um melancholische, traurige Musik handelt, bewegt sich das Publikum mit und tanzt sogar an der ein oder andere Stelle ein wenig. Die Hits wie "I'll See You When We're Both Not So Emotional" bleiben besonders in Erinnerung. Über das Set verteilt spielt die Band fast jeden Song ihrer beiden Alben - allerdings fehlt kurz vor Ende noch "Never Meant". Als dieser als finaler Song angespielt wird, atmen viele Zuschauer erleichtert auf. Aber mal ehrlich, die Band hätte diesen Song nun wirklich auch nicht weglassen können. Es gibt keine Zugaben, aber tatsächlich bleibt nach dieser Show auch nichts zu wünschen übrig. Die Mischung aus Nostalgie und beeindruckender Musik bewährt sich und schafft einen wirklich schönen Konzertabend im SO36.

 

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