Im Gespräch: Stephan Lohse

Wer tröstet hier eigentlich wen?

„Wenn man nicht möchte, dass man stirbt, darf man nicht einschlafen.“ Was nach dem Einschlafen seines kleinen Bruders passierte, davon hat Ben klare Vorstellungen. Eine Boeing737 spielt dabei eine zentrale Rolle.
Moderator Yannick Jürgens im Gespräch mit Autor Stephan Lohse
Moderator Yannick Jürgens im Gespräch mit Autor Stephan Lohse

Das Leben geht weiter...

Es ist Sommer 1972. Ben lebt zusammen mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder Jonas. Sie leben normal und glücklich – Ben kommt bald in die Pubertät. Doch dann stirbt Jonas. Einiges wird anders. Bald nach dem Todesfall geht Ben aber wieder zur Schule. Und obwohl er oft weinen und darauf achten muss, dass „innen nichts runterfällt“, so lenkt ihn das Leben auch ab. Er schließt neue Freundschaften, hat zum ersten Mal fremden Speichel im Mund und geht in einem Autowrack auf Spazierfahrt. Seine Mutter Ruth verwandelt sich währenddessen in einen Baum. So scheint es Ben jedenfalls. Sie weint nur in ihrem Zimmer auf der Heizdecke und streitet sich mit dem Friedhofspersonal über die Bepflanzung des Grabs. Oder sie informiert sich in der Bibliothek über die Verschiebung der Kontinentalplatten.

...mal schwerer...

Stephan Lohse beschreibt in seinem Debütroman „Ein fauler Gott“ den Alltag nach dem ultimativen Verlust. Mal aus der Sicht der Mutter, mal aus der des Kindes. Jeder trauert anders – gemeinsam ist den beiden, dass sie sich damit alleine fühlen. Trotzdem oder genau deshalb entwickelt sich eine neue, innigere Beziehung zwischen dem plötzlich zum Einzelkind gewordenen Sohn und seiner Mutter.

Ich bin mein erster Leser. ich habe ein Buch gescherieben, wie ich es gerne selbst lesen würde.

Stephan Lohse

...mal leichter.

Für den Leser ist es ein Genuss, den beiden dabei zuzuschauen. Denn so traurig das Thema von Lohses Debütroman auch ist, er strotz nur so von Liebe, Humor und Lebensfreude. Er zelebriert das Menschsein in allen Facetten und beschönigt nichts. Man spürt beim Lesen die Liebe Lohses für seine Figuren. Man lacht nie über sie, aber oft mit ihnen – in Augenblicken grotesken Alltags nach dem Tod eines Familienmitglieds.

Stephan Lohse – Ein fauler Gott

Seelen und Engel

„Ein fauler Gott“ beschäftigt sich mit dem Thema Tod, besonders mit der kindlichen Sicht auf Tod und Sterben. So erklärt Bens Mutter ihrem Sohn, Gott habe sich einen Engel gewünscht und Jonas gewählt. Deshalb habe dieser sterben müssen und sei nun bei Gott, als Engel. Im Roman ist auch oft die Rede von Seelen. Diese stellt sich Ben als Raketen vor. Inspiriert wurde Stephan Lohse durch seine kleine Nichte. Diese stelle sich Seelen wie angezogene Menschen aus verdünnter Milch vor.

Wie der Titel „Ein fauler Gott“ des Buches zustande kam, hat Moderator Yannick Jürgens im Gespräch mit Stephan Lohse erfahren:

Moderator Yannick Jürgens im Gespräch mit Autor Stephan Lohse
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Stephan Lohse wurde 1964 in Hamburg geboren, seine Schauspielausbildung zog ihn später nach Wien. Er war unter anderem an der Schaubühne in Berlin und dem Schauspielhaus in Wien engagiert. Als Autor wagt er sich auf neues Terrain – „Ein fauler Gott“ ist sein Erstlingswerk.