Opernpremiere

Wer hat Lulu nicht heiraten wollen?

Lulu ist eine Femme fatale. Im Wien der Jahrhundertwende umgibt sie sich mit Anbetern, thront als Sirene über ihren Bekannten. Doch am Ende fällt sie tief -ein Abend voller Liebe, Verrat und Untergang.
Lulu
Lulu

Wie Filmmusik

Wer bei einer Oper an Mozart-Arien denkt, wird von "Lulu" enttäuscht werden. Wer Lust auf einen großartigen Abend mit gefühlsstarker Musik hat, kommt hier voll auf seine Kosten.

Alban Berg (1885-1935) war ein Vertreter der Zwölftonmusik. Das heißt, ein Ton darf nicht öfter als die anderen erklingen. So entsteht eine amelodische Musik, die allerdings sehr ausdrucksstark ist. Das ist eigentlich wie Filmmusik, und zusammen mit einem großartigen Ensemble entsteht an der Oper Leipzig unter der Regie von Lotte de Beer ein wahres Kunstwerk.

Die Geschichte entfaltet sich zu einem Drama um Liebe, Betrug und Mord. Lulu ist eine unglaublich begehrenswerte Frau im Wien der Jahrhundertwende. Wie die Motten dem Licht scheinen alle ihr zu verfallen – Männer wie Frauen. Doch Lulu scheint die Zuneigung egal zu sein. Sie will nur Dr. Schön (gesungen und gespielt von Simon Neal) heiraten. Sobald sie dieses Ziel erreicht hat, betrügt sie ihn allerdings. Tief verletzt, bittet er sie, sich umzubringen. Stattdessen tötet sie ihn. Damit beginnt ihr Niedergang. Sie wird verhaftet, flieht aus dem Gefängnis – mit dem neuen Liebhaber – nach Paris, dann nach London. Hier wird sie von Jack the Ripper erstochen.

 

Dr. Schön (Simon Neal) versucht seine Affäre mit Lulu (Rebecca Nelsen) zu beenden

Gewandhausorchester Leipzig, unter Leitung von Ulf Schirmer

Rebecca Nelsen

Simon Neal
 

Dr. Schön (Simon Neal) versucht seine Affäre mit Lulu (Rebecca Nelsen) zu beenden

Rebecca Nelsen: Eine großartige Lulu

Besonders hervorzuheben an diesem Abend ist die US-Amerikanerin Rebecca Nelsen. Sie singt und spielt die Titelpartie mit einer starken Bühnenpräsenz und versteht es, die Texte in der fremden Sprache voll auszugestalten, mit kaum hörbaren Dialekt. Sonst an der Volksoper Wien beschäftigt, kommt sie für die Titelpartie der "Lulu" erstmals an die Oper Leipzig.

Minimalistisches Bühnenbild mit Video

Der moderne Klang von Bergs Oper findet seinen Counterpart im minimalistischen Bühnenbild (von Alex Brok). Zu Beginn jeder Szene schweben große weiße Rechtecke herab, die den offenen Bühnenraum definieren. Komplettiert wird die Kulisse von Projektionen auf eben jene weißen Flächen. Das niederländische Duo Fettfilm zaubert mal einen prachtvollen Salon, mal eine Hotellobby auf die Bühne. Alles in Schwarz-Weiß, und ganz in Stummfilmmanier sind die wichtigsten Textzeilen eingeblendet.

Ein gelungener Abend

Obwohl vier Stunden sowohl Sitzfleisch als auch entspannte Ohren fordern, lohnt sich ein Besuch. Denn an dieser Inszenierung stimmt einfach alles: Musik, Schauspiel und Gesang erzählen eine tragische Geschichte, an deren Ende es keinen Sieger gibt.

 

Die Rezension finden Sie hier zum Nachhören:

Wie war die Premiere? Moderator Nico von Capelle im Gespräch mit Lisa Albrecht
Wie war die Premiere? Lisa Albrecht im Gespräch mit Moderator Nico von Capelle

 

 

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Die nächsten Vorstellungen finden am 24.6. und 1.7. statt.

Kartenreservierungen unter 0341 12 61 261