Die Kolumne

Wer hat Angst vorm Schwarzen Peter?

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Hanna Kormann über Schuld, Kartoffeln und Überheblichkeit.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören:

Wer hat Angst vorm Schwarzen Peter? - Die Kolumne von Hanna Kormann
2909 Kolumne Hanna

Wir schreiben Tag fünf nach der Bundestagswahl. Die Koalitionsverhandlungen zu Jamaika werden in frühestens 5 Jahrzehnten beginnen. Die SPD hat nach dem Wahldebakel Andrea Nahles zur Fraktionsvorsitzenden gewählt. Wie bescheuert ist das denn? Da hat man sein schlechtestes Ergebnis aller Zeiten eingefahren. Und dann heißt die Lösung Andrea Nahles? Seit Jahren Mitglied des Untergangkommandos doch mal abgesehen von der Frage ob die SPD mittlerweile stark suizidgefährdet ist. Die ganze Bundesrepublik stellt sich diese eine Frage: Wer ist schuld am Erfolg der AfD? Sind es die Medien? Sind es die etablierten Parteien? Ist es Donald Trump? Oder ist es gar …. Die AFD?

Zurzeit spielen alle Akteure mit der Schuld heiße Kartoffel. Du! Nein, nimm du sie! Nein du, du hattest sie doch sowieso schon! Nein, sie kriegt sie! Und am Ende stellt sich heraus: Jeder Einzelne hat zu Hause einen Topf heißen Kartoffelbrei stehen. Schön weich zusammengestampft, dann ist es auch leicht verdaulich.

Hier könnten Sie unsere Kolumnistin Hanna Kormann sehen - schade für Sie
Behält immer den Überblick - unsere Kolumnistin Hanna Kormann

Es ist schon verwunderlich. Schließlich ist es ja nicht so, als ob keiner gegen die AfD geredet hätte. Nicht gegen sie aktiv geworden wäre. Nicht den Rassismus von Amtsträgern, die Lügen und lächerlichen Aussagen von Mitgliedern in Landtagen öffentlich zur Schau gestellt hätte. Was ist also schief gelaufen? Schauen wir uns doch mal einen Verein an, der sich vor der Wahl gegen die AfD engagiert hat. Zum Beispiel ‚Kleiner Fünf‘.

 „Kleiner Fünf wegen der Prozenthürde. Wir wollen, dass die AfD weniger als fünf Prozent aller Stimmen erhält.“,

sagt die Sprecherin. Ist doch ein gutes Vorhaben. Und wie wollen sie das tun?

„‚Kleiner Fünf‘ ist explizit für Menschen da, die mit Protestwähler_innen oder Nichtwähler_innen reden wollen. Das heißt wir richten uns an Menschen, die ein Problem mit Rechtspopulismus haben.“

Also ist das Grundprinzip: Leute, die nicht die AfD wählen wollen, richten sich an Leute …, die nicht die AfD wählen wollen …, damit die AfD nicht in den Bundestag kommt. Hört sich sehr effektiv an. Wer will im Wahlkampf schon auf Konfrontation gehen?

Das Imagevideo zeigt mehrere, wahrscheinlich aus der Mittelschicht stammende Studierende, die gemeinsam vor der Kneipe sitzen und über Ideen und Überzeugungen reden. Und wahrscheinlich gerade eine brennende Rede über Menschenrechte und Toleranz halten.

Wieso konnte die Kampagne nur derart scheitern? Studierende aus der Großstadt, der Horst der Toleranz und der Menschenrechte wollen also Arbeitern vom Lande die Welt erklären. Kann das funktionieren? Haben nicht beide Menschengruppen meistens unterschiedliche Lebenssituationen, Probleme und damit auch Forderungen?

Auch das Video „Was verlieren wir?“ zeigt einen sehr dramatischen Realitätsverlust der Kampagnenmacher. Hier zeigen Menschen, was genau ihnen fehlen wird, wenn die AfD wirklich in den Bundestag einziehen sollte.

Meinen Glauben daran, dass mein Sohn in einer freien Gesellschaft groß werden kann.“ „Ich glaube ich würde mich nicht mehr zuhause fühlen.“ „Ein Stück meiner Freiheit, meiner Bewegungsfreiheit.“ „Hoffnung“ „Meinungsfreiheit“

Leute! Die Demokratie ist der Grund dafür, dass diese Partei im Bundestag sitzt! Und Menschen, die so gedacht haben, gab es schon immer! Und niemandem wird bis jetzt die Bewegungs- oder Meinungsfreiheit geraubt! Noch ist die AfD nicht in der Regierung! Und Breaking News an alle Apokalyptiker: die Welt war schon scheiße, bevor die AfD im Bundestag saß.  

 

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Hanna Kormann
29.09.2017 - 16:09