Die Kolumne

Wer hat Angst vorm großen Mann?

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Hanna Kormann über Angst, Sicherheit und Manipulation.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

 Die Kolumne zum Nachhören:

Wer hat Angst vom großen Mann? - Die Kolumne von Hanna Kormann
1512 Kolumne Hanna

Sie schleicht sich ein wie ein Parasit, macht uns unfrei, erhält uns am Leben und hängt wie ein Nebel über Leipzig – die Angst. Meint zumindest Polizeipräsident Bernd Merbitz:

Wenn ich mal in der Gaststätte bin, oder auf den öffentlichen Wegen, frag ich immer ‚Sind Sie Leipzigerin?‘ – insbesondere sprech‘ ich da Frauen an – ‚Ja, fühlen Sie sich sicher?‘ – ‚Im Grunde genommen schon. Aber abends fahr ich mit der Straßenbahn nicht mehr.‘ Da gibt’s natürlich die Frage: Warum nicht? ‚Naja, was man alles so liest, und was man so hört, und was auch tatsächlich passiert!‘

Und deshalb fährt die Polizei jetzt in der Straßenbahn mit. Ob auf dem Weg zum REWE oder spätnachts auf dem Heimweg von der Party. Ab sofort kann man sich rundum sicher fühlen. Oder?

Hier könnten Sie unsere Kolumnistin Hanna Kormann sehen - schade für Sie
Behält immer den Überblick - unsere Kolumnistin Hanna Kormann

Die latente Angst in der Stadt hat zu mehr Sicherheitsmaßnahmen geführt. Polizei in den Straßenbahnen, mehr Ordnungsbeamte im öffentlichen Raum. Doch löst die Präsenz dieser Autoritäten nicht selbst Angst aus? Fragen sich Leute nicht: „Hm, hier gibt es immer mehr Polizei, da scheint irgendwas Gefährliches zu sein. Hm… Bleib ich lieber auf der Hut. Wieso schaut dieser Mann so komisch?“

Angst ist ein nützlicher Urinstinkt, um Gefahren zu erkennen. Nährt man sie doch, dann werden Misstrauen und Paranoia geschürt.

Als Reaktion auf die große Sicherheitsdiskussion in Leipzig wird jetzt auch in die Ordnungsbeamten investiert. Die bekommen jetzt stichsichere Westen, Handfesseln und Rettungsmehrzweckstöcke – und das Ordnungsamt heißt ab sofort Polizeibehörde.          

Gelernte Verwaltungsfachangestellte dürfen jetzt bewaffnet für Ordnung und Sauberkeit sorgen und sich formell einer Polizeibehörde zugehörig fühlen. Wie die ganz Großen.    

Es stellt sich die Frage ob Polizisten gerade in nächtlichen, halb leeren Straßenbahnen gebraucht werden. Oder ob die Ordnungsbeamten chrm chrm, es tut mir leid. Natürlich die Polizeibehörde mit Rettungsmehrzweckstöcken Falschparkern endlich ein Gewissen einprügeln können.

Symbolische Präsenz, da wo die Leute sie sehen, wird das Kriminalitätsproblem in Leipzig kaum lösen können. Hier geht es nur darum, die Sicherheitsbedenken der Menschen zu beschwichtigen. Denn da wo Polizei ist – da kann es nur sicher sein. Aber immerhin gibt es einen, der sich über all das freut – den Polizeipräsidenten.

Das ist eigentlich das, was ich mir schon immer gewünscht habe. Nicht nur in den Funkwagen, oder zu Fuß und wenn’s geht, mit nem Stück Strom (sic!) durch die Stadt zu fahren. Das wollen wir, ich will das, wir wollen das, und ich glaube, das ist ein guter Beitrag für die Sicherheit in Leipzig. Und Sie können sich drauf verlassen – das läuft.

 

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