Die Kolumne

Wer hat Angst vor dem gefährlichen Ort?

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal Max Brose darüber was passiert, wenn man zu viel Ton Steine Scherben bei der Wohnungssuche hört.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören findet ihr hier:

"Wer hat Angst vor dem gefährlichen Ort?" - Eine Kolumne von Max Brose
Wer hat Angst vor dem gefährlichen Ort?

Stimme: Heute mit Max Brose über Mietwucher an gefährlichen Orten

... Heute mit Max Brose über Mietwucher an gefährlichen Orten

M. Brose: Oh, sorry ich bin gerade auf Wohnungssuche und das frisst echt viel Zeit. Du kennst nicht zufällig ein gutes Angebot, zwei Zimmer, bezahlbare Mieten?

Stimme: Äh ne, ich bin aber auch nur die Stimme aus dem Off und die Kolumne ist kein Ort um Wohnungen zu suchen, hier geht’s um Themen.

M. Brose: O.k., dann bleiben wir bei den Mietpreisen.

Stimme: Ernsthaft, ist deine innovative Meinung diese Woche, dass Leipzig immer teurer wird? Stimmt ja, weiß aber auch jeder.  

M. Brose: Naja aber an vielen Ecken sind die Wohnungen so teuer, dass ich den Mietpreis runterhandeln muss. Und dabei helfen mir der Staat und die Polizei.

Stimme: Der Staat und die Polizei?

M. Brose: Ja der sächsische Freistaat und die Polizei Leipzig, die haben nämlich das Gebiet um die Eisenbahnstraße zur Waffenverbotszone erklärt. Und die kann ich als Argument nutzen, um den Mietpreis runterzuschrauben.

Stimme: Und das stellst du dir wie vor?

M. Brose: Naja, ziemlich genau so:

Pfeifend öffne ich die Haustür der Mariannenstraße sieben. Dahinter erstreckt sich eine Eichenholztreppe mit vierzehn Stufen. Oben angekommen fällt mein Blick auf einen FCKNZS Aufkleber. Daneben ein Klingelschild. Noch bevor mein Finger seinen abgewetzten Metallknopf eindrückt, öffnet ein grauhaariger Mann die Tür und sagt:

M. Meyer: Tach Mensch. Meyer mein Name und das könnte ihr neues Zuhause sein.

60 Quadratmeter, Balkon, Badewanne. Der Holzgeruch des Dielenbodens durchströmt das sonnendurchflutete Wohnidyll. Ich habe mich verliebt. Also frage ich Meyer:  

M. Brose: Wie viel kostet denn der Spaß?

M. Meyer: 500 kalt

M. Brose: Ok, ich hab mich mal informiert, hier gilt ja die Waffenverbotszone. Könnte man da nicht mit dem Preis ein wenig runtergehen?

M. Meyer: Ja aber das macht ja die Bude och nich günstiger. Und wenn se mir jetzt kommen mit das Macht den Ort hier gefährlich, sach ich och quatsch. Das einzige was jetzte ist, ist dass die Knüppelgarde jeden kontrollieren darf, den se will.

M. Brose: Ja und genau da liegt ja das Problem. Mir geht’s nicht um die Waffen sondern genau um diese Polizeikontrollen. Die darf die Polizei hier verdachtsunabhängig machen. Und vor diesen willkürlichen Kontrollen fürchten sich einige Personen. Gerade wenn sie keine weiße Hautfarbe haben.

M. Meyer: Ja da haben se natürlich Recht, das kann ich gut verstehen. Aber auch die ... die naja, n bissle anders sind, mein Freund der Bernd, der wurde och letztens am Connewitzer Kreuz gefilzt.

M. Brose: Das darf die Polizei an allen gefährlichen Orten hier in Leipzig. Da brauchen die keine Genehmigung mehr um durch Rucksäcke zu wühlen.

M. Meyer: Und wo sind diese gefährlichen Orte jetzt genau?

M. Brose: Das weiß keiner so wirklich. Die taz hat neulich nachgefragt. Das wollte ihnen aber weder die Polizei Leipzig noch das sächsische Innenministerium sagen. Das Ministerium antwortete allerdings, dass die Polizei in Leipzig selbst festlegen darf, welche Orte als gefährlich gelten.

M. Meyer: Und wie legen die das fest?

M. Brose: Einmal nach Fakten wie der Kriminalstatistik. Dann aber auch komplett willkürlich. Nämlich nach sujektiven Empfindungen.

M. Meyer: Das ist eine gequirlte Scheiße hier.

M. Brose: Was ist eigentlich mit der Preisminderung?

M. Meyer: Ah, oh ja. Naja da kann ich ehrlich gesagt nicht viel machen.

Das legt der Vermieter fest. Warten sie mal kurz, den muss ich wegdrücken.

Also zu ihrer Miete, wissen se was.

M. Brose: Was denn?

M. Meyer: Hier ich geb ihnen den Schlüssel einfach. Und wenn sie einmal hier drin sind, dann kriegt man sie hier auch gar nicht so einfach raus. Sie müssen wissen, das haben wir in den Neunzigern auch immer so gemacht...

Stimme: Max, hey Max.

M: Brose: Ja, was denn?

Stimme: Du glaubst doch nicht wirklich, dass das passiert, oder?

M. Brose: Ne, wäre aber schön. Aber ich glaube, bei meiner Wohnungssuche achte ich jetzt nicht nur auf den Preis und die Quadratmeter, sondern auch darauf, dass vor meiner Haustür die Polizei nicht grundlos meinen Rucksack durchwühlen darf.

 

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