Kolumne

Wer den Wind sät...

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Elisabeth Schmidt über Lärmbelästigung, Ohrstöpsel und Sturm am Morgen.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören:

"Wer den Wind sät..." - Die Kolumne von Elisabeth Schmidt
"Wer den Wind sät..." - Die Kolumne von Elisabeth Schmidt

Ooops. Das ist ja mal in die Hose gegangen. Wegen der Beschwerde eines Anwohners, man beachte den Singular, hatte die Stadt Leipzig letztes Jahr eine Sperrstunde von fünf bis sechs eingeführt. Jetzt hat der Stadtrat sie wieder abgeschafft. Jippie! Endlich wieder die ganze Nacht feiern!

Die Begeisterung des Anwohners dürfte sich da in Grenzen halten.

Das muss schon eine herbe Enttäuschung gewesen sein – erst bekommt man, was man will, und dann wird es einem einfach so wieder weggenommen. Das ist jetzt natürlich blöd für ihn.

Ich frage mich, was der mysteriöse Anwohner in dem einen Jahr mit der einen Stunde Ruhe gemacht hat. Seine Passive Agressiveness mit Yoga wegatmen? Powernaps? YouTube-Videos gucken? Sich vor Knoblauch fürchten und Menschen Blut aussaugen? Oder vielleicht - der Gedanke ist revolutionär – sich schämen, weil er für eine ruhige Stunde mitten in der Nacht einer ganzen Stadt die Party versaut?

Kolumnistin Elisabeth Schmidt blickt mit einem Augenzwinkern auf die Geschehnisse der Woche. Dabei zwinkert sie gar nicht.
Kolumnistin Elisabeth Schmidt blickt mit einem Augenzwinkern auf die Geschehnisse der Woche. Dabei zwinkert sie gar nicht.

Zwar könnten wir den Lärmpegel reduzieren. Wir könnten uns einen anderen Club suchen. Wir könnten uns auch an die Sperrstunde halten. Aber: Wir sind auf jeden Fall mehr als ein einziger Anwohner.

Ein einziger Anwohner, der sich – vielleicht – Ohrstöpsel kaufen könnte? Nur so eine Idee. Vielleicht könnte sich besagter Anwohner auch dazu hinreißen lassen, im Objekt seines Ärgers vorbeizuschauen und mitzufeiern? Das würde allen bestimmt mehr Freude bereiten als eine Beschwerde, die eine Stunde Ruhe zur Folge hat, in der man… noch mal was machen kann? Frühjahrsputz? Und nach der Stunde?

Sehen Sie es mal positiv, lieber Anwohner: Wenn die Gäste den Club in kleinen Grüppchen verlassen, macht das insgesamt weniger Lärm, als wenn alle auf einmal um fünf Uhr morgens auf die Straße gekippt werden. Das ist doch eigentlich genau das Gegenteil von dem, was die Sperrstunde erreichen sollte. Nach der dann natürlich auch das wieder auflebt, was von der Party noch übrig ist.

Also bevor Sie das nächste Mal eine Beschwerde aufsetzen, denken Sie immer dran: Wer lautstärketechnisch den Wind sät, erntet Sturm um fünf Uhr morgens.

 

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Elisabeth Schmidt
24.08.2018 - 18:03