Lehrermangel in Sachsen

Wenn Lehrer nach Reformen rufen

Zu wenig Kollegen, zu wenig Gehalt und zu viel Arbeit: Sachsens Lehrer sind unzufrieden. Manch einer mag es Jammern auf hohem Niveau nennen – doch wenn das zu Unterrichtsausfall im Akkord führt, dann besteht vielleicht tatsächlich Handlungsbedarf.
Lehrermangel an Sachsens Schulen
Ohne Lehrer kein Unterricht an Sachsens Schulen

Leere Klassenräume an Sachsens Schulen – kein seltenes Bild im Freistaat. Der Grund dafür ist der Lehrermangel. Ein Vergleich mit anderen Bundesländern zeigt, dass Lehrer nirgendwo weniger verdienen als im Freistaat – und das Arbeitspensum zudem deutlich über dem Machbaren liegt. Der Sächsische Lehrerverband fordert ein Umdenken im Kultusministerium.

Probleme auf den zweiten Blick

Auf den ersten Blick scheint alles in bester Ordnung. Im diesjährigen Bildungsmonitor ist Sachsen Spitzenreiter. Der Sächsische Lehrerverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen sind dennoch alles andere als zufrieden mit dem Status quo. Damit der Freistaat im Bundesvergleich weiterhin gut dastehe und auch für Absolventen als Arbeitsort attraktiver werde, müssten besonders die Arbeitsbedingungen verbessert und die Gehälter erhöht werden, so Jens Weichelt, Vorsitzender des Sächsischen Lehrerverbands.

Lohnlücken

Zum Vergleich: Ein Gymnasiallehrer in Sachsen verdient rund 800 Euro weniger als sein Kollege in Nordrhein-Westfalen. Bundesweit belegt Sachsen damit den letzten Platz. Weiteren Reformbedarf sieht Weichelt in der Entlohnung von Grundschullehrern. Während in Berlin die Gehälter von Grundschullehrern denen der Gymnasiallehrer jüngst angeglichen wurden, zeigt eine Studie des Öffentlichen Dienstes, dass eine Lehrkraft an einer sächsischen Grundschule nach wie vor mit 300 Euro weniger im Monat nach Hause geht als ein Gymnasiallehrer.

Der Lehrerverband fordert darüber hinaus eine Entlastung der Lehrkräfte: Anstatt diese mit immer mehr Verwaltungsaufgaben zu belasten, schlägt der Verband vor, Verwaltungsassistenten einzustellen, damit die Lehrer ihrer eigentlichen Tätigkeit des Unterrichtens nachgehen können.

Noch nicht zufrieden

Um dem Lehrermangel entgegenzuwirken und eine Zukunftsfähigkeit des Sächsischen Bildungssystems zu garantieren, müssten die Weichen an der Basis neu gestellt werden:

Wir müssen jetzt schon in der Lehrerausbildung anfangen, die sich an den künftigen Bedarfen aller sächsischer Schularten orientiert. Wir brauchen mehr Studierende, die dann anschließend auch in Sachsen tätig werden.

Jens Weichelt, Vorsitzender des Sächsischen Lehrerverbands

Das vor einem Jahr verabschiedete Maßnahmenpaket des Sächsischen Kultusministeriums sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, führe jedoch nicht zu einer grundlegenden Aufwertung des Lehrerberufs, so Weichelt. Mit weiteren Streiks sei also auch in Zukunft zu rechnen.

Den Beitrag zum Nachhören finden Sie hier:

Ein Beitrag von Charlotte Siemoneit
 
 

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Melina Heinze
26.10.2017 - 19:35