Probleme im Studium

Wenn die Zeit mal wieder knapp wird

Zeit ist immer knapp. Dieses Gefühl haben schon junge Menschen während ihres Studiums. Aber warum ist das so und welche Unterstützungsangebote gibt es für Betroffene?
Plötzlich erscheint alles wichtiger zu sein als die Hausarbeit
Prokrastination: das typische Studenten-Syndrom

Viele Studierende kennen das Problem: Sobald man im Studium Hausarbeiten schreiben oder für Klausuren lernen soll, gibt es tausend andere Dinge, die auf einmal viel wichtiger sind. Wäsche waschen oder das Bad putzen, zum Beispiel.

Zeitfallen lauern überall

Wichtige Dinge schiebt man also auf, anstatt sie direkt anzugehen. Der Fachbegriff dafür ist Prokrastination.

Eine Studentin der Universität Leipzig bringt einen der Gründe dafür auf den Punkt:

Man hat ja nicht so richtige Verpflichtungen anderen gegenüber, sondern ist halt wirklich nur für sich selbst verantwortlich. Und ich glaube, dass da oft quasi das Gegenüber fehlt, der einem so in den Arsch tritt.

EIne Bachelor-Studentin an der Universität Leipzig

Doch neben fehlender Motivation gibt es noch andere Gründe für Prokrastination bei Studierenden. So lauert überall im Alltag Ablenkung. Da sind YouTube-Videos oder Netflix-Serien sehr viel spannender als der Klausurstoff. Dass auch im Studium das Privatleben noch eine Rolle spielt, darf man natürlich auch nicht außer Acht lassen. Mehrere Studierende haben uns erzählt, dass sie viel Wert auf ihre Hobbys legen, denen sie in ihrer Freizeit nachgehen möchten.

Das Studium selbst ist schuld

Ulrich Wehrle sieht als Referent für Soziales vom Studierendenrat der Uni Leipzig jedoch auch Gründe für mangelnde Zeit in der Struktur des Studiums.

Das Bafög lässt viel zu wenig Spielraum, was Studiengangswechsel und Überschreitung der Regelstudienzeit anbelangt. Und dann haben wir natürlich in Sachsen auch die Langzeitstudiengebühren. Dieses Mittel ist für mich total fehl am Platz.

Ulrich Wehrle, Referent für Soziales des Studierendenrates

Den Studierenden ist außerdem oft unklar, welche Erwartungen das Studium an sie stellt. Dafür habe der Studierendenrat mehrere konkrete Lösungsansätze vor Augen: Zum Beispiel, dass man Beratungsangebote leichter findet oder Ansprechpersonen besser erreicht. Eine dieser Ansprechpersonen ist Beatrix Stark. Sie bietet in den Räumen des Studierendenrates eine psychosoziale Beratung an. Darum hat sie immer wieder mit Studierenden zu tun, denen die Zeit bei Uniaufgaben davonrennt. Vor allem beim Schreiben von Hausarbeiten. Sie begründet psychologisch, warum Menschen dazu neiden, zu prokrastinieren, wenn sie eine Schreibblockade haben.

Wenn ich das Gefühl hab, ich muss irgendwas machen, dann hab ich so ne innerliche Abwehrhaltung, dass ich das gar nicht will. Und dann wird die Angst wieder groß, dann setz ich mich morgen lieber nicht damit auseinander und schieb das auf.

Beatrix Stark, psychosoziale Beraterin des Studierendenrates

Das unangenehme Gefühl, wenn die Uhr tickt
Die Zeit rennt

Akute Hilfe bei Schreibblockaden

Um dieser Angst effektiv zu begegnen, gibt es zum Beispiel spezielle Beratungen beim Academic Lab. Dort arbeitet Robert Feustel als wissenschaftlicher Mitarbeiter dort und beschreibt die Methode, mit der sie Studierenden effektiv unter die Arme greifen.

Wir schauen, inwiefern wir an der Fragestellung, an der Textstruktur und an der Argumentation herausfinden können, warum jemand nicht weiterschreibt. Zeitpläne und Zeitmanagement sind da ganz oft durchaus sinnvoll.

Robert Feustel, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Academic Lab

Doch neben solchen Beratungen müsse noch mehr getan werden, fordert der Studierendenrat. So sollte zum Beispiel die Universität Informationsveranstaltungen und Pflichtmodule zum Zeitmanagement anbieten. In denen könnten Studierende lernen, wie sie ihre Zeit am effektivsten organisieren. Neben diesen Maßnahmen an der Universität Leipzig hat der Studierendenrat auch konkrete Forderungen an die Landespolitik, so Ulrich Wehrle.

Auch auf Landesebene versuchen wir darauf hinzuwirken, dass zum Beispiel das Bafög so gestaltet wird, dass es der Studienrealität entspricht, und dass die Langzeitstudiengebühren abgeschafft werden.

Ulrich Wehrle, Referent für Soziales des Studierendenrates

Dies wäre zumindest ein guter Anfang, um den Studierenden ihren Zeitdruck zu nehmen. Darüber hinaus, kann man ihnen dadurch die Möglichkeit geben, im Alltag wieder aufzuatmen.

Der Beitrag zum Nachhören:

Ein Beitrag von Wiebke Stedler
Zeitmanagement im Studium
 

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