Filmrezension "For Ahkeem"

Wenn deine Herkunft dein Leben bestimmt

Die 17-jährige Daje wächst im Ghetto von St. Louis auf. Viele ihrer Freunde wurden erschossen oder sitzen im Gefängnis. Als sie ungewollt schwanger wird, wird ihr bewusst, dass ihr Sohn so nicht leben soll. Aber kann Daje einfach neu anfangen?
Daje und ihr Freund
Daje diskutiert mit ihrem Freund über deren Zukunft.

Der Gerichtssaal ist leer. Nur Daje, ihre Mutter und der Richter sind anwesend. Ohne jegliche Diskussionen zuzulassen verkündet der Richter das Urteil: Daje muss ihre Schule verlassen. Der Grund: angebliche Aufsässigkeit. Von nun an muss sie auf eine besonders strenge Sonderschule gehen. Ansonsten wandert sie in den Jugendknast. Das ist ihre letzte Chance. Sie soll an der Sonderschule lernen sich angemessen zu verhalten und ihren Abschluss machen. 

Auch Daje hat Pläne und Träume für ihre Zukunft. Aber ohne einen Schulabschluss wird sie diese wohl nie erreichen können. Ihre Mutte drängt sie deshalb dazu, regelmäßig zur Schule zu gehen. Und das ist in dem Viertel, wo Daje lebt, keine Selbstverständlichkeit. Die meisten Jugendlichen dort schwänzen, hängen auf der Straße rum und versuchen durch dealen über die Runden zu kommen. Die Leute in den Ghettos fühlen sich von der Gesellschaft abgestoßen und an den Rand gedrängt. Nicht wenige von Dajes Freunden sitzen im Gefängnis oder sind erschossen worden.

Als Daje ungewollt schwanger wird realisiert sie, dass sie etwas an ihrer Situation ändern muss. Ihr Sohn Ahkeem soll eine bessere Zukunft haben. Deshalb gibt sie alles um ihren Abschluss zu bekommen. Doch sie stößt an ihre Grenzen, denn es ist alles andere als einfach sich um einen Säugling zu kümmern und die High School zu managen.

Ein Dokumentarfilm mit Tiefgang

Das Kamerateam begleitet Daje während den Jahren 2013 und 2014. Der Film nimmt dabei direkten Bezug darauf, dass 2014 in Ferguson, unweit von St. Louis, ein 18-jähriger schwarzer Junge von einem weißen Polizisten erschossen wurde. Das Ereignis und die darauf folgenden Proteste waren überall in den Medien. Aber auch darüber hinaus behandelt der Film Problematiken wie Teenie-Schwangerschaft oder Marginalisierung. In den USA räumte er im vergangen Jahr sieben Preise ab. In Deutschland schaffte er es leider nicht in die Kinos, jedoch wurde er auf der Berlinale 2017 gezeigt. 

Charlotte Siemoneit im Gespräch über den Film "For Ahkeem"
 
 

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