Braunkohle-Abbau

Wenn Bagger die Heimat bedrohen

Von den 130 Menschen, die bis vor drei Jahren in Pödelwitz gewohnt haben, sind nur noch knapp 30 da. Aber auch sie sollen ausziehen – das Dorf soll dem Kohleabbau weichen. Thilo Kraneis kämpft für den Erhalt seiner Heimat.
Thilo Kraneis kämpft für den Erhalt seines Heimatdorfes
Thilo Kraneis kämpft für den Erhalt seines Heimatdorfes

Der Bus fährt durch eine karge Landschaft südlich von Leipzig. Links und rechts erstreckt sich der Tagebau Vereinigtes Schleenhain. Schaufelbagger hoch wie Mietshäuser bauen hier Braunkohle ab. Im Hintergrund rauchen die Schornsteine des Kohlekraftwerks Lippendorf, das von dem Tagebau versorgt wird. Der Bus biegt von der Bundesstraße ab und fährt auf einer engen Straße in den Ort Pödelwitz. Am Ortseingang steht ein mannshohes gelbes Andreaskreuz. Im Dorf steigt nur ein älterer Herr aus dem Bus. Er geht schnurstracks Richtung Ortsausgang. Als der Bus weiterfährt, wirkt Pödelwitz menschenleer.

Ortseingang von Pödelwitz
Pödelwitz soll dem Braunkohleabbau weichen

Nur vor einem Haus steht ein Auto. Auf vielen Auffahrten wächst Moos aus den Fugen. Einige Zäune sind umgefallen. Vor drei Jahren ist der Großteil der Bewohner*innen weggezogen. Von den 130 Menschen, die hier lebten, sind nur 28 geblieben. Aber auch sie sollen weg – zumindest wenn es nach der Mitteldeutschen Braunkohle AG (Mibrag) geht. Pödelwitz soll dem Abbau von Braunkohle weichen. Die übrig gebliebenen Bewohner*innen wehren sich dagegen. Einer von ihnen ist Thilo Kraneis – der Mittfünfziger lebt seit seinem 16. Lebensjahr in Pödelwitz. Damals wurde der Ort weggebaggert, in dem er aufgewachsen ist. Das möchte er nicht noch einmal erleben. Deshalb hat er die Bürgerinitiative Pro Pödelwitz mitgegründet, die sich zusammen mit Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace für den Erhalt des Dorfes einsetzt.

Karte Pödelwitz

Orte der Kindheit sind schon weg

Der Bahnhof in Pödelwitz wird schon lange nicht mehr genutzt
Der Bahnhof in Pödelwitz wird schon lange nicht mehr genutzt

Thilo Kraneis Kinder sind in Pödelwitz aufgewachsen, er lebt hier mit seiner Frau im Haus seiner Eltern. Das hat er mitgebaut. „Da steckt viel Schweiß und auch Blut drin“, sagt er. Pödelwitz sei für ihn wie ein Paradies – ruhig gelegen, viel Natur und trotzdem nah an Leipzig. Das wolle er auf keinen Fall verlieren. Zu oft habe er das schon erlebt: Nicht nur der Ort in dem er aufwuchs, ist schon weggebaggert worden, sondern auch der Ort in dem er zur Schule gegangen ist und der in dem er geheiratet hat. Auch das Heimatdorf seiner Frau – Heuersdorf – ist schon weggebaggert worden.

Kraneis sieht eine Zukunft für Pödelwitz

In Pödelwitz sei es sehr ruhig geworden, sagt Kraneis. Er hat hier einen kleinen Schlosserbetrieb, außerdem gibt es noch ein weiteres Zwei-Mann-Unternehmen. Wenn es nach dem Pödelwitzer geht, wird das aber nicht so bleiben: Er geht fest von dem Erfolg seines Kampfes für den Erhalt seiner Heimat aus. Sobald die Entscheidung gefallen sei, solle der Ort wiederbelebt werden. Für Kinder sei der Ort perfekt, es gibt viele Grünflächen und Spielplätze. Die neuen Bewohner*innen könnten sich auch im Dorfleben einbringen, so Kraneis. Nach seinen Worten muss die Dorfkirche renoviert werden, sobald der Erhalt des Dorfes gesichert ist. Von außen ist die Kirche bereits in den neunziger Jahren renoviert worden. Mittlerweile ist sie eines der höchsten Gebäude in der Gegend. Im kargen Tagebaugebiet wirkt sie wie ein Leuchtturm.

Die Reportage aus Pödelwitz von mephisto 97.6-Redakteur Lennart Banholzer können Sie hier nachhören:

Thilo Kraneis kämpft um den Erhalt seiner Heimat - eine Reportage von Lennart Banholzer
Reportage Pödelwitz
Der Kohle einen Korb geben - steht auf einem Basketballkorb in Pödelwitz
Der Kohle einen Korb geben - steht auf einem Basketballkorb in Pödelwitz
 

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Lennart Banholzer
11.01.2018 - 16:49