Endstation Markkleeberg-Ost

Wenn aus einem Hof ein Zuhause wird

In Zeiten der Vereinsamung sehnen sich viele Menschen nach Gemeinschaft. Das Wohnprojekt "Pleissenhof" in Markkleeberg-Ost zeigt uns, wie das Zusammenleben funktionieren kann.
Bild vom Pleissenhof
Der Pleissenhof
Ein Bericht von Kristina Di Bella über den Pleissenhof

Daniel Griffioen

Pleissenhof

Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens „Growth for Knowledge“ aus diesem Jahr hat Leipzig den dritt-höchsten Anteil an Ein-Personen Haushalten in Deutschland. Gefühle der Vereinsamung und Anonymisierung können daraus entstehen. Das Wohnprojekt "Pleissenhof" ist ein Beispiel dafür, wie man diesem Trend entgegenwirken kann.

Von der Endstation Markkleeberg-Ost sind es nur wenige Meter zum Pleissenhof. Im Vorgarten wandern Bienen von einer Blüte zur nächsten und Vögel gucken aufmerksam aus den Bäumen. Hier ragt ein großes rotes Ziegelsteingebäude aus, auf dem das Jahr 1736 gemeißelt steht. Im Treppenhaus ist der Flur voll mit Obstkörben, Schuhen und viel Spielzeug.

Im Innenhof spielen Kinder mit dem Hund auf dem Spielplatz und die Erwachsenen trinken Kaffee. Sie sind freundlich und erzählen gerne von ihrem Zuhause. Der Hof sei vor fünf Jahren gekauft und dann renoviert worden; 2015 sind sie dann eingezogen. Mittlerweile wohnen hier sieben Familien mit insgesamt 13 Erwachsenen und 18 Kindern. Tiere gibt es hier natürlich auch, unter anderem Schafe, Meerschweinchen und Hündin Lala.

Bild von den Pleissenhofschafen
Pleissenhof2

In der bunten Küche der frischgebackenen Mama Dörte gibt es Besuch. Die Leute erzählen, wie das Leben auf so einem Hof funktioniert und was sie daran schön finden.

Ich find’s total schön hier zu wohnen, weil man gute Freundinnen hat, mit denen man immer ganz viel Kaffee trinken kann und draußen zusammen sein kann, und weil man immer jemanden zum Reden hat, wenn man jemanden zum Reden braucht.

Hofbewohnerin

Wichtig ist ihnen auch die Naturverbundenheit, die Nähe zum See und der Zugang zur Stadt. Trotz all den schönen Momenten gibt es aber auch Schwierigkeiten. Das Zusammenleben von so vielen Menschen ist nicht immer so einfach. Deshalb trifft sich die Hausgemeinschaft einmal die Woche, um anstehende Themen und Anliegen gemeinsam zu besprechen.

Bei wichtigen Sachen brauchen wir unbedingt Einstimmigkeit. Wir treffen uns jeden Montagabend. Möglichst aus jeder Familie wenigstens einen Vertreter dabei und dann haben wir ein langes Protokoll, was abgearbeitet werden muss mit ganz einfachen Sachen und ganz schwierigen Sachen.

Hofbewohnerin

Dennoch ergeben sich von Zeit zu Zeit auch Konflikte. Dazu gehören Unstimmigkeiten aber manchmal auch der Wunsch nach mehr Privatsphäre.

Die Türen gehen schon leicht auf. Das heißt die Kinder kommen ‚Klopf – auf‘ oder gar nicht klopfen und dann kommen sie auch rein. Also manchmal ist es auch ein bisschen anstrengend, wenn man denkt: Jetzt will man doch mal seine Ruhe haben oder versucht, seine eigenen Kinder hier drin zu halten und so ein bisschen Familie zu machen und die dann immer irgendwo anders hin witschen. Das ist dann ein bisschen wenig Privatsphäre, aber ich kann damit gut umgehen.

Hofbewohnerin

Doch auch wenn es ab und zu schwierig wird, sind sich die Familien einig. Das enge Zusammenleben mit Anderen bietet die Möglichkeit, viel über sich selbst zu lernen.

Der Pleissenhof ist vielen in Markleeberg-Ost ein Begriff. Das liegt vor allem am Sommerfest, das jedes Jahr auf dem Hof stattfindet. Hierzu sind die alle immer herzlich eingeladen. Die Integration in die Dorfgemeinschaft war den Familien vom Pleissenhof von Anfang an wichtig und scheint auch gelungen zu sein. Auf die Frage, ob er sich ein Leben auf dem Hof vorstellen könne, antwortete ein Nachbar:

Das ist mir zu viel Kommune, muss ich sagen, dann bin ich doch so lieber der Bürgerliche. Ich sag mal, wär ich jünger und mit kleinen Kindern, dann ist das sicherlich alles schick und schön. Aber ich sag mal, dann irgendwann will man das vielleicht auch nicht mehr. Dann will man doch seine Privatsphäre.

Nachbar

Die Pleissenhöfler würden sich jedenfalls wünschen, mehrere Generationen im Haus zu haben. Aber nicht alle Wohnungen sind altersgerecht und barrierefrei eingerichtet. Das zu ändern, gehört zu ihren zukünftigen Zielen.

 

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Daniel Griffioen & Kristina Di Bella
31.08.2018 - 09:47
  Kultur

Weitere Infos und ein Blog findet man auf der Homepage vom Pleissenhof.

Nicht zu vergessen ist auch das fünfjährige Jubiläum des Sommerfestes im nächsten Jahr. Dazu sind natürlich alle herzlich eingeladen.