Spaltung der Gesellschaft

Weniger Wirrwarr – mehr Dialog

Wieder ins Gespräch kommen, aber wie? Bei einer Podiumsdiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung ging es um Populismus und Parallelen zwischen Demokratie und Pizza.
PodiumFES
Das Podium bei der Diskussion im Studio 3: Dobschütz (v.l.), Köpping, Tschense, Hollitzer, Giele

Wie umgehen mit Populismus und gesellschaftlicher Spaltung? Darum ging es bei einer Podiumsdiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung am Dienstag in Leipzig. Auf dem Podium saß auch die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping (SPD). Sie sieht solcherlei Veranstaltungen als Teil der Antwort: Sie fördern den Dialog zwischen Bürgern und Politikern.

Demokratie ist kein Pizzadienst

Mit der Ministerin diskutierte unter anderem Probst Gregor Giele. Er sieht vor allem die Bürger selbst in der Pflicht, sich stärker in die Politik einzubringen. Jeder trage Verantwortung und könne die Politik mitgestalten. Meckern alleine reiche nicht aus. Ministerin Köpping sieht das ähnlich: Um das Problem zu verdeutlichen, bediente sie sich eines Zitates ihres Ministerkollegen Martin Dulig. Dieser hatte im Tagesspiegel gesagt, Demokratie sei kein Pizzadienst. Laut Köpping ist damit gemeint, dass man bei den Politikern nicht einfach etwas bestellen und dann darauf warten kann, dass es genauso geliefert wird. Politik ist immer ein Aushandlungsprozess.

Starke Politisierung

Sie spüre in den vergangenen Jahren eine stärkere Politisierung der Gesellschaft, sagt die Politikerin. Das Interesse an Veranstaltungen wie der heute sei früher deutlich kleiner gewesen. Ins Studio 3 sind an diesem Abend etwa 40 Menschen gekommen – die Meisten sind Rentner. Bei der Diskussion zwischen Podium und Publikum am Ende beklagt einer der Teilnehmer: Man könne nicht behaupten, die Veranstaltung sei gut besucht. Vor allem jüngere Generationen fehlten ganz. So richtig kommt die Diskussion am Ende auch nicht in Gang. Verschiedenste Themen werden schlicht in den Raum geworfen: Einer möchte, dass sich das Podium zum Drohnenkrieg äußert, den die USA führen. Ein anderer erläutert, dass die Medien seiner Ansicht nach gelenkt seien. Eine echte Diskussion entsteht in diesem Wirrwarr aus Themen nicht. Es scheint, als wären viele Leute gekommen, um ihren Frust abzuladen und nicht, um sich an dem konstruktiven Dialog zu beteiligen, der vorher auf dem Podium stattgefunden hatte. Dabei hatte Probst Giele in der Diskussion treffend etwas Elementares angemerkt: In einer Demokratie könne sich jeder in die Politik einbringen. Der Einzelne sei eben nicht wirkungslos. 

mephisto 97.6 Redakteur Lennart Banholzer war bei der Diskussion im Studio 3 dabei. Seinen Beitrag gibt es hier zum Nachhören:

Ein Beitrag von mephisto 97.6Redakteur Lennart Banholzer
0903_BmE_Populismus
 

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