Tag des Jazz

Welttag für Amerikas „Klassische Musik“

Seit 2012 erinnert der von der UNESCO ausgerufene Internationale Tag des Jazz jedes Jahr am 30. April an die Bedeutung des Jazz. Aber was zeichnet den Jazz eigentlich aus? Der Versuch einer Erklärung.
Ein Mann lächelt in die Kamera
Für Jazzlegende Duke Ellington war klar, wenn Shakespeare heute leben würde, wäre er wahrscheinlich ein Jazzfan.

Seine Geburtsstunde feierte der Jazz um 1900 in den Südstaaten der USA. Vor allem in New Orleans entwickelte sich das neue Genre schnell. In der Hafenstadt am Mündungsdelta des Mississippi River trafen Blues, Gospel und karibische Klänge auf die Musik der europäischen und zumeist französischen Einwanderer. Aufgrund des damals noch neuen Mediums Radio verbreitete sich der Jazz in Windeseile in der ganzen Welt. Dabei hatte das neue Genre großen Einfluss auf viele andere Musikstile.

Jazz ist überall

Heute ist der Jazz aus sämtlichen modernen Musikrichtungen nicht mehr wegzudenken – angefangen bei Pop- über Rockmusik bis hin zum Hip-Hop.

Der Jazz ist die Musik auf dieser Welt, die eigentlich alles zulässt. Du kannst die unterschiedlichsten Einflüsse unter seinem Dach immer wieder neue Verbindungen eingehen lassen.

Jürgen Spiegel | Schlagzeuger

Der Jazz entwickelte sich zu einer Musik, die verschiedene Kulturen verbindet und Grenzen scheinbar mühelos überwindet. Aufgrund dieser andauernden kulturellen Bedeutung wird der Jazz häufig auch als amerikanisches Pendant zur klassischen Musik Europas betrachtet.

Ich bin überzeugt, dass die Menschen in 100 Jahren ‚Bird‘, ‚Miles‘ und ‚Dizzy‘ als die Musikgrößen wahrnehmen wie wir heute Mozart, Bach, Chopin und Tschaikowski.

Quincy Jones | Trompeter und Produzent

Suche nach Freiheit

Die Entwicklung des Jazz hatte aber auch außerhalb der Musik große Auswirkungen. Wie kaum eine Musikrichtung steht der Jazz für ein Lebensgefühl, das die Maxime der Freiheit für sich beansprucht. In den USA war und ist der Jazz eine treibende Kraft zur Überwindung der Rassendiskriminierung. Darüber hinaus spielte der Jazz auch für die amerikanische Frauenrechtsbewegung in den frühen 1920er-Jahren eine große Rolle. Denn die Bühnen in den Jazzclubs waren nicht nur die erste, sondern viele Jahre lang auch die einzige Möglichkeit für Frauen, ihren musikalischen Ambitionen nachzugehen. Noch heute gilt: Dort wo Jazz gespielt wird, da wird die Bühne zum politischen Forum, in welchem Meinungsfreiheit, Toleranz und Dialog aktiv gelebt werden.

Jazz ist, warum dieses Jahrhundert anders klingt als andere.

Dizzy Gillespie | Trompeter und Bandleader

Was ist Jazz?

Die Frage, was den Jazz aber letztendlich zum Jazz macht, die lässt sich nicht abschließend beantworten. Es gibt aber einige zentrale Merkmale, die ihn von anderen Stilrichtungen unterscheiden. Dazu gehören zum einen die Improvisation und Spontanität, die sich beide stark gegenseitig beeinflussen. Aber auch die Individualität, die letztendlich für die zahlreichen Strömungen im Jazz sorgt, wird großgeschrieben.

Jazz ist mehr als nur Musik. Jazz ist eine Lebenseinstellung.

 Charlie Parker | Saxophonist

Der Versuch, eine klare und allgemeingültige Definition des Jazz zu verfassen, bleibt aber dank der fortwährenden Entwicklung und Neuerfindung dieses Genre letztendlich aussichtslos.

Mehr Informationen aus der Sendung: 

mephisto 97.6 Moderator Janek Kronsteiner im Gespräch mit Thomas Tasler.
 
 

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