Jahresrückblick

Welche Mobilitätsstrategie wird es?

Mit den „Mobilitätsstrategien 2030“ soll eine gute Infrastruktur in Leipzig garantiert werden, trotz wachsender Bevölkerung. Doch das Konzept der Stadtverwaltung sorgt weiterhin für Diskussionen. Ein Rückblick auf die sechs vorgestellten Strategien.
Fahrräder am Leipziger Hauptbahnhof
Ein Konzept sieht eine fahrradfreundlichere Infrastruktur vor.

Ein wichtiges Thema für Leipzig war 2017 insbesondere die Verkehrsplanung. Angesichts des rasanten Bevölkerungswachstums werden schließlich auch in Zukunft immer mehr Menschen auf Leipzigs Straßen unterwegs sein – ob mit dem Fahrrad, dem Bus oder dem Auto. Deshalb hat die Stadt ein Konzept mit dem Titel „Mobilitätsstrategien 2030“ entwickelt. Dieses befasst sich damit, wie das Wachstum der Stadt bewältigt werden kann.

Viele Menschen müssen mobil bleiben

In ihrem Mobilitätskonzept erwartet die Stadt, dass sich das rasante Bevölkerungswachstum fortsetzt und in zwölf Jahren rund 700.000 Menschen in Leipzig wohnen werden. Deshalb haben Verkehrsplaner der Stadt sechs Szenarien entwickelt, die einen jeweils unterschiedlichen Schwerpunkt auf die Verkehrsentwicklung legen: So forcieren zwei Szenarien auf unterschiedliche Weise die Erhaltung des Status quo. Die anderen Strategien legen ihren Schwerpunkt jeweils auf Nachhaltigkeit, den Radverkehr oder den öffentlichen Nahverkehr. Michael Jana vom Verkehrs- und Tiefbauamt sagt, die Stadt wolle damit vor allem vom Auto wegkommen.

Insofern haben wir jetzt hier mit den sechs Szenarien erstmal den Möglichkeitsraum gezeigt. Und in Bezug auf das Auto zeigt sich eben, dass eine Fortführung des verkehrspolitischen Status quo, so wie wir ihn heute haben, auch aufgrund der Finanzierungsmöglichkeiten dazu führt, dass das Auto die größten Nachteile erleidet.

Michael Jana, Leiter Verkehrs- und Tiefbauamt

Schon lange im Gespräch

Die Idee, langfristige Visionen für den Leipziger Stadtverkehr zu erstellen, geht auf das Jahr 1998 zurück. Damals hatte die Stadt den ersten Nahverkehrsplan beschlossen, der dann rund zehn Jahre später überarbeitet wurde. Mit dem aktuellen Plan zu den „Mobilitätsstrategien 2030“ will die Stadtverwaltung nun der Debatte um die Verkehrsentwicklung neue Impulse geben. Doch angesichts der jeweils ganz unterschiedlichen Szenarien wird die Diskussion wohl auch auf absehbare Zeit kein Ende finden. Größter Streitpunkt ist die Frage: Soll die Leipziger Verkehrsplanung eher Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer und den öffentlichen Nahverkehr stärker miteinbeziehen oder aber soll sie mehr Rücksicht auf den Wirtschaftsverkehr legen?

Gert Ziener ist Abteilungsleiter für Wirtschafts- und Bildungspolitik an der IHK zu Leipzig. Zwar müssten alle Verkehrsteilnehmer optimal eingebunden werden, aber:

Wir müssen als Wirtschaft immer sehen, dass der Wirtschaftsverkehr hier in Leipzig einschließlich des Berufsverkehrs 60 Prozent aller Kfz-Fahrten ausmacht. Insofern müssen wir auch ein Stück weit den motorisierten Individualverkehr in den Fokus nehmen.

Gert Ziener, IHK-Abteilungsleiter für Wirtschafts- und Bildungspolitik

Das Radverkehrs-Netz in Leipzig müsse außerhalb der Hauptverkehrswege ausgebaut werden, so Ziener. Er spricht sich für das sogenannte Gemeinschaftsszenario aus, das auf den öffentlichen Nahverkehr und auf Kraftfahrzeuge setzt. Eine andere Auffassung vertritt Laurenz Heine. Er ist Vorsitzender beim Landesverband Elbe-Saale des ökologischen Verkehrsclubs.

Die „Mobilität 2030“in Leipzig sollte sich in die Richtung entwickeln, dass Leipzig eine lebendige Stadt wird. Und lebendig heißt, dass etwas los ist in der Stadt. Und dass es eben weniger Autoverkehr gibt, sondern vielmehr Menschen, die zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs sind und größere Entfernungen mit dem Fahrrad zurücklegen.

Laurenz Heine, VCD-Vorsitzender Landesverband Elbe-Saale

Deshalb spricht sich Heine für das Nachhaltigkeitsszenario aus, das die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer möglichst umweltfreundlich einbinden will. Unklar bleibt, wie eines der Mobilitätsszenarien finanziert werden könnte. Dem Sprecher der Stadt Leipzig, Mathias Hasberg, zufolge werden Mittel von Bund und Land benötigt.

Also es benötigt eine Milliarde bis 2030, wenn wir den ÖPNV Verkehr in der Stadt Leipzig so fortführen wollen und auch verbessern wollen, wie es bisher ist. Uns ist klar, dass wir das mit den bisherigen Finanzierungsmodellen nur sehr schwer, wenn überhaupt, hinbekommen können. Und hier bedarf es ganz dringend einer Unterstützung von Bund und Land.

Mathias Hasberg, Pressesprecher Stadt Leipzig

Im Frühjahr kommendes Jahres soll sich der Stadtrat für eines der Szenarien aussprechen. Es soll Grundlage für die künftige Verkehrsplanung der Stadt sein.

Redakteur Magnus Raab fast die "Mobilitätsstrategien 2030" zusammen:

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteur Magnus Raab.
2812 Rückblick Mobilität
 

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