Protest gegen rassistischen Professor

"Weißes Europa ist wunderbares Ziel"

Juraprofessor Thomas Rauscher muss sich für einen rassistischen Tweet verantworten - und das nicht zum ersten Mal: Der Professor ist bekannt für fremdenfeindliche und homophobe Äußerungen. Heute protestierten Studierende in seiner Vorlesung.
Protestaktion bei der Vorlesung Professor Rauschers
Professor Rauscher (links im Bild) stand schon häufig wegen fremdenfeindlicher Äußerungen in der Kritik.

"'Ein weißes Europa brüderlicher Nationen'. Für mich ist das ein wunderbares Ziel!" - Mit diesem Tweet sorgte Juraprofessor Thomas Rauscher Anfang der Woche für Aufsehen. Nun wurde er in einer seiner Vorlesungen direkt mit den Vorwürfen des Rassismus konfrontiert. Rund sechzig Studierende protestierten im Hörsaal gegen ihn. Ein Sprecher der Aktion sprach von den Grenzen der Meinungsfreiheit:

Als Professor, Beamter und Erasmusbeauftragter ist seine Meinungsfreiheit durch Loyalität zum staatlichen Diensherren und Neutralität gegenüber den Studierenden begrenzt.

Sprecher der studentischen Protestaktion

Rauscher versuchte daraufhin, sich zu rechtfertigen: In dem Tweet beziehe er sich laut eigener Aussage auf einen Artikel der Süddeutschen Zeitung, der sich mit den Demonstrationen in Polen vergangenen Samstag auseinandersetzt. Zehntausende polnische und europäische Nationalisten und Rechtsextreme waren durch Warschau marschiert. Er habe aus diesem Artikel die These polnischer Nationalisten - "ein weißes Europa brüderlicher Nationen" - aufgegriffen. In Anbetracht des Zweiten Weltkriegs würde er vor allem den Teil "brüderliche Nationen" gutheißen. Die Formulierung "weißes Europa" erklärte er so:

Die kulturelle Entwicklung Europas ist die eines weiß besiedelten Kontinents, genauso wie Afrika zu 99 % bis zu Beginn der Kolonisation ein schwarzer Kontinent war.

Thomas Rauscher

Im Verlauf der Diskussion im Hörsaal betonte er, seine Äußerungen hätten nichts Rassistisches.

Wie die heutige Protestaktion im Hörsaal verlief, hören Sie hier:

mephisto 97.6 Redakteurin Nicole Franz über die Protestaktion gegen Professor Rauscher.
1611 Rauscher

Ablehnung auch seitens der Universität

Auch die Universität Leipzig verurteilte die Äußerungen Rauschers ausdrücklich. Die Hochschule stehe für Weltoffenheit und Toleranz, so Katharina Werneburg, Pressesprecherin der Universität Leipzig. In Kürze würden Untersuchungen eingeleitet und dienstrechtliche Schritte gegen den Professor geprüft.

Der Fachschaftsrat Jura Leipzig konnte diese Ankündigung der Universität gutheißen:

In der Vergangenheit wurde seitens der Uni in dieser Thematik zwar immer die Internationalität und Weltoffenheit der Hochschule betont, jedoch blieb es zumeist dabei. Folglich begrüßen wir diese Mitteilung der Universität Leipzig.

Fachschaftsrat Jura Leipzig

Die sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange äußerte sich ebenfalls zur Causa Rauscher:

Eva Maria Stange Statement rauscher

Regelmäßig fremdenfeindliche Tweets

Darf ein lehrender Professor in jedem Fall seine Meinung öffentlich äußern? Diese Frage wird nicht zum ersten Mal diskutiert. Seit 2013 twitterte Rauscher Äußerungen, in denen seine Homophobie, seine fremden- und islamfeindliche Haltung und seine Skepsis gegenüber des vom Menschen verursachten Klimawandels deutlich wird - immer begleitet von Protesten seitens der Studierenden, der Medien und der Öffentlichkeit. Anfang 2016 kritisierte das Bündnis Legida? Läuft nicht. seine regelmäßigen fremdenfeindlichen Äußerungen, mephisto 97.6 berichtete. Am vergangenen Dienstag twitterte er:

Wir schulden den Afrikanern und Arabern nichts. Sie haben ihre Kontinente durch Korruption, Schlendrian, ungehemmte Vermehrung und Stammes - und Religionskriege zerstört, und nehmen uns nun weg, was wir mit Fleiß aufgebaut haben.

Thomas Rauscher via Twitter

Heute hat Rauscher seinen Twitteraccount deaktiviert.

 

 

 

 

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