25 Jahre freie Wahlen in Polen

Was hat sich verändert?

Vor 25 Jahren fiel in Warschau der Startschuss für die ersten freien Wahlen in Polen. Dieser Erfolg hat auch außerhalb Polens seine Spuren hinterlassen. Heute ist das Wählen für viele eine Selbstverständlichkeit.
Demonstrationszug mit Plakat
Die Widerstandgruppe Solidarność erreichte, dass 1989 die ersten halbfreien Wahlen in Polen durchgeführt wurden.

Mit den ersten Protesten 1980 gründete sich in Polen aus einer Gewerkschaft heraus die Widerstandsgruppe Solidarność. Sie war der Wegbereiter für ein zukünftig demokratisches Polen, denn am 4. Juni 1989 schaffte sie es, nach langen Verhandlungen die sozialistischen Machthaber zu überzeugen, die ersten halbfreien Wahlen abzuhalten. Unter der Bedingung, dass im sogenannten Sejm, der zweiten Kammer des polnischen Parlaments, immer noch die Hälfte der Sitze mit Abgeordneten der kommunistischen Partei besetzt werden. Dieser Durchbruch war auch für die damalige DDR ein Beispiel für die Macht des Widerstandes. Auf der Deutsch-Polnischen Konferenz vom 7. bis zum 8. April 2014 in Leipzig wurde immer wieder betont, wie sehr sich Polen und Deutschland zur Zeit der Wende gegenseitig unterstützt haben.

Zuneigung zu Europäischer Union

Heutzutage sind Wahlen für die meisten nichts Besonderes mehr. In der Europawahl vor Kurzem fiel die Wahlbeteiligung in Polen erstaunlich niedrig aus. Dies ist jedoch kein Resultat von Desinteresse meint Wojciech Więckowski vom Polnischen Institut Leipzig. Die Zuneigung zur Europäischen Union sei flächendeckend in Polen zu beobachten. Warum jedoch trotzdem so wenig Bürger ihre Stimme abgegeben haben, kann er sich auch nicht erklären und bedauert es zutiefst. An den eigenen Parlamentswahlen beteiligt sich hingegen fast die Hälfte der wahlberechtigten Polen. Derzeit wird das Land liberal-konservativ regiert. Die Partei PO (Platforma Obywatelska) bezeichnet sich als eine Bürgerplattform und ist eher liberal einzuordnen. Sie gewann die letzten Parlamentswahlen 2011. Doch gleich danach folgt die nationalkonservative Partei PiS (Prawo i Sprawiedliwość, auf deutsch: Recht und Gerechtigkeit). Dass sich Polen bei den Wahlen eher konservativ orientiert, liegt an seiner sozialistischen Vergangenheit, meint Karolina Wesołowska aus Stettin. Sie studiert zurzeit Anglistik in Leipzig. Letztendlich kann man sagen, dass zwar die Euphorie von vor 25 Jahren verflogen ist, die Möglichkeit zu Wählen aber bleibt.

Wie war das erste Mal wählen und wie sieht die Lage heute aus? – ein Beitrag on Frauke Gliemann
25 Jahre freie Wahlen Polen
 

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Frauke Gliemann
04.06.2014 - 11:06