Frisch Gepresst: Wargirl

Krieg um Diversität

Drei Frauen und drei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Die amerikanische Band Wargirl mischt auf ihrem Debütalbum Afrobeat, 70s Psychedelic und Garage Rock.
Wargirl tragen mit ihrem Debütalbum den Sound Kaliforniens in die Welt.

Für lange Zeit war für Matt Wignall klar, dass er niemals eine eigene Band haben würde. Er hörte zwar leidenschaftlich gern Musik, war stolz auf seine große Musikinstrumentensammlung und produzierte sehr erfolgreiche Songs für Cold War Kids und Mando Diao. Trotzdem langweilte ihn die Vorstellung von einem eigenen Projekt. Wignall wollte, falls es jemals zu diesem Punkt kommen würde, Musik machen, die all seine musikalischen Interessen vereinigt: Afrobeat, Reggae, Psychedelic, 70s Funk und Garage Rock. Was klingt wie eine unmögliche Mischung, fand dann aber doch Anklang bei fünf anderen Musikern und Musikerinnen und so entschied sich Wignall dann doch dafür, eine Band zu gründen: Wargirl.

Bunt wie Kalifornien

Matt Wignall und die meisten anderen Mitglieder von Wargirl kommen aus Long Beach in Kalifornien, was für den Sounds ihrer Musik nicht ganz unbedeutend ist. Die Stadt in der Nähe der Metropole Los Angeles ist ein sonniger Platz für Kreative aus der ganzen Welt. So kommt Schlagzeuer Erick Nieto zum Beispiel aus Ecuador. Doch auch der Rest der Gruppe ist so divers, wie man sich Kalifornien vorstellt: der zweite Schlagzeuger Jeff Suri hat einen Doktortitel in Chemie, Bassistin Tamara Raye steht auf Motorräder, Keyboarderin Enya Preston spricht fließend japanisch und Sängerin Samantha Parks ist die Tochter von James Lafayette Parks, der Sänger der 70s Funk Band Bull & The Matadors war.

Genau so vielfältig wie die Besetzung sind auch die zehn Songs auf Wargirls selbst betitelten Debütalbum. „Poison“ erinnert eher an Post-Punk, während „Sass Girl“ durch seine Rap-Passagen so richtig interessant wird. Wargirl kreieren Gegensätze, vor allem wenn Afrobeat-Drums und Latin-Rythmen auf moderne Synthies treffen wie in „Voice of the Mountain“. Wargirl driften oft in Richtung Psychedlic Rock. Auch wenn sie eigentlich nur groovige Musik zum Tanzen machen wollten, schaffen sie es daraus eine politische Party zu machen.

Dropping bombs, dropping bombs through the clouds that fill the night and I never runaway when the thunder rolls at night.

Song: "Last Time"

Einige der Tracks wurden mit einer Gruppe von weiblichen Bläserinnen in Costa Rica aufgenommen. Der weibliche Touch ist Wargirl nicht nur wegen des Bandnamens wichtig. Das zeigt vor allem die Stimme von Sängerin Samantha, die mal sinnlich und mal sehr fordernd durch die Songs führt. Gleichzeitig wollen sie zeigen, was für ein diverser Haufen sie sind. Auch die anderen Themen passen zu diesem progressiven Denken. Sie sind stolz auf ihre Unterschiedlichkeit und sind nach eigenen Aussagen nicht auf Kommerz aus. Vielleicht klingen viele der Songs deswegen so improvisiert und genau das macht die Platte so authentisch.

Fazit

“I knew I was capable of recording and writing good music. But the idea of being in some band where there are four guys playing and one of them singing lead just seemed incredibly boring to me,” – so Matt Wignall, doch mit Wargirl hat er eine Band gegründet, die unbeschwert vor sich hin groovt und die in jedem Song mit unerwarteten Sounds um die Ecke kommt. Sei es Disco, Latin oder Garage Rock.

 

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Wargirl: Wargirl

Tracklist:

1. Poison*
2. Sass Girl
3. Mess Around*
4. Voice of the Mountain
5. No Difference*
6. Streets
7. How You Feel*
8. I Know I
9. Make Believe
10. Last Time

Anspieltipps*

Erscheinungsdatum: 26.10.2018
Clouds Hill

Einen Teil der Songs haben Wargirl in Costa Rica aufgenommen.

Über ihre Reise haben sie ein kleines Video gedreht:

 

Tour

Im letzten Monat waren Wargirl gemeinsam mit Yoke Lore in Leipzig zu Gast.
Musikredakteurin Julia Jochheim war vor Ort. Ihren Konzertbericht könnt ihr hier lesen.