DOK 2018

The War On My Phone

Physisch haben Geflüchtete aus Syrien das Kriegsgebiet verlassen. Doch per Smartphone halten sie oft den Kontakt zu Verwandten und Freunden in Syrien. "The War On My Phone" begleitert vier Geflüchtete – und mit ihnen Menschen inmitten des Krieges.
Elke Sasse, Amjad AL-Tokan und Janine Dauterich von "The War on my Phone"
Elke Sasse, Amjad AL-Tokan und Janine Dauterich von "The War on my Phone"

Der Film The War On My Phone läuft im Internationalen Programm des 61. DOK-Festivals Leipzig. Vier Geflüchtete aus Syrien begleitet die Regisseurin Elke Sasse mit der Kamera. Amjad, Omar, Zena und Shahinaz leben nun in Deutschland und der Schweiz, doch per Videotelefonie und Chat stehen sie in ständiger Verbindung mit Freunden und Verwandten, die freiwillig oder gezwungenermaßen im Bürgerkriegsland Syrien geblieben sind.

Nachdem Elke Sasse 2016 mit #MyEscape die Flucht aus Syrien, Afghanistan und Eritrea mit den Videos zeigte, die die Geflüchteten selbst aufgenommen hatten, geht sie  nun einen Schritt weiter: Die Geflüchteten sind angekommen, doch zurückgelassen haben sie den Krieg nicht.

Das gesamte Interview zum Nachhören:

Regisseurin Elke Sasse und ihr Protagonist Amjad Al Tokan über "The War on My Phone"
Regisseurin Elke Sasse und ihr Protagonist Amjad Al Tokan über "The War on My Phone"

Damit eröffnet der Film einen sehr persönlichen Einblick in den Alltag im Kriegsgebiet. Die Handy-Aufnahmen aus Syrien, die auf den Smartphones hier ankommen, zeigen Raketenangriffe; ein Freund, der im Gefängnis festgehalten wird, berichtet von seiner täglichen Angst. Wir erfahren von der mühsamen Organisation eines Fluchtversuches und von Aktivisten, die Propagandavideos des IS dokumentieren, um die Täter später zur Verantwortung zu ziehen. 

Die Gleichzeitigkeit von Krieg und Idylle

Der Kontrast könnte kaum größer sein: die Protagonisten leben hier in idyllischen Landschaften: am Genfersee etwa oder im Münsterland. Ruhig und mit klaren, aufgeräumten Bildern begleitet die Kamera die vier, wie sie mit der Straßenbahn fahren, spazieren, im Café sitzten. Die Bilder aus Syrien dagegen sind unscharft, verwackelt, mitunter ist nichts zu erkennen, weil mit dem Handy versteckt gefilmt wurde. Die Aufnahmen lassen die Zerstörung und das Chaos erahnen, oft sind sie unter Risiko entstanden. Für Filmende wie Geflüchtete ist nicht nur die persönliche Bindung und Sorge Antrieb in Kontakt zu bleiben, sondern es ist auch der Wille zu zeigen, wie die Zustände in Syrien sind.

Dabei kommt der Film nahezu ohne Musik aus: die Originalaufnahmen aus dem Kriegsgebiet sprechen für sich. Dazwischen bietet die Ruhe am Genfersee, das Vogelzwitschern im Wald und die Sicherheit einer Wohnung den Raum den Schrecken zu verarbeiten. Dieser Frieden allerdings erscheint trügerisch; der Krieg in Syrien und die Sorge um die Menschen sind ständig präsent.

Fazit

The War On My Phone verzichtet auf die Beleuchtung politischer Hintergründe und Zusammenhänge. Dass in Syrien seit fast acht Jahren Krieg herrscht, ist bekannt  – doch die selten datierten Originalaufnahmen sind ebenso Ausdruck einer wahrgenommen Perspektivlosigkeit. Den nüchternen Nachrichtenbildern setzt der Film deshalb einen persönlichen Zugang entgegen. Es ist die Gleichzeitigkeit von Frieden hier – Krieg dort, die uns der Film vor Augen führt. Das Leiden in Syrien ist nicht beendet; für die Menschen dort nicht, für die Geflüchteten nicht, und ebensowenig für alle anderen.

 

 

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The War on my Phone läuft am 28.11.2018 um  23:25 Uhr im WDR.