Opernkritik

Wagners verfluchter Seemann

Die Neuinszenierung des Fliegenden Holländers an der Oper Leipzig besticht durch starke Bilder und tolle Musik. Die Oper ist zwar typisch Wagner, aber auch konventionell inszeniert. Sensationell ist der aufwendige Einsatz der Bühnentechnik.
Schiff mit roten Segeln
Das Bühnenbild kann sich sehen lassen: Hier fährt des Holländers Schiff über die Bühne.

Richard Wagner, das klingt für viele abschreckend: Seine Opern sind häufig sehr lang und schwer zugänglich. Der Fliegende Holländer ist allerdings für eine Wagner-Oper mit zweieinhalb Stunden Spieldauer eher kurz.

Die Oper Leipzig bringt immer wieder Wagner-Inszenierungen, weil der Komponist aus Leipzig stammt. Bis 2022, so der ehrgeizige Plan, will die Oper Leipzig alle Wagner-Opern im Repertoire haben.

Dramatik pur

Im Fliegenden Holländer geht es um einen verfluchten Seemann, der ewig mit seinem Geisterschiff die Weltmeere besegeln muss. Nur alle sieben Jahre darf er an Land, um Erlösung zu finden. Dazu muss er eine Frau finden, die ihm die Treue schwört. In der Oper findet er diese in der Kapitänstochter Senta, die allerdings schon einen Liebhaber hat.

Die folgende Dramatik spiegelt die Musik der Oper von Anfang an: Schon in der Ouvertüre hört man das unheilvolle Leitmotiv des fliegenden Holländers. Mit Leitmotiven arbeitet Wagner in vielen seiner Opern. Typisch ist auch, dass die Oper nicht wie die klassische italienische Nummernoper erzählt ist. Stattdessen wird der deutsche Text in fortlaufenden Szenen erzählt.

Spektakuläres Bühnenbild

Die Inszenierung der Oper Leipzig lebt von ihren starken Bildern. Regisseur Michiel Dijkema ist auch Bühnenbildner und betrieb enormen Aufwand für die Gestaltung. So wird die Technik zur Schiffstakelage. Im dritten Akt taucht das Schiff des Fliegenden Holländers im Hintergrund auf und fährt dann sogar bis in den Zuschauerraum vor. Die spektakuläre Szene erntete bei der Premiere spontanen Beifall.

Ein Spektakel ist die Oper auch musikalisch. Die verschiedenen Chöre sind beeindruckend, ebenso die orchestrale Untermalung. Das Gewandhausorchester unter Leitung von Opernintendant Ulf Schirmer verleiht den mächtigen Tiefen des Fliegenden Holländers die notwendige Kraft. Unter den Solisten sticht Christiane Libor heraus, die sich in der Sopranrolle der Senta gegen den Bass-Bariton des Fliegenden Holländers behauptet.

Blasse Charaktere

Schauspielerisch kann die Inszenierung leider nicht durchweg überzeugen. Wie viele Inszenierungen der Oper bleibt sie konventionell und kommt ohne Provokationen aus. Dabei bleiben aber auch leider die Charaktere blass. Die Thematik des Fremden, das der Fliegende Holländer repräsentiert, sucht man vergeblich. Die Hauptfigur wirkt leider sehr weltlich und weniger geisterhaft als ihre literarische Vorlage.

Fazit

Dem Publikum war das gleich: Die Reaktionen waren begeistert. Insgesamt hat der Fliegende Holländer an der Oper Leipzig auch sehr viel zu bieten. Opulente Bühnenbilder und eine herausragende musikalische Umsetzung machen den Fliegenden Holländer zu einer empfehlenswerten Inszenierung.

Den Beitrag zum Nachhören findet ihr hier:

Moderator Til Schäbitz im Gespräch mit Redakteur Lucas Wotzka
SG Opernrezension

 

 

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Der Fliegende Holländer

Premiere: 30. März 2019

Spielort: Oper Leipzig

Regie: Michiel Dijkema

Musikalische Leitung: Ulf Schirmer

Gewandhausorchester

Solisten: Christiane Libor, Randall Jakobsh, Iian Paterson u.a.
 
Aufführungstermine:
22. April 2019
12. Mai 2019
17. Mai 2019
30. Mai 2019
10. Juni 2019
u.a.
 
Weitere Infos findet ihr hier.