Bundestagswahl

Wählen von Kindesbeinen an

Wählen, ohne dabei volljährig zu sein? Die U18-Wahl macht's möglich! Auch in Leipzig konnten Kinder und Jugendliche bis zum 15. September wählen gehen. mephisto 97.6 war dabei.
In dem mobilen Wahllokal in der Volkshochschule konnten Kinder und Jugendliche ihre Stimme abgeben.
In dem mobilen Wahllokal in der Volkshochschule konnten Kinder und Jugendliche ihre Stimme abgeben.

Seit 1996 gibt es sie, die U18 Wahl. Was als kleine Idee in einem Berliner Jugendklub entstand, ist heute ein bundesweites Projekt. 2013 gingen knapp 200.000 Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland wählen. Dahinter steckt das Deutsche Kinderhilfswerk (DKHW), der Bundesjugendring (DBJR), die Landesjugendringe, viele Jugendverbände und das Berliner U18-Netzwerk.

Politik zwischen Grillkohle und Würstchen

Grillen hat nichts mit Politik zu tun? Doch! Der Stadtjugendring macht's vor. Für die U18-Wahl hat man sich etwas Besonderes einfallen lassen: Ein Grillduell mit den Leipziger Direktkandidaten der Bundestagswahl mitten auf dem Hof der Volkshochschule in Gohlis. Zwischen Grillkohle und Würstchen können die Jugendlichen mit den Politikern ins Gespräch kommen.

Mit dabei sind auch Oliver und Helena. Die beiden Jugendlichen sind sichtlich begeistert. Nur wählen dürfen sie noch nicht, denn sie sind beide erst 17. Zum Glück steht wenige Meter vom Grillplatz entfernt die U18-Wahlurne bereit. Sie ist eines von über 1500 Wahllokalen in Deutschland, in denen Jugendliche nun zum neunten Mal ihre Stimme abgeben können. Für Helena ist das ein schwacher Trost, sie würde auch bei der richtigen Bundestagswahl gern mitwählen.

Gerade dieses Jahr, finde ich, kommt es sehr darauf an, dass man wählen geht. Weil wir eben auch Parteien aus der rechten Ecke haben, die am Aufsteigen sind und von Nichtwählern stark profitieren. Das ist einfach schade und das macht mich selbst auch so wütend, weil ich nichts dazu beitragen kann.

Helena Kater

Man merkt: Helena ist politisch interessiert. Als Mitglied der Jungen Union und im Jugendparlament engagiert sie sich auch in ihrer Freizeit politisch. Das Ziel der U18-Wahl, Jugendliche für Politik zu begeistern, ist bei ihr schon erreicht. Vielleicht ist die Jugend heutzutage gar nicht so unpolitisch, wie es immer heißt. Corinna Graf vom Stadtjugendring ist davon überzeugt.

Überall, wo ich auf Jugendliche treffe, sind die hoch interessiert, politisch interessiert.

Corinna Graf, Geschäftsführerin Stadtjugendring

Die Ergebnisse der U18-Wahl

Von Gohlis bis nach Grünau

Andere Zeit, anderer Ort. Auch das Skate- und Jugendzentrum Heizhaus in Grünau nimmt an der U18-Wahl teil. Normalerweise kommen die Jugendlichen hier zum Graffiti machen, spielen oder kochen. Mit Politik beschäftigen sie sich eher selten. Und auch am U18-Wahltag hält sich das Interesse in Grenzen. Die Lebenswirklichkeit der Kinder sei laut Elisabeth Herrmann, Sozialpädagogin und Betreuerin im Heizhaus, einfach eine andere:

Die Kids hier [...] haben Probleme in der Schule, Probleme zu Hause und denken: Boah, jetzt werd ich hier auch noch zugestresst.

Elisabeth Herrmann, Heizhaus

Die meisten Kinder im Heizhaus sind zwischen sechs und siebzehn Jahre alt. Elisabeth Herrmann hat versucht, sie mit den verschiedenen Parteien und Wahlprogrammen vertraut zu machen. Dabei fiel dann auch mal die Frage, ob man ein AfD-Plakat aufhängen könne. Laut Herrmann schlage die Partei gerade in Grünau nun einmal große Wellen und das käme auch bei den Jugendlichen im Heizhaus an.

Herrmann glaubt, dass viele Jugendliche stark von ihren Eltern beeinflusst werden. Die U18-Wahl will genau das durchbrechen: Die Jugendlichen sollen sich ihre eigene Meinung bilden. Beim Grillduell und im Heizhaus scheint das ganz gut funktioniert zu haben. Ob in Gohlis oder in Grünau, ob politisch oder unpolitisch – eines haben die Jugendlichen gemeinsam: Sie haben sich Gedanken gemacht und ihrer Stimme Gehör verschafft.

Hören Sie zu dem Thema auch den Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Angela Fischer:

Ein Beitrag von Angela Fischer.
1809 BmE U18
 

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