Umfrage zu Demokratie und Soziales

Vorstellung des Sachsenmonitors 2017

Sachsen plagen Fremdenfeindlichkeit und politisches Misstrauen? Der Sachsenmonitor zeigt, wie die Menschen die sozialpolitische Lage in Sachsen wirklich einschätzen.
Podiumsdiskussion bei der Vorstellung des Sachsenmonitors 2017
Sachsenmonitor 2017

Die Ergebnisse der landesweiten Umfrage Sachsenmonitor sorgen vor allem für eins: Überschriften. Eine könnte sein: Sachsen haben immer mehr Angst vor Überfremdung. Das ist aber natürlich nicht alles. Ein Auszug der Ergebnisse wurde gestern Abend in der Volkshochschule in Leipzig vorgestellt. Dabei wurden in 40 Fragen Themen wie nationales Interesse, soziale und wirtschaftliche Situation sowie politisches Vertrauen angesprochen.

Soziale Ungewissheit und Fremdenfeindlichkeit

Ungewissheiten und Ängste dominieren die Ergebnisse der Befragung. Mehr als drei Viertel der Befragten Sachsen machen sich Sorgen, dass die Gegensätze zwischen Arm und Reich weiter zunehmen, dicht gefolgt von der Sorge, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt verloren geht.
Gleichzeitig schätzt drei Viertel der sächsischen Bevölkerung ihre eigene wirtschaftliche Lage als sehr gut ein. Gegenwärtig sei für die Befragten die Asylpolitik das wichtigste Problem.

Fasst man die Kategorien Arbeitslosigkeit, Armut und soziale Gerechtigkeit zusammen, zeichnet sich ein anderes Bild: so sind die sozialen Missstände das größere Problem. Doch davon wurde auch bei der gestrigen Podiumsdiskussion wenig gesprochen. Der Fokus bleibt auf Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gerichtet. Vielleicht auch zu Recht?

Die meisten Muslime schätzen nicht unsere Werte (Zustimmung: 62 Prozent).

Schließlich findet etwa die Hälfte der sächsischen Einwohner, dass Deutschland überfremdet sei. Fast 60 Prozent würden mehr Geld für die Deutsche Einheit aufwenden als für die Integration von Migranten auszugeben. Vor diesen Zahlen darf sich Sachsen nicht verstecken. Und trotzdem sollten die Missstände in gleichem Maße betrachtet und Lösungsansätze gesucht werden. Des Weiteren fehlt das Vertrauen in die politischen Vertreter. Etwa 70 Prozent stimmen der Aussage "Meine Stimme hat ohnehin nichts zu sagen" zu. Mehr als drei Viertel der Befragten wünschen sich mehr Einflussmöglichkeiten durch Instrumente der direkten Demokratie. Misstrauen und Verdrossenheit bestimmen die politische Kultur. Der Leiter der Studie Roland Löffler nannte die Missstände einen Fall von...

...Political Unzufriedenheit!

Dr. Roland Löffler, Sächsische Bundeszentrale für politische Bildung

Der sächsischen Landesregierung fehle es offensichtlich an Kommunikation – sie habe ein Politik-Repräsentationsproblem. Sachsen stünde diesbezüglich aber nicht alleine da. Schließlich hätte das Phänomen bundesweit Relevanz. Die Politikwissenschaftlerin Astrid Lorenz von der Uni Leipzig sprach in diesem Zusammenhang auch von einer "Elitendemokratie", in der das Thema Migration oft als Ablenkung verwendet würde. Zu fragen bleibt, in wieweit die sächsische Landesregierung sich diesen Erkenntnissen stellt und nicht nur Lösungsansätze diskutiert, sondern auch umsetzt.

Weitere Informationen zum Sachsenmonitor hat Redaktuer Felix Kolb im Gespräch mit Moderator Paul Materne zusammen gefasst: 

Redaktuer Felix Kolb über den Sachsenmonitor im Gespräch mit Paul Materne
 
 

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Felix Kolb
27.03.2018 - 17:07

Der Sachsenmonitor ist öffentlich einsehbar.

Mehr Informationen hier.