GameCheck: Days Gone

Von Zombies und Motorrädern

Zombiehorden, verlassene Dörfer und Motorräder – passt das zusammen? Das Action-Adventure "Days Gone" lässt Spielende die Zombieapokalypse vom Motorradsattel aus erleben und schickt den Biker Deacon in den Kampf gegen die Untoten.
Deacon auf dem Motorrad
Eine Zombie-Welt aus dem Reiseprospekt.

Elektromobilität oder wasserstoffbetriebene Fahrzeuge, Fahrradautobahnen oder Umweltzonen – die Debatte um den Verkehr der Zukunft beschäftigt uns derzeit wie kaum eine andere. Doch während Politikerinnen und Politiker auf dem gesamten Globus an der Suche nach einer Lösung verzweifeln, scheint diese bereits zum Greifen nahe zu sein. Denn das Action-Adventure "Days Gone" malt ein erfrischend neues Bild vom Individualverkehr der Zukunft: Das motorisierte Zweirad hat das Rennen gemacht und sich als das patenteste Verkehrsmittel durchgesetzt. Recht unerwartet, aber dennoch nicht unwillkommen – wären da nicht diese unangenehmen Untoten. Bei "Days Gone" handelt es sich nämlich um ein waschechtes Zombie-Spiel, das uns die Lederkutte des Bikers Deacon St. John überzieht und die postapokalyptische Welt des Spiels vornehmlich per Motorrad durchstreifen lässt.

Männer-Romantik und die Liebe zu einer (Schein-)Toten

Zwischensequenz aus Days Gone
Deacon nimmt einige Strapazen auf sich, um seinem verletzten Freund Boozer zu helfen.

Wie genau es jedoch dazu gekommen ist, dass nun Zombiehorden die Städte und Wälder bevölkern, erklärt das Spiel erst einmal nicht. Rückblenden erzählen lediglich, dass Protagonist Deacon zwei Jahre vor Beginn des eigentlichen Spiels seine Frau bei einem Zombieangriff verloren hat. Zusammen mit seinem besten Kumpel Boozer heizt er deshalb nun durch die Wälder des US-amerikanischen Nordwestens und verdient seinen Lebensunterhalt mit Kopfgeldaufträgen. So recht zufrieden ist er jedoch nicht und hofft auf Besserung im Norden – da kommt es den beiden umso ungelegener, dass Boozer bei einem Hinterhalt schwer verletzt und obendrauf auch noch Deacons Bike geklaut wird. Und so sitzen die beiden Biker-Kumpanen erst einmal fest, während Deacon genügend Zeit hat, der Spur seiner vermeintlich toten Frau Sarah nachzugehen. Denn bald schon finden sich Hinweise, dass sie vielleicht doch noch am Leben sein könnte.

Auch wenn beide Storystränge erst einmal kaum Gemeinsamkeiten aufweisen, besitzt das Setting von "Days Gone" eigentlich Potenzial für eine interessante Geschichte: Ein Biker als Protagonist bietet die Chance, die Postapokalypse endlich einmal nicht aus der Sicht eines typischen Helden oder eines 'Normalos' zu erleben. Doch leider bleibt die Story um den Biker, der dem Verschwinden seiner angeblich verstorbenen Frau nachforscht, ziemlich blass und auch die Charaktere sind eher Mittel zum Zweck, als wirklich ausgereifte Figuren mit bewegendem Eigenleben. Nie werden die Spielenden mit ethischen Widersprüchen oder fragwürdigen Entscheidungen konfrontiert – das haben andere Spiele des Genres in der Vergangenheit schon deutlich besser gemacht. Die Möglichkeiten, die das Setting um das Outlaw-Dasein des Protagonisten bietet, bleiben somit leider überwiegend ungenutzt.

Auf der Flucht vor dem Horden-Trieb

Die Zombie-Horde in Days Gone.
Selbst aus der Entfernung macht eine Zombie-Horde mächtig Eindruck.

Dabei entwickelt "Days Gone" vor allem zu Beginn eine überaus dichte Atmosphäre, die das Gefühl ständiger Bedrohung vermittelt. Überall können Zombies lauern und besonders nachts scheint man nirgendwo sicher zu sein. Nahtlos fügt sich auch die optische Gestaltung der Spielwelt in das Bild ein: Denn grafisch macht das Spiel einen tollen Eindruck. Trotz der vielfältigen Gefahren, die das Spiel zu bieten hat, lädt die offene Spielwelt zum Stöbern und Verweilen ein. Einige Stunden lassen sich daher allein mit dem Erfüllen von Nebenaufgaben wie dem Ausräuchern von Zombie-Unterschlüpfen oder dem Eindringen in verlassene Forschungseinrichtungen zubringen. Doch so spaßig das Erkunden der Spielwelt, sowie die unterschiedlichen Nebenmissionen anfangs auch sein mögen, so schnell beginnen sie sich auch zu wiederholen. Rasch lässt sich erkennen, dass zur Öffnung eines Forschungsbunkers meist nicht mehr gehört, als ein voll aufgetankter Stromgenerator und auch das Zerstören von Zombie-Nestern läuft stets nach demselben Schema ab.

Herausragend sind hingegen die dynamisch inszenierten Nahkämpfe von "Days Gone", und auch die Möglichkeit, Deacons Ausrüstung mit der Zeit weiter zu verbessern, garantiert Langzeitspaß. In den Camps anderer Überlebender kann er Vertrauen gewinnen und schaltet dadurch neue Waffen oder Motorrad-Upgrades frei. Das motiviert und tröstet mitunter auch über die schwache Gegner-KI hinweg, die vor allem bei den menschlichen Widersachenden offen zutage tritt. Die zumeist in Gruppen auftretenden Zombies hingegen stellen einzeln zwar keine große Schwierigkeit dar, werden jedoch in Form von sogenannten Horden zu einer echten Bedrohung, die die Spielenden in der Regel dazu zwingt, das Heil in der Flucht zu suchen. Sie sind die eigentliche Besonderheit des Spiels und sorgen jedes Mal aufs Neue für schweißnasse Hände. Auch die Playstation zeigt sich oftmals beeindruckt, von der schieren Gegnermasse und die Framerate geht nicht selten ehrfurchtsvoll in die Knie, wenn eine Zombie-Horde auf Deacon zugerannt kommt. Insgesamt macht das Spiel technisch zwar eine gute Figur, kleinere Bugs und Probleme minderen den Spielfluss jedoch immer wieder.

Fazit

"Days Gone" ist keinesfalls perfekt, doch eines muss man ihm lassen: Es macht Spaß! Es bietet eine schöne Optik mit toll inszenierten Nahkämpfen und beeindruckenden Zombie-Massen sowie ein motivierendes Crafting- und Levelsystem, das Spielspaß für mehrere Stunden garantiert. Wer also keine bahnbrechende Geschichte oder eine Neuerfindung des Adventure-Horror-Genres erwartet, dürfte mit dem Spiel definitiv nicht viel falsch machen.

Der Beitrag zum Nachhören:

Moderator Paul Materne im Gespräch mit GameTech Redakteur Jannik Stein
GameCheck von Jannik Stein

Der Trailer zum Spiel:

 

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Jannik Stein
29.05.2019 - 15:25
  Games

Days Gone

Plattform: PlayStation 4

Entwickler: Bend Studio

Herausgeber: Sony Interactive Entertainment