Bühnenzauber bei M19

Von sich wandelnden Räumen und Menschen

Was unterscheidet Kostümbild von Modedesign? Wie lässt sich eine Zeitreise auf der Bühne realisieren? Diese und andere Fragen hat M19 mit zwei Gästen von der Musikalischen Komödie besprochen, die aktuell an dem Stück "Prinzessin Nofretete" arbeiten.
M19 über Bühnenbild und Kostüme
Frank Schmutzler (links) und Sven Bindseil (rechts) mit Mephisto 97.6 Moderator Thilo Körting

Die Gäste

Der Leipziger Frank Schmutzler kam über eine Ausbildung zum Tischler ans Theater. Nach einem Ingenieurstudium und Meisterabschlüssen für Bühne und Beleuchtung wurde er 2001 Technischer Leiter der Musikalischen Komödie. Neben seiner Arbeit als Bühnengestalter ist Frank Schmutzler auch als Dozent tätig. Zu seinen Arbeiten zählen unter anderem die Bühnen für Der Ring für Kinder (2012/13), Romeo und Julia (2013/14), Der Freischütz für Kinder (2013/14) und Carmen (2015/16).

Sven Bindseil ist seit 1993 als freischaffender Kostüm- und Bühnenbildner an verschiedenen Häusern in Deutschland tätig. Der gebürtige Hamburger besuchte bereits in seiner Jugend mit seiner Mutter Theateraufführungen und kam über das Schulfach "Darstellendes Spiel" selbst auf die Bühne. Über Kostüme für Studentenprojekte, ein angefangenes Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und als Ausstattungsassistenten am Staatstheater Stuttgart stieg er dann in seinen jetzigen Beruf ein. An der Musikalischen Komödie Leipzig gestaltete Sven Bindseil unter anderem die Bühne und Kostüme für Aschenputtel (2009/10) sowie die Kostüme für Jekyll & Hyde (2010/11) und Carmen (2015/16).

Illusionen und Magie

"Auf der Bühne ist alles anders als im alltäglichen Gebrauch.", sagt Frank Schmutzler auf die Frage, was die Bühnenarbeit von anderen Berufen wie etwa Innenarchitektur unterscheide. Denn ein Möbelstück auf der Theaterbühne etwa sei langlebiger, aber auch dafür da, Illusionen zu gestalten. Intarsien eines Schrankes beispielsweise seien auf der Bühne nur gemalt, müssten aber auch aus meterweiter Entfernung noch erkennbar sein.

Wir nehmen ja Materialien, die nicht wirklich sind. Die sollen nur so aussehen wie das, was wir darstellen wollen. Wir arbeiten viel mit Licht - also mit Kunstlicht - und können dann die Dinge entsprechend verändern.

Frank Schmutzler

Obwohl man aufgrund von Fundus-Verkäufen der Oper vielleicht Anderes vermutet, seien auch Kostüme oft nicht einfach auf der Straße tragbar, sagt Sven Bindseil. Denn Bühnenkostümen würden auf die Gegebenheiten des jeweiligen Stück geachtet, sie haben beispielsweise mehrere Lagen.

Normalerweise arbeiten wir nicht fürs Leben.

Sven Bindseil

Wie läuft die Zusammenarbeit bei einer Bühnenproduktion ab?

Üblicherweise gibt es ein gemeinsames Vorgespräch der Beteiligten, zum Beispiel auch mit dem Regisseur. Dieses findet weit im Voraus statt, da Bühne und Kostüm zu Probenbeginn natürlich bereits bereitstehen müssen. Bei der Zusammenarbeit dieser beiden Bereich sei vor allem die farbliche Abstimmung und epochale Abstimmung wichtig. Dabei müsse man zwar im Austausch bleiben, aber nicht zwingend an einem Ort zusammenarbeiten, erzählt Frank Schmutzler. Denn über Modellfotos und Farbvorlagen lasse sich bereits viel austauschen, so Sven Bindseil.

Und das ist wichtig, denn neben dem jeweiligen Kostüm- und Bühnenbild arbeitet ein großes Team an der Umsetzung der Ideen. Bühnenbilder werden in Leipzig von Theaterwerkstätten hergestellt. Diese arbeiten parallel an Bühnenbildern für die Oper, die Musikalische Komödie, das Schauspielhaus und das Theater der jungen Welt und umfassen etwa 80 Leute - darunter Maler, Schlosser und Schreiner.

Auch die Kostümproduktion für Oper, Ballett, Musikalische Komödie und Schauspiel in Leipzig findet unter einem Dach statt: im Gebäude des Schauspielhauses. Für etwa 50 Produktionen im Jahr arbeiten dort an die 100 Mitarbeiter. Neben Schneidern, Schuh- und Hutmachern und Gewandmeistern gehören dazu auch die Künstlergarderoben, die für Pflege der Stücke sowie das An- und Umziehen der Schauspieler bei schwierigen Kostümen zuständig sind.

Prinzessin Nofretete

Die Operette Nofretete wurde seit ihrer Uraufführung im Jahr 1935 nicht mehr gespielt und ist daher relativ unbekannt. Die aktuelle Umsetzung der Musikalischen Komödie ist daher besonders interessant. Bauprobe war bereits im Sommer 2016, die Kostümabgabe folgte dann Mitte Oktober 2016. Nach szenischem Probenbeginn und Soloanproben seit Januar 2017, wird das Stück nun vor Publikum auf die Bühne gebracht.

Der Recherchebeginn startete für Kostüm und Bühnenbild allerdings schon etwa ein Jahr vor Produktionsbeginn. Was dabei herausgekommen ist, sehen Sie hier: 

 

Das Nachleben

Eine Bühne wird nach jedem Spieltermin komplett auseinandergebaut, so Frank Schmutzler. In LKWs werden sie dann in die Theaterwerkstätten gefahren, wo sie auf ihren nächsten Einsatz warten. Für Nofretete kommen etwa zehn LKW-Ladungen zusammen, die an Aufführungstagen mit 12 ½ Stunden Vorlauf angeliefert und aufgebaut werden.

Kostüme hingegen werden im Spielhaus oder Vorstellungsfundus auf Vorrat gehalten bis ein Stück abgespielt ist. Danach werden diese aufgelöst, sprich kommen in den Fundus. Sie werden dabei auch weiter genutzt - für das aktuelle Stück Nofretete etwa wurden Funduskostüme im Anfangsbild genutzt.

Bühnenbilder allerdings würden für jede Inszenierung neu angefertigt, erzählen unsere Interviewgäste. Dekorationen seien während eines Spielplans zwar langlebig, danach aber nicht wiederverwendbar. Trotzdem möchte jedes Schauspielhaus für sich neu inszenieren, um eine Geschichte auf seine Weise zu erzählen.

Wie Sven Bindseil und Frank Schmutzler ihren Arbeitsalltag und die Arbeit am Stück Prinzessin Nofretete beschreiben, Herrn Schmutzlers schönste Theateranekdote und mehr hören Sie hier im Interview in voller Länge:

Kostümbildner Sven Bindseil und Bühnenbildner Frank Schmutzler im Gespräch mit mephisto 97.6-Moderator Thilo Körting

Redaktion: Kaja Weber

Kostümbildner Sven Bindseil und Bühnenbildner Frank Schmutzler im Gespräch mit mephisto 97.6-Moderator Thilo Körting
 

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Die Operette Prinzessin Nofretete premiert am 25.03. in der Musikalischen Komödie Leipzig.
Weitere Informationen finden Sie hier.