Das lange Interview mit Margot Käßmann

Von Luther und der Reformation

Am 31. Oktober 2017 feiern tausende Protestanten das große Reformationsjubiläum. Vor 500 Jahren soll Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben. Doch was ist von der Reformation geblieben?
Margot Käßmann mit Moderatorin Paula Drope
Margot Käßmann mit Moderatorin Paula Drope

Will man vom Bahnhof in die Altstadt von Wittenberg fällt eins auf: Die Stadt ist auf Luther eingestellt und auf das anstehende  Reformationsjubiläum. Sie gleicht einem riesigen Themenpark. Eine Allee aus Lutherzitaten, selbst Baustellen werden mit dem berühmtesten Einwohner der Stadt geziert. Sogar Yadegar Asisi entwickelte eine Ausstellung zum Thema Wittenberg 1517. Doch nicht nur die Lutherstadt hat aufgerüstet - auch die evangelische Kirche veranstaltete einen ganz besonderen Kirchentag, den Kirchentag auf dem Weg. Doch die Besucherzahlen blieben hinter den Erwartungen zurück. Margot Käßmann ist die Botschafterin des Lutherjahres und trotz der Besucherzahlen zufrieden:

Das waren tolle Begegnungen. [...] Mir ist Qualität wichtiger als Quantität.

Margot Käßmann

Besucher aus der ganzen Welt, sowie viele Konfirmandengruppen strömten nach Wittenberg, um gemeinsam zu feiern. Auch wenn manche Veranstaltungen nur geringe Besucherzahlen verbuchten, sieht Käßmann dies nicht als Nachteil.

Reformationsjubiläum gleich Lutherfestspiele

Martin Luther. Das ist wohl das, was den meisten Menschen nach einem halben Jahrtausend im Gedächtnis geblieben ist. Die Legende vom Thesenanschlag, vielleicht noch sein Auftritt auf dem Reichstag zu Worms. Andere Reformatoren wie Thomas Münzer oder Jan Hus scheinen außen vor zu bleiben. Darauf angesprochen widerspricht Margot Käßmann entschieden. Neben vielen Auslandsreisen wie zum Beispiel nach Prag wurde auch während des Kirchentages auf die Vielfalt der Reformatoren geachtet.

So kamen im Haus der Ökumene 16 Wochen lang unter anderem Kirchen aus verschiedenen Ländern zusammen. Außerdem beginnen Vorbereitungen für das Reformationsjubiläum in der Schweiz unmittelbar nach dem Ende der Feierlichkeiten in Deutschland. Dabei entsteht eine Veranstaltungsreihe, die Zwingli, dem bekanntesten Schweizer Reformator, gedenken wird. Doch, egal ob Münzer, Melanchthon, Zwingli, Jan Hus oder Calvin. Derjenige, der für Deutschland am Prägendsten war, ist bis heute Luther.

An Luther kommt man einfach nicht vorbei.

Margot Käßmann

Er war die Gestalt in einer langen Kette von Ereignissen, die zur Reformation geführt haben. Luther war in Deutschland die Gestalt, bei der alles zusammenlief, so Käßmann weiter.

Luther als Vorbild

Kann man Luther als Vorbild sehen?  Ein Mann, der Antisemit war und engstirnig? Der Frauen verachtete? Margot Käßmann sagt ja. Luther sei seiner Zeit voraus gewesen, ein großer Denker und ein Sprachgenie, schließlich hat er den Deutschen eine gemeinsame Sprache geschenkt. Eine Sache ist allerdings für sie als Pfarrerin noch wichtiger.

Am Ende ist Luther der Gründer der evangelischen Kirche.

Margot Käßmann

Trotzdem, so Käßmann weiter, hat auch Luther seine Defizite. Alles in allem ist und bleibt Luther trotzdem der, dem nicht nur wir Deutschen viel verdanken.

Hier können Sie das komplette Interview mit Margot Käßmann nachhören:

Moderatorin Paula Drope im Gespräch mit Margot Käßmann

Margret Alm, Justus Jost, Sophie Rauch, Annika Sparenborg, Hendrik Zimny
 

Moderatorin Paula Drope im Gespräch mit Margot Käßmann
 

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Annika Sparenborg
28.10.2017 - 19:19