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Von Feuerwehrfrauen und Krankenbrüdern

Zum Abschluss unserer Feminismus-Woche haben wir mit verschiedenen Teilnehmer*innen darüber diskutiert, inwieweit Gendern notwendig geworden ist und welche Auswirkungen es auf die Alltagssprache hat. Wie alltäglich ist und kann Gendern sein?
Podiumsdiskussion über politisch korrekte Sprache
Unsere Teilnehmer*innen haben über die Notwendigkeit von Gendern diskutiert.

Vom 19. bis zum 23. Juni gab es bei mephisto97.6 die Feminismus-Themenwoche zu hören. In diesem Zeitraum haben sich einige Redakteur*innen mit verschiedenen Themen rund um den Feminismus auseinandergesetzt. Dabei wurde sowohl On-Air als auch Online immer das generische Femininum benutzt. Das sorgte auch innerhalb der Redaktion für Diskussionsbedarf: Wie kann man gendergerechte Sprache am besten umsetzen? Und ist es überhaupt notwendig? So kam die Idee für eine Podiumsdiskussion mit verschiedenen Menschen aus dem Journalismus und dem Hochschulalltag, um darüber zu diskutieren, welchen Stellenwert eine gendergerechte Sprache mittlerweile im Alltag eingenommen hat.

Redakteur Janek Kronsteiner, hat in einem kurzen Vortrag die wichtigsten Erkenntnisse und Erfahrungen der Feminismus-Woche zusammengefasst:

mephisto 97.6 Redakteur Janek Kronsteiner gibt einen kurzen Einblick in die Feminismus-Woche.
2807 Impulsvortrag Podiumsdiskussion "Von Feuerwehrfrauen und Krankenbrüdern"

*/_innen: Richtig Gendern, aber wie?

Zu unseren Diskussionsteilnehmer*innen gehörten die Journalistin Ine Dippmann, der stellvertretende Vorsitzende des RCDS Matthias Bohlmann und StuRa-Gleichstellungsreferent Paul Haller. Zum Einstieg haben wir die Drei gefragt, ob sie das generische Femininum als eine Möglichkeit der gendergerechten Sprache ansehen. Journalist*innen vermitteln ein bestimmtes Bild und das generische Femininum erzeuge ein falsches Bild bei den Zuhörer*innen, so Ine Dippmann. Deshalb werden in Beiträgen immer beide Formen (generische Femininum und Maskulinum) verwendet, da es für die Hörer*innen einfacher zu verstehen sei und es sich auch leichter für Radiojournalist*innen sprechen lasse.

Wir klären [damit] nicht auf, was unsere Aufgabe ist als Journalisten, sondern verwirren mehr. Und das kann nicht das Ziel sein.

Ine Dippmann

Für Paul Haller sei weder das generische Femininum noch das generische Maskulinum ausreichend, da Trans- und Interidentitäten dadurch nicht repräsentiert werden. Was jedoch zum Beispiel durch den Gender-Gap oder das Sternchen realisiert wird. Für Matthias Bohlmann ist wichtig, dass niemandem die Sprache vorgeschrieben wird und jede*r somit selbst entscheiden kann, ob man gendert oder nicht. Außerdem solle man mehr durch Zivilcourage ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen, da eine sprachliche Berücksichtigung nicht ausreichend sei. Auch Ine Dippmann sieht in Taten eine größere Wirkung. So sollten Journalist*innen mehr darauf achten, dass in ihren Beiträgen eine Vielfalt der Gesprächspartner*innen herrscht und dadurch würde sich auch der Sprachgebrauch mit verändern. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass Argumente ausgetauscht und Inhalte vermittelt werden sollen, so Matthias Bohlmann, da kann die Diskussion über Sprache schon einmal vom Eigentlichen ablenken. Paul Haller hingegen benutzt die Gender-Gap auch in seiner alltäglichen Kommunikation und entscheidet situations- und personenabhängig, ob er gendert oder nicht.

Sprache ist immer ein Politikum. [...] Sprache wird auch immer emotional verwendet.

Paul Haller

Journalistin Ine Dippmann, RCDS-Mitglied Matthias Bohlmann und Gleichstellungsreferent Paul Haller diskutieren über gendergerechte Sprache und ihre Möglichkeiten und Grenzen:

mephisto 97.6 Moderatorin Lisa Tuttlies diskutiert mit den Teilnehmer*innen über die Möglichkeiten einer gendergerechten Sprache.

Redaktion:

Janek Kronsteiner, Lara Lorenz, Sophie Rauch

2807 Themenblock 1 Podiumsdiskussion "Von Feuerwehrfrauen und Krankenbrüdern"

Gendergerechte Sprache war nicht der einzige Diskussionspunkt. Auch das Berichten über Menschen mit Behinderung und Menschen mit Migrationshintergrund wurde thematisiert:

mephisto 97.6 Moderatorin Lisa Tuttlies diskutiert mit den Teilnehmer*innen über die Möglichkeiten einer politisch-korrekten Sprache.

Redaktion:

Janek Kronsteiner, Lara Lorenz, Sophie Rauch

2807 Themenblock 2 Podiumsdiskussion "Von Feuerwehrfrauen und Krankenbrüdern"

Eine Sprache, die alle sichtbar macht?

Zum Abschluss der Diskussion wurde noch mal ein Fazit gezogen. Es waren sich alle einig, dass man nicht auf jedes Individuum sprachliche Rücksicht nehmen kann, da es viele verschiedene Individuen gebe, so Matthias Bohlmann. Es ist unter anderem auch ein Problem, weil es aktuell in der Sprache nicht die Möglichkeit gebe, immer alle zu differenzieren, so Ine Dippmann. Dennoch solle man dieser Möglichkeit der Sprachentwicklung offen gegenüberstehen, ergänzte Paul Haller. Man solle die politisch-korrekte Sprache als Herausforderung sehen und als eine Utopie, deren Umsetzung erstrebenswert sei.

Wir sollten das gar nicht als Problem betrachten, sondern politisch-korrekt als Herausforderung.

Ine Dippmann

Wie viele Menschen können eigentlich sprachlich berücksichtigt werden? - Ein Fazit:

Das Fazit unserer Teilnehmer*innen
2807 Fazit Podiumsdiskussion "Von Feuerwehrfrauen und Krankenbrüdern"

 

 

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Unsere Gäste:

Ine Dippmann ist freie Journalistin beim MDR und Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen vom Deutschen Journalisten Verband (DJV). Ihrer Meinung nach wird sich gegenderte Sprache erst im Radio wiederfinden, wenn sie in der Alltagssprache etabliert sei.

Paul Haller ist Referent für Gleichstellung und Lebenweisenpolitik im Studierenden Rat. Gendern sei für ihn "ein Werkzeug, welches helfen soll das menschliche Zusammenleben inklusiver zu gestalten."

Matthias Bohlmann ist stellvertretender Vorsitzender des Studentenverbandes Ring Christlich-Demokratischer Studenten in Leipzig (RCDS). "Verändern statt Gendern" - für ihn bedeutet das, dass Gendern im Gegensatz zu Zivilcourage und gesellschaftlichem Zusammenhalt keine Gleichberechtigung verwirkliche.