Theaterrezension

Von Erscheinungen und Geistern

Stellen Sie sich eine Séance vor, die etwas anders ist als normale Séancen. Es sitzt niemand mit einem Medium zusammen und versucht mit den Verstorbenen zu kommunizieren. Nachrichten aus einer anderen Zeit können aber trotzdem empfangen werden.
"Erscheinungen" in der Residenz des Schauspiels Leipzig
Szene aus "Erscheinungen"

Sphärische Musik klingt durch die Residenz des Schauspiels Leipzig. Dann beginnt Diederik Peeters das Stück "Erscheinungen", auf Englisch. Er stellt zuerst die Frage: Was ist Magie? Er liefert die Definition: es sei die Freiheit der Wahl, Gegebenheiten unterschiedlich zu interpretieren. Danach beginnt Diederik Peeters Geschichten zu erzählen. Eine dieser Geschichten handelt von einem seltsamen Ereignis und von Freud. Von den Überlegungen über Magie wechselt Diederik Peeters schließlich zu der Existenz von Geistern.

Kurze Zeit später befindet sich das Publikum dann nicht mehr im 19. Jahrhundert, sondern in der Zukunft im Jahr 2119. Eine Person schreibt dort einen Brief an den oder die Geliebte. Das Besondere daran ist, dass diese Person tot war, ohne es zu wissen. Sie wurde in der Zukunft wieder zum Leben erweckt. Warum, das weiß er oder sie nicht, will das Wie aber herausfinden, um die Liebe ebenfalls zum Leben zu erwecken. Der Person wird eine Betreuerin, ein Kaktus, an die Seite gestellt. Sie erfährt, dass es vor einigen Jahrzehnten eine große Flut gab. Die Überlebenden dieser Flut haben jetzt begonnen, die Toten wieder zum Leben zu erwecken.

Nachdem der erste Brief geschrieben ist, erzählt Diederik Peeters dann erneut eine Geschichte,  von Dracula. Aber in einer etwas anderen Version als von Bram Stokers.

Die Geschichte zum Anhören:

Diederik Peeters erzählt die Geschichte

Erzähler: Diederik Peeters

Die andere Geschichte von Dracula

Spiegel und Geräusche

Zunächst wird nur erzählt und beschrieben. Das Bühnenbild beschränkt sich dabei auf einen weißen Vorhang vor dem erzählt wird. Davor steht nur eine Topfpflanze.

Nach der Geschichte über Dracula und einem weiteren Liebesbrief der wiederbelebten Person, wird der Vorhang zuerst rot, dann in bunten Farben angestrahlt. Dadurch ist darauf plötzlich ein Muster zu erkennen. Es ertönt eine Art Kratzen, das sich mit der Zeit in Regen verwandelt. Nach einem lauten Knall teilt sich der Vorhang in zwei Teile. Diese bewegen sich zum Prasseln des Regens wie von Geisterhand hin und her. Sie geben dann den Blick frei auf zwei Spiegel, die nicht nur Spiegeln. Man kann durch sie auch hindurch sehen. Um die Spiegel sind Stative, auf denen etwas Abgedecktes steckt.

Nach weiteren Geschichten über Edison und eine norwegische Heavy Metal Band wird ein Brief aus der Zukunft nicht geschrieben, sondern vorgelesen.

Der Brief zum Anhören:

Diederik Peeters ließt den Brief

Erzähler:Diederik Peeters

Der Liebesbrief aus der Zukunft

Köpfe überall

Ein zweiter Darsteller kommt auf die Bühne. Er trägt eine Maske und beginnt mit dieser zu tanzen. Derweil wird die Bühne von einem intensiven roten Licht beleuchtet, das dafür sorgt, dass es bei einem Blinzeln hinter den geschlossenen Augenliedern grün aufleuchtet. Der Tänzer steht vor einem der Spiegel. Wenn er dort die Arme bewegt, dann leuchtet immer wieder eines der abgedeckten Dinge dahinter auf. Diese Dinge entpuppen sich als Köpfe, die sich bewegen und singen.

Ein Lied zum Anhören:

Lied aus dem Stück "Erscheinungen"
Der Gesang der Köpfe

Schließlich tanzen beide Darsteller gemeinsam auf verschiedenen Seiten des einen Spiegels. Dadurch entstehen verschiedene abstrakte, verzerrte Bilder. Dazu zählen zum Beispiel halbe Gesichter oder vier verdrehte Arme einer Person.

Anschließend wird auch das Publikum mit in die Überlegungen zu Geistern einbezogen.

Fazit

"Erscheinungen" ist eine Performance, die verschiedenste interessante Geschichten mit Tanz und Spiritualität verbindet. Die verschiedenen singenden Köpfe, Spiegeltricks und Tänze der Darstellenden wirken zwar zeitweilig sehr skurril, sie sind aber dennoch spannend. Es gibt auch immer wieder Momente in den Erzählungen, die die Zuschauerinnen und Zuschauer schmunzeln lassen.

Zwischenzeitlich ziehen sich Stille oder das Geräusch des Regens in dem Stück ein wenig. Zudem braucht es eine kurze Zeit, um sich daran zu gewöhnen, dass englisch gesprochen und geschrieben wird.

Dennoch regt "Erscheinungen" Gedanken an, die auch nach dem Verlassen der Residenz des Schauspiels Leipzig weiter im Kopf kreisen. Denn, was sind Geister eigentlich?

 

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Erscheinungen

Premiere: 14. Juni 2019

Spielort: Schauspiel Leipzig, Residenz

Performance: Diederik Peeters

Darstellende: Jonas Chéreau, Diederik Peeters

Aufführungstermine:

  • 15. Juni 2019
  • 20. Juni 2019
  • 21. Juni 2019
  • 22. Juni 2019

Jeweils von 20:00 Uhr bis 21:30 Uhr