Wasser und Religion

Von der Urflut zum Wassermantra

Anhänger diverser Religionen sind sich nie ganz einig, wenn es um ihren Glauben geht. Einen Schnittpunkt scheint es allerdings zu geben: die Rolle des Wassers.
Das Taufbecken im Mittelpunkt der katholischen Probstei
Das Taufbecken im Mittelpunkt der katholischen Probstei

Dass Wasser für den Menschen überlebenswichtig ist, ist kein Geheimnis. Dass wir es trinken, uns damit waschen, aber ansonsten nicht großartig weiter darüber nachdenken, ebenso. In einigen Religionen beziehungsweise Ausprägungen von Religionen hingegen nimmt Wasser aufgrund seiner Wichtigkeit eine große symbolische Bedeutung ein. Da ist man sich zumindest im Katholizismus, Islam und dem späteren Buddhismus größtenteils einig.

Wo stehts geschrieben?

Katholizismus

In der Bibel findet der erste Auftritt des Wassers direkt auf der ersten Seite statt. Am Anfang der Schöpfungsgeschichte schwebte der Geist Gottes nach der Urflut über ihm. Und so geht es dann auch weiter. Mose teilte das Wasser, Noah und seine Arche mussten sich einer Überschwemmung stellen und Jesus lief über Wasser und machte aus ihm Wein.

Buddhismus

Lediglich in den alten Schriften des Buddhismus, dem Pali-Kanon, kommt Wasser gar nicht vor. Nichtsdestotrotz gilt es als eines der vier Grundstoffe des Lebens. Darüber hinaus erhält es durch Einflüsse von außen im Verlauf der Zeit eine ähnlich große symbolische Bedeutung, wie in Christentum und Islam.

Islam

Im Koran wird Wasser ebenso häufig erwähnt. Allah hat es demnach auf die Erde geschickt. Immer wieder steht aber auch geschrieben, dass er es den Menschen, wenn er wollte, auch vorenthalten könne. Dieses Bild, das man vom Wasser hat, kann gut daher kommen, dass muslimisch geprägte Staaten in der Regel in trockeneren Wüstengebieten liegen.

Was macht man damit?

Im Prinzip macht man als Gläubiger und Anhänger einer dieser Religionen dasselbe mit Wasser, wie jeder andere. Man trinkt es, wäscht sich oder berührt es auf eine andere Art und Weise. Nur steckt in den meisten Fällen noch eine große Bedeutung dahinter und der Kontakt mit Wasser wird somit zum Ritual.

Katholizismus – Die Taufe

Pater Philipp König von der Probsteigemeine St. Trinitatis Leipzig erklärt, dass sämtliche Rituale im Katholizismus mit der Taufe in Verbindung gebracht werden. Man wird zum Beispiel mit Weihwasser besprenkelt, um sich an die eigene Taufe zu erinnern. Man kann sich aus demselben Grund auch geweihtes Wasser in Gefäßen mit nach Hause nehmen und es berühren. Doch warum gibt es überhaupt eine Taufe? Die Taufe findet in der Bibel statt, um ein Zeichen zu setzen, dass man anders leben will. Damals ließ sich auch Jesus taufen, um zu zeigen, dass er ein Mensch wie jeder andere ist. Heutzutage möchte man sich durch eine Taufe an die enge Verbindung zu Jesus erinnern.

Buddhismus – Die Weisheit

Auch wenn Wasser ab einem bestimmten Zeitpunkt allgemein wichtig im Buddhismus ist, werden Rituale meist nur im esoterischen Buddhismus durchgeführt. Über die Rituale werden wir von Prof. Dr. Christoph Kleine von der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften der Uni Leipzig aufgeklärt. In dieser Glaubensrichtung sind sie deutlich vielfältiger. Man kann mit Wasser, aber auch mit allen anderen Elementen, meditieren. Immer mit dem Ziel selber „das Element zu werden“. Durch magische Formeln, Mantras und Fingergesten möchte man sich über das Wasser mit spiritueller Kraft aufladen. Auch Wasser selbst kann mit Macht versehen werden, damit es diese dann wiederum auf den Menschen überträgt.

Islam – Die Reinheit

Der Gebetsraum in der Pakistanischen Moschee Leipzig
Der Gebetsraum in der Pakistanischen Moschee Leipzig.

Zuletzt geht es für die Aufklärung in Sachen Wasser und Religion nach Mockau in die Pakistanische Moschee. Dort erzählen uns der Imam Tahir Yasin und der Vorsitzende des Vereins Dr. Abdul Sattar, wie Wasser im Islam eingesetzt wird. Grundsätzlich kann man sagen, dass es im rituellen Sinne immer zur Reinigung eingesetzt wird. In erster Linie in Form einer speziellen Waschung vor dem Gebet. Da Wasser von Allah kommt, hauptsächlich für Reinheit und Leben steht und man im Gebet vor Allah tritt, sollte man in dem Moment auch rein sein. Abgesehen davon wäscht man sich aber auch, wenn man sehr schlapp ist, um vitaler zu werden. Oder, wenn man wütend ist, um sich abzuregen. Es scheint egal zu sein, in welcher Lebenssituation man sich gerade befindet, eine rituelle Waschung, bei der man sich mit dem Element der Reinheit verbindet scheint immer passend zu sein.

Wasserweihung als Privileg

Zum Trinken und Waschen braucht man zum Glück keine Privilegien. Aber wie eben erklärt muss Wasser im Katholizismus und im Buddhismus für Rituale geweiht werden. Weihen darf es allerdings nicht jeder. In der katholischen Kirche ist es noch recht einfach geregelt. Als Pastor darf man Wasser segnen und es somit zu Weihwasser machen. Im esoterischen Buddhismus hingegen gibt es verschiedene Weihestufen, die man erreichen kann. Je höher die Stufe ist, desto mehr Weisheit besitzt man und ist zur Durchführung von neuen Ritualen befähigt. Durch die sogenannte "Abisheka-Weihe", ein Ritual, das vom Ablauf ein wenig der Taufe ähnelt, wird man in die neuen Weihegrade eingeweiht. Im Islam gibt es solche Privilegien nicht. Im Gegenteil, jeder ist dazu angehalten die Rituale zugunsten seiner eigenen Kraft und Reinheit durchzuführen. Eine Weihung ist gar nicht erst nötig.

Die mephisto 97.6 Redakteure Rebecca Kelber und Hendrik Zimny haben sich durch Moscheen, Kirchen und Fakultäten gefragt:

Ein Beitrag von den mephisto 97.6 Redakteuren Rebecca Kelber und Hendrik Zimny
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