Albumrezension: 'Roosevelt'

Von der Nacht zum Tag

Vom Schlagzeuger einer Indie-Band zum gefeierten Elektropop-Künstler. Marius Lauber aka Roosevelt tourte schon mit Größen der Electronic-Szene, bevor er überhaupt ein Album veröffentlicht hatte. Mit seinem Debut 'Roosevelt' holt er das jetzt nach.
Roosevelt
Hat alle seine Songs auf dem Album selber eingespielt - Marius Lauber aka Roosevelt.

Mit der Band Beat! Beat! Beat! aus Viersen fing es an. Damals spielte Marius Lauber noch Schlagzeug – seine Band machte Indie. Nach dem Aus der Band fing er an, sein eigenes Ding zu machen. Als Solokünstler entdeckt wurde er durch einen Song, den er unter dem Namen Roosevelt auf YouTube stellte. Und darauf wurde dann Joe Goddard, Mitglied der Indietronic-Band Hot Chip, aufmerksam. Er fragte Marius Lauber, ob er sich vorstellen könne, eine EP bei seinem Label aufzunehmen. So erschien 2012 Roosevelts Debut-EP "Elliot" bei Goddards Label Greco Roman. Vom Indie-Rock-Sound war nicht mehr viel übriggeblieben. Roosevelt, der seine Musik als Multi-Instrumentalist selber einspielt, schreibt jetzt Elektropop-Songs mit hallenden Gitarren und verwaschenen Synthies. Und das gefiel nicht nur Joe Goddard. Roosevelt tourte schon mit Electronic-Größen wie Hot Chip, den Crystal Fighters und Totally Enormous Extinct Dinosaurs. Jetzt hat er sein gleichnahmiges Debutalbum "Roosevelt" veröffentlicht - und das ist der perfekte Soundtrack für durchtanzte Spätsommernächte:

Roosevelt - Colours

Entspannte Beats und hallende Synthies

Das Licht auf dem Albumcover strahlt in Lila- und Rosatönen. So warm wie die Farben des Covers, kann man sich auch den Sound des Albums vorstellen – der besteht überwiegend aus Elektropop. Das Intro der Platte klingt, als würde sich Roosevelt für die nachfolgenden Songs warmspielen. Synthies hallen, Gitarren klingen sanft im Hintergrund, Oktaven werden immer schneller hoch und runtergespielt – und dann setzt der Song "Wait Up" ein. Die ersten Takte erinnern an den Sound von Tame Impala. Das liegt vor allem an dem leicht psychedlischen Klang. Dennoch klingt "Wait Up" funky und lädt zum Mitwippen ein. Auch die Lyrics passen zum Tanzfeeling, das beim Hören aufkommt:

Lay me down on your loving /
If only I could talk the light /
Take me back to the dawning /
We're drifting away

Wait Up

Tanzbar, aber trotzdem entspannend bleibt es auf dem gesamten Album. Was erstmal widersprüchlich klingt, lässt sich durch die unterschiedlichen Einflüsse erklären: Italo-Disco-Beats ziehen sich durch die Platte und erinnern an die Retro-Disco der 80er Jahre. Entspannt wird es durch die deepen Beats im Hintergrund – ein Einfluss der Stilrichtung Chill-Wave. Deutlich zu hören ist das zum Beispiel im Song "Night Moves". Passend zum Titel singt Roosevelt "The night moves / I wanna go on" und trifft damit den Nerv aller, die gerne durch die Nacht ziehen. 

Tanzen am Strand statt vor der Nebelmaschine

Auf seiner ersten EP 'Elliot' klingt Roosevelts Gesang noch verwaschen und hallend. Bei seinem aktuellen Album stellt Roosevelt seine Stimme viel mehr in den Vordergrund – und das steht der Platte gut. Hören kann man das zum Beispiel an dem Song "Sea". Der fand sich schon auf der Trackliste des Vorgängers "Elliot" und ist jetzt überarbeitet auch auf "Roosevelt" zu hören. Damit bleibt er der einzige Song, der auf für das neue Album nochmal aufgewärmt wurde, was man dann nochmal verzeihen kann. "Sea" klingt entspannend wie das Meer. Der Klang der Synthies erinnert an die fließenden Bewegungen des Wassers.

Disco in Rot und Blau

"Colours", die erste Singleauskopplung des Albums, ist eine glatte Disconummer. Das Musikvideo dazu bildet die perfekte Mischung aus Einflüssen der 70er und 80er Jahre: Ein Tänzer im Hawaiihemd, eine akkurat geschnittene Wassermelone und Marius Laubers' Gesicht, das sich in einer Glasschale spiegelt. Immer wieder schneidet das Video die Grenze zum Theatralischen, übertreibt aber trotzdem nicht – genau wie die Lyrics in Roosevelts Songs. Außerdem interessant: Nach dem Song "Colours" folgt im Video direkt "Moving On" und die Protagonisten bewegen sich aus dem Raum nach draußen, unter den nun blauen Himmel. Die Nacht wird zum Tag.

Bring back this time, when I was by your side/

You fall to the ground just like the sun/

'Cause when you left you took your colours with you

Colours

Fazit

Roosevelts Debutalbum vereint Gegensätze - die Songs des Albums klingen fröhlich und melancholisch zugleich. So wie die Zeit im Jahr, in der die Abende kälter werden und die Sonne früher untergeht. Hören kann man die Platte auf der Party, aber auch alleine zuhause.  Mit "Roosevelt" ist es halb so schlimm, dass der Herbst vor der Tür steht. Der Sound des Albums erinnert auch an kalten Tagen an die warme Zeit im Jahr, in der man unterwegs ist, bis es draußen wieder hell wird.

 

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Sophie Boche
08.09.2016 - 18:27
  Kultur

Roosevelt: Roosevelt

Tracklist:

1.  Intro

2.  Wait Up

3.  Night Moves*

4.  Belong

5.  Moving On*

6.  Heart

7.  Colours*

8.  Sea*

9.  Daytona

10. Fever

11. Hold On

12. Close

 

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 19.08.2016
City Slang (Universal Music)

Konzert

Für alle, die neugierig geworden sind: Am 15.10. spielt Roosevelt im Werk 2.