Fantasy Filmfest 2017

Vom OP-Tisch zur Mafia

In seinem düsteren Erstlingswerk schickt Regisseur Fenar Ahmad seinen Protagonisten auf einen brutalen Rachefeldzug durch die Unterwelt von Kopenhagen.
Dar Salim in "Darkland"
Zaid geht auf Rachefeldzug

Zaid (Dar Salim) hat alles im Leben erreicht, was er sich jemals erhofft hatte. Er arbeitet als anerkannter Chirurg in Kopenhagen, seine Frau erwartet das erste gemeinsame Kind. Doch Zaids heile Welt gerät ins Wanken, als sein Bruder Yasin (Anis Alobaidi) in seiner Wohnung auftaucht. Yasin ist kriminell und bettelt mal wieder vergeblich um Geld. Am nächsten Tag wird er tot aufgefunden.

Die Polizei tappt im Dunkeln, zeigt aber auch wenig Bemühen, den Mordfall aufzuklären. Zaid macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach den Mördern seines Bruders und gerät dabei in die dunkelsten Abgründe der Stadt. Schon bald bringt er damit seine ganze Familie in Gefahr...

Ein dunkler Ritter

Wenn sich der Chirurg Zaid durch allerhand Training in eine Kampfmaschine verwandelt, könnte man fast meinen, man würde eine Neuauflage von Batman sehen. Bereits in der großartigen Eröffnungsszene werden Erinnerungen an Christopher Nolans The Dark Knight wach, wenn wir den kriminellen Bruder der Hauptfigur bei der "Arbeit" sehen. Ein sehr stimmungsvoller Auftakt, der bereits einen Vorgeschmack darauf gibt, dass Fenar Ahmad ein Regisseur ist, den man im Actionthriller-Genre im Auge behalten sollte. Das Kopenhagen, das er hier zeigt, ist ein düsterer, bedrückender Ort, in dem das organisierte Verbrechen jederzeit zuschlagen kann.

Hervorgehoben werden sollte auch die großartige Kameraarbeit. In langen Einstellungen werden hier Verfolgungsjagden eingefangen, später bleibt die Kamera immer dicht an der Hauptfigur und verfolgt sie auf ihrem blutigen Rachefeldzug auf Schritt und Tritt. Der Thematik entsprechend nimmt Darkland in puncto Gewalt kein Blatt vor den Mund: Am Ende ist der Film trotzdem etwas zu zahm ausgefallen, um emotional einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Rache auf Sparflamme

Darkland bleibt leider Durchschnittskost. Ahmad gelingt es nicht ganz, die Spannung zu halten. Nach dem großartigen Auftakt braucht Darkland sehr lange, um an Fahrt aufzunehmen. Mit fast zwei Stunden Laufzeit ist der Film eindeutig zu lang geraten, denn die Geschichte ist insgesamt sehr klischeehaft und vorhersehbar geraten. Neue Einfälle sucht man vergebens und auch das Verhalten der Hauptfigur grenzt das ein oder andere Mal an Unglaubwürdigkeit.

Fazit

Darkland ist einer der drei dänischen Filme, die für die Einreichung bei den Oscars 2018 gehandelt werden. Dabei dürfte Fenar Ahmads Film wohl äußerst geringe Chancen haben. Ein völlig solider Actionthriller ist Darkland dennoch - und obendrein ein gelungenes Erstlingswerk für den Regisseur.

 

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Janick Nolting
14.09.2017 - 13:12
  Kultur

"Darkland" läuft auf dem Fantasy Filmfest 2017 in sieben Städten:

Screening-Termine

MÜNCHEN: 14 Sep / 16.30 Uhr
HAMBURG: 13 Sep / 16.15 Uhr
STUTTGART: 13 Sep / 14.15 Uhr
BERLIN: 14 Sep / 14.00 Uhr
FRANKFURT: 18 Sep / 16.15 Uhr
KÖLN: 28 Sep / 16.15 Uhr
NÜRNBERG: 25 Sep / 14.15 Uhr