Filmkritik: Die Farbe des Horizonts

Vom Liebesfilm zum Horrortrip

"Die Farbe des Horizonts" (engl. adrift) erzählt eine anfangs traumhafte Liebesgeschichte. Doch der Titel führt potenzielle Kinobesucher in die Irre.
Tami (Shailene Woodley) und Richard (Sam Claflin) an Bord des Segelbootes. Auch hier ist die Farbe des Horizontes sehr schön.
Tami (Shailene Woodley) und Richard (Sam Claflin) an Bord des Segelbootes

Für Tami (Shailene Woodley) könnte es eigentlich nicht besser laufen. Sie hat ihren Job an den Nagel gehängt um die Welt zu entdecken. Als sie schließlich in Tahiti ankommt, dauert es nicht lange und sie lernt den Weltenbummler Richard (Sam Claflin) kennen. Sie verlieben sich Hals über Kopf ineinander, wollen sogar heiraten. Als Freunde von Richard sie bitten, ihr Segelboot von Tahiti an die 2000 Meilen entfernte Küste von Karlifornien zu überführen, zögern sie keine Sekunde und lassen sich auf das Abenteuer ein. Eine Entscheidung, die Ihnen nach kurzer Zeit zum Verhängnis wird. 1500 Meilen vom Festland entfernt, geraten sie in einen Hurrikan. Als Tami schließlich erwacht, liegt sie zwischen Trümmern und von Richard ist weit und breit keine Spur. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Wird sie ihn finden und das Festland rechtzeitig erreichen?

Großartige Jungschauspieler, die an ihre Grenzen gehen

Die Besetzungsliste liest sich zunächst wie die einer Romantic Comedy. Shailene Woodley kennen viele aus der Fantasyreihe Die Bestimmung, wo sie die fraktionslose Titelheldin mimt, die aus Liebe zu ihrem Freund am Ende ihr Leben lässt. Doch spätestens seit Das Schicksal ist ein mieser Verräter, der Romanverfilmung nach John Green, spielt sie bei den Großen mit. Für die Rolle der Schiffsbrüchigen ging sie nicht nur psychisch an ihre Grenzen. In Vorbereitung auf die Rolle nahm sie nur 350 Kalorien zu sich.

Sam Claflin ist der Mann an ihrer Seite - zumindest im Film. Nach seinem Schauspieldebüt im Mehrteiler Die Säulen der Erde, spielte er fast ausschließlich in Filmen mit, in denen entweder seine große Liebe findet und/ oder stirbt, zuletzt in Ein ganzes halbes Jahr an der Seite von Game of Thrones- Schauspielerin Emilia Clarke. Seine bekannteste Rolle war wohl die des Finnick Odair in der Tribute von Panem- Reihe. Da heiratet er übrigens auch. Bevor er stirbt.

Beide spielen ihre Rolle mit großer Liebe zum Detail und großer Chemie zwischeneinander. Man nimmt Ihnen das einerseits das unbeschwerte Liebespaar ab, dann aber auch den harten Kampf ums Überleben.

Die Weite des Meeres und unübersehbare Schwachstellen

Regisseur Baltasar Kormákur (bekannt durch u.a. Die Kalte See oder Everest) hat mit Die Farbe des Horizonts einen bildgewaltigen Survival Film geschaffen. Die furchteinflößenden Wellen, die unerbittlich das Schiff zum Kentern bringen, sind in größter Feinstarbeit insziniert und getaktet, die Geräuschkulisse des Hurrikans tut ihr übriges.

Trotzdem ist der Film an einigen Stellen  langatmig. Das ist angesichts der 42 tägigen Irrfahrt von Tami Oldham auch an einigen wenigen Stellen völlig in Ordnung, irgendwann hat der Filmschauende allerdings den Eindruck, er sei selbst mit auf dem Boot. Zudem sind die Sprünge zwischen rosaroten Rückblenden und dem schwer anzusehenden Kampf um einen Schluck Wasser nicht fördernd.

 

Das größte Problem an Die Farbe des Horizonts ist allerdings der deutsche Titel. Durch ihn ist nicht klar, wer angesprochen werden soll. Die, die einen romantischen Liebesfilm erwarten, werden enttäuscht. Die, die ausschließlich unerbittlichen Überlebenskampf erwarten, werden wahrscheinlich gar nicht erst den Kinosaal betreten, wenn ihnen die Geschichte gänzlich unbekannt ist. Mit dieser Kombi wird es der Film in Deutschland schwer haben. Und das insgesamt  völlig zu Unrecht. Denn trotz einiger Schwachstellen ist er ein Muss für all diejenigen, die auf dem Meer zuhause sind, die Fan von den beiden Hauptdarstellern sind und/ oder die mehr über die wahre Geschichte hinter dem Film erfahren wollen.

 

 

 

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Annika Sparenborg
18.07.2018 - 10:45
  Kultur