Die Kolumne

Volle Kraft voraus

Die Kolumne. Immer Freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Felix Krause über Treibstoff und Treibstoff.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Am Dienstag kam es im Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zu einer Entscheidung, die Deutschland langfristig verändern könnte. Grundsätzlich sind Diesel-Verkehrsverbote zulässig.

Das ist zunächst mal nur für Stuttgart und Düsseldorf relevant. Die Verwaltungsgerichte in den Landeshauptstädten hatten nämlich die beiden Städte verpflichtet, ihre Luftreinhaltepläne einzuhalten. Nun geht das auch über Fahrverbote von Diesel! Das ist schon beeindruckend. Eine gesetzliche Einschränkung die mit Autos zusammenhängt. Das Auto ist ja praktisch die Ersatzreligion in Deutschland.

Man denke an die G20 Proteste, bei denen Vandalismus an Autos irgendwie härter gewogen wurde als Polizeigewalt.

Das Auto ist der kleinste gemeinsame Nenner. Bonzen und Arbeiter, Rentner und 17-Jährige in Begleitung ihrer Eltern: Das Auto ist DAS identitätsstiftende Element in Deutschland.

Wir sind das Volk, unser Lieblings-Sternzeichen ist der Wagen.

Gleichzeitig ist die Entscheidung auch ein Schlag ins Gesicht der Autolobby, auch erst mal nicht verkehrt.

Aber durchweg positiv ist auch das Dieselverbot nicht.

Wieso?

Ist jetzt denn garantiert, dass die Luft auch besser wird? Benziner mit Ottomotoren sind ja auch nicht "sauber".

Hm. Stimmt. Dieselmotoren haben ja beispielsweise einen viel höheren Wirkungsgrad als Ottomotoren. Und ich denke, das Dieselverbot hat einen ähnlichen Effekt wie der Atomausstieg: Man greift dann halt zum erstbesten Ersatz und reanimiert wieder die Kohlekraft. Na toll. Könnten zukünftig nicht nachhaltige Alternativen bei solchen Urteilen mitgedacht werden? Und ich rede jetzt nicht davon, dass mal wieder irgendwer bessere Radwege fordert. Zum Beispiel Elektroautos. Oder sonst einen Alternativen Treibstoff.

Kolumne, Meinung, Leipzig
Felix Krause ist klubtechnisch Lokalpatriot.

Alternativer Treibstoff? Das brauchen bald auch alle Feierwütigen in Leipzig.

Vodka Energyyyy für die Atzen, Mate für die Hipster und, was man eben sonst so brauchen könnte, um Nächte durchzufeiern… Denn, ja, es ist endlich soweit: Die Sperrstunde wird abgeschafft! Der Grünenpolitiker Jürgen Kasek hatte den Antrag dazu im Stadtrat eingereicht. Am Mittwoch hat nun der Großteil Stadträte für den Antrag, also die Abschaffung gestimmt. Gegenstimmen gab es keine.

Die Leipziger Lokalpolitik hat also endlich ihr OK für nächtelange Feierexzesse gegeben.

Ja! Allerdings muss jetzt noch die Landesdirektion einer Ausnahmeregelung für Leipzig zustimmen. Aber ja, vermutlich hat die Zeit von 5 Uhr bis 6 Uhr morgens zukünftig wieder einen Sinn!

Mensch, Leipzig spielt sich langsam aber sicher aus der Provinzhaftigkeit. Ohne die Sperrstunde kommt man dem Anspruch das "Neue Berlin“ zu sein, ein kleines Stückchen näher. Jetzt ist man immerhin, beispielsweise das "Neue Erfurt" oder das "Neue Kiel". Da gibt es nämlich schon laut Landesrecht keine Sperrstunde.

Und vielleicht vernetzen sich die Klubs in Leipzig auch endlich mal ein bisschen. Immerhin haben sich die Leipziger für die "Sperrstunden-Affäre" zu einer Interessengemeinschaft namens Livekombinat zusammengeschlossen. Sie unterstützten Kasek bei seinem Antrag. Lobbyarbeit für die Ravergemeinschaft. Toll. Unterstützung kam außerdem vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, DEHOGA.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband setzt sich für düstere Leipziger Technoklubs ein?

Ja. Da wird man schon ein bisschen skeptisch. Holm Retsch von der DEHOGA sagte zum Beispiel, die Clubszene gehöre zur attraktiven und weltoffenen Stadt Leipzig. Und es nutzten  "viele Kongress-Leute, die in Leipzig Tagungen haben, [...] die kulturellen Angebote und die Clubkultur".

Ähm, was? Kongress-Leute? Das ist jetzt aber nicht die Klientel, für die hier Politik gemacht werden sollte.

Kongress-Leute und Partytouristen sind auch nicht die Leute, die hier die Klubs stürmen sollten. Jeder Partytourist zerstört ein Stückchen Klub-Identität. Klingt radikal, ist aber so.

Der Einsatz zur Abschaffung der Sperrstunde ist gut und wichtig. Und für die hiesigen Klubs ist das absolute Ende der Sperrstunde natürlich essentiell und überlebenswichtig. Wenn in Zukunft nun aber mehr "Kongress-Leute" und Partytouristen nach Leipzig kommen, dann auf Wiedersehen. Da könnte ich nicht mal ein Auge zudrücken, wenn dann alle mit Benzinern statt Diesel-Autos zum Feiern nach Leipzig kämen.

Die Kolumne zum Nachhören:

Volle Kraft voraus - Die Kolumne von Felix Krause.
Volle Kraft voraus - Die Kolumne von Felix Krause.

 

 

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Felix Krause
02.03.2018 - 13:53