Konzertbericht: Future Islands

Vier Männer und mein Schweiß

Seit zwölf Jahren sind Future Islands mittlerweile auf den Bühnen dieser Welt unterwegs. Am 9. Juni waren sie zu Gast im Berlin. Von gelangweilten Altmeistern war jedoch keine Spur. Die Columbiahalle hat gesungen, getanzt und geschwitzt.
Future Islands' Leadsänger Samuel T. Herring in der Berliner Columbiahalle.
Future Islands' Leadsänger Samuel T. Herring in der Berliner Columbiahalle.

In der Columbiahalle steht die Luft. Jeder schwitzt Sturzbäche, was bei der Hitze auch nicht sonderbar überraschend ist. Den ganzen Tag über prasselte die Sonne auf Berlin ein. Jetzt hat es sich draußen zwar minimal abgekühlt, dafür könnte das Innere der C-Halle als subtropische Klimazone durchgehen. Überall tanzen Menschen, die sich deutlich unterscheiden – in Kleidungsstil, Nationalität und Altersgruppe. Auf der Bühne tanzen vier Männer aus Baltimore. Ich schwitze an Stellen, an denen kein Mensch je zuvor geschwitzt hat.

Aber spulen wir ein bisschen zurück. Bevor dank Future Islands die Innentemperatur einer Berliner Venue in unvernünftige Höhen gestiegen ist, ging alles ganz ruhig los.

Der Mann des Abends

Die Menge ist hin- und hergerissen zwischen Jubel und andächtigem Schweigen, als die Lichter gedimmt werden und die ersten Töne erklingen. „Tybee Island“ wird als Intro zelebriert, zu Meeresrauschen und fern klingenden Gitarren tritt ein Bandmitglied nach dem anderen auf die Bühne. Ganz zum Schluss nimmt Sänger Samuel T. Herring seinen Platz ein. Nach dem sanften Opener verändert sich das Licht. Die schummrigen Blautöne werden zu warmen Rot; das Publikum wird langsam wach. Herring beginnt, die Bühne mehr und mehr einzunehmen. Song für Song und Minute für Minute lässt er seine Entertainer-Qualitäten mehr aus sich herausbrechen. Mit seinem schlichten Outfit – ein hochgeschlossenes, blaues Hemd, welches ordentlich in seine Jeanshose gesteckt ist – wirkt er auf den ersten Blick eher wie ein Typ, der gleich eine Doppelstunde Biologie unterrichtet, anstatt 2000 Menschen zum Tanzen zu bewegen.

Ein erster Eindruck, welcher der Realität keinen Moment standhält. Future Islands spielen sich zwar erst ein bisschen warm, trotzdem strahlt Herring in ihrer Mitte bereits deutlich. Nachdem sie mit „Alladin“, „Ran“ und „Beauty of the Road“ vorallem Fans ihrer aktuellen Platte „The Far Field“ glücklich gemacht haben, graben sie kurz darauf ein bisschen tiefer in ihrer Diskografie. Mit „A Dream of You and Me“ wird als erster von vielen ein Juwel des Vorgängers „Singles“ (2014).

Ehrliches Handwerk

Zwischen den Songs bemüht sich Herring immer wieder darum, auch außerhalb seiner Musik eine Verbindung zum Publikum aufzubauen. Seine Ansagen beinhalten zwar das klassische „Danke, dass ihr alle hier seid“ und „Nur dank Leuten wie euch, können wir unseren Traum leben“, er äußert sie aber mit aufrichtiger Ehrlichkeit und Dankbarkeit. Im Laufe des Abends spielen Future Islands einen Klassiker nach dem anderen. Zu „North Star“, „Doves“ und „Seasons“ schlittert Herring über die Bühne. Mittlerweile füllt er nicht nur die Bühne, sondern auch die Columbiahalle komplett aus. Seine Energie steckt an: alle tanzen oder blicken gebannt auf die Bühne.

Je länger das Konzert dauert, desto beeindruckender ist es, dass bisher keines der Bandmitlgieder an einem Hitzschlag gestorben ist. Herring springt, tanzt und rennt über die Bühne; seine Bandkollegen arbeiten wie Uhrwerke an ihren Instrumenten. Mit „Little Dreamer“ verabschieden sie sich herzlich von Berlin und verlassen die Bühne. Die Columbiahalle leert sich langsam. Vor ihren Türen sammeln sich glückliche, müde Menschen und verschwinden in der warmen Sommernacht.

 

Kommentieren

Setlist:

1) Tybee Island
2) Aladdin
3) Ran
4) Beauty of the Road
5) A Dream of You and Me
6) Time on Her Side
7) Walking Through That Door
8) North Star
9) Long Flight
10) Balance
11) Before the Bridge
12) Doves
13) Cave
14) Through the Roses
15) A Song for Our Grandfathes
16) Ancient Water
17) Seasons (Waiting On You)
18) Tin Man
19) Spirit
____________________________________

20) Back in the Tall Grass
21) Inch of Dust
22) Vireo’s Eye
23) Fall from Grace
24) Little Dreamer