Braunkohle

Verzicht auf Fernwärme aus Lippendorf

Zurzeit beziehen Leipziger Haushalte ihre Wärme vom Braunkohlekraftwerk in Lippendorf. Bald soll sich das aber ändern, denn 2023 läuft der gemeinsame Vertrag aus.
Das Kraftwerk Lippendorf versorgt viele Leipziger Haushalte mit Fernwärme.

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Ein Beitrag von Virginia Faust
0611 Lippendorf

Laut Oberbürgermeister Burkhard Jung soll der Vertrag mit dem Kraftwerk Böhlen-Lippendorf nicht verlängert werden. Leipzig will also nicht warten, bis Gesetze auf Bundesebene über die Zukunft der Braunkohle entscheiden, sondern jetzt schon auf Kohleenergie verzichten.

Die Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, gemeinsam mit den Linken, hatten bereits im Sommer einen Antrag gestellt. Darin sollten die Stadtwerke Leipzig einen Plan auf Verzicht auf Fernwärme durch Braunkohle vorlegen. Eine erste Studie zeigte nun einen Weg dafür, denn ein Verzicht auf Fernwärme sei technisch machbar.

„Das entscheidende für uns als Stadt Leipzig ist, dass wir von der Fernwärmeerzeugung der Stadt hier in Leipzig nicht von Lippendorf abhängig sind. Wir haben also die Möglichkeit, mit eigener Fernwärmeerzeugung, Fernwärmeenergie für die Kunden in der Stadt Leipzig sicherzustellen und wenn das wirtschaftlich ist, spricht aus meiner Sicht sehr vieles dafür den Vertrag mit Lippendorf nicht zu verlängern.“

Sven Morlok, Fraktion Freibeuter im Stadtrat Leipzig

Für Morlok steht der Umweltschutz dabei nicht direkt im Vordergrund. Er begrüßt vor allem die wirtschaftlich positiven Auswirkungen.

Leipzig will zukünftig auf einen Technologie-Mix setzen, mit Gas als wichtigstem Anteil. Dafür soll ab 2020 ein Gaskraftwerk neu erbaut werden, das sowohl Strom als auch Fernwärme erzeugen kann. Die Planungskosten von 2 Millionen Euro wurden vom Stadtrat schon freigegeben.

Insgesamt sind Investitionen in Höhe von 150 Millionen Euro geplant. Durch diese Investition könnte Leipzig die Klimaschutzziele erreichen. Der Co2-Ausstoß pro Person würde also auf 2,5 Tonnen begrenzt werden.

Langfristig will Leipzig sich auch vom Gas als Brennstoff unabhängig machen.

„Das kann für uns nur ein Zwischenstopp sein, denn für uns ist es wichtig, dass wir nach und nach auch auf erneuerbare Energien auch in der Fernwärme umstellen können. Das ist aber noch ein langer Weg und das sehen wir auch, dass das nicht von heute auf morgen zu machen ist.“

Gesine Märtens, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat Leipzig

Etwas paradox klingt aber, dass sich die Umweltbilanz erstmal verschlechtern soll. Ein zusätzliches Kraftwerk wäre für den Übergangszeitraum nötig, weil Fernwärme in Lippendorf nur einen sehr kleinen Teil ausmacht. Dort wird nämlich vor allem Strom für drei Millionen Haushalte erzeugt. 

„Wir sind natürlich der Meinung, dass so schnell wie möglich ausgestiegen werden soll. 2025 halten wir für realistisch. Das sind jetzt noch 7 Jahre, die Stadtwerke müssen ja auch Vorkehrungen treffen und neue Anlagen bauen.“

Franziska Riekewald, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende Die Linke im Stadtrat Leipzig

AfD Stadtrat Holger Hentschel sieht das allerdings anders. Für seine Fraktion kommt der geplante Verzicht auf die Fernwärme aus Lippendorf sehr übereilt.

„Aus unserer Sicht ist das überhastet. Das Kraftwerk Lippendorf soll planmäßig bis 2042 Strom produzieren. Fernwärme in dem Fall ist ein Nebenprodukt und fällt sowieso bei der Verstromung an. Aus unsrer Sicht macht es Sinn, diese weiterhin zu nutzen. So, dass sie nicht ungenutzt an die Umwelt abgegeben wird.“

Holger Hentschel, AfD Stadtrat

Außerdem könne es zu negative Auswirkungen auf den Verbraucher kommen, so Hentschel. Christopher Zenker, Mitglied der SPD-Fraktion sieht erstmal keine Auswirkungen.

„Die Nutzer haben weiterhin warm Wasser und können im Winter weiterhin heizen. Die Auswirkungen für die Nutzer sind erstmal nicht vorhanden. Es wurde auch dargestellt, dass das nicht zur Preissteigerung führt.“

Christopher Zenker, SPD-Fraktion im Stadtrat Leipzig

Allerdings könnten insgesamt 2300 Arbeitsplätze verloren gehen.

Im Endeffekt muss aber der Stadtrat noch über die Energiewende entscheiden. Die Abstimmung dafür ist im März 2019 geplant.

 

 

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