Filmkritik: Verpiss dich, Schneewittchen

Verpiss dich, Niveau!

Nahezu jeder bekannte deutsche Comedian hat mittlerweile seinen eigenen Kinofilm bekommen. Nun ist auch noch Bülent Ceylan dran. In "Verpiss dich, Schneewittchen" spielt er einen erfolglosen Rockstar und scheitert dabei auf ganzer Länge.
Szene aus "Verpiss dich, Schneewittchen"
Bülent Ceylans Gesicht spiegelt die Gefühle des Publikums

Als Gott das Schauspieltalent verteilte, als die Drehbuchautoren von der Muse geküsst wurden, als die Regisseure mit kreativen Ideen gesegnet wurden - da war das Filmteam von Verpiss dich, Schneewittchen nicht anwesend. Dass deutsche Comedians irgendwann ihren eigenen Film erhalten, ist nur eine Frage der Zeit. So saß Atze Schröder in U-900 im U-Boot herum, Otto hat gleich seine ganzen Freunde in Zwergenkostüme gesteckt und Kaya Yanar in Agent Ranjid rettet die Welt neue Grenzen des infantilen Humors erforscht. Jetzt ist also Bülent Ceylan an der Reihe. Dass dabei kein filmisches Meisterwerk entstanden ist, war eigentlich im Vorfeld klar. Wie schlecht Verpiss dich, Schneewittchen am Ende wirklich geworden ist, erschreckt aber.

Vom Verlierer zum Star?

Die Geschichte von Verpiss dich, Schneewittchen ist im Grunde genommen kaum der Rede wert und so altbacken, dass man schon gähnt, bevor der Film überhaupt so richtig angefangen hat. Bülent Ceylan spielt Sammy. Der arbeitet tagsüber in einem türkischen Bad, träumt jedoch von einer Karriere als Rockstar. Kurzerhand schnappt er sich ein paar seiner Badegäste und den neuen Bademeister Wolle (Paul Fassnacht) und gründet mit ihnen die Band Hamam Hardrock. Die Teilnahme an einem Band Contest im Fernsehen soll den erhofften Erfolg bringen. Unterstützt wird die Band von Sammys Schwester, gespielt von Josefine Preuß, die mal wieder oberflächliches Rumgehampel mit Schauspielerei verwechselt.

Nun ist Verpiss dich, Schneewittchen ein Film, der ganz klar für Fans von Bülent Ceylan konzipiert wurde. Das Projekt scheitert jedoch schon allein deshalb gnadenlos, weil Ceylan im Film völlig aus seiner bekannten Rolle herausfällt und höchstens noch mit seiner üppigen Haarpracht überzeugt. Man bekommt nicht ein einziges Mal den Bülent Ceylan zu sehen, den man sonst von der Bühne kennt. Stattdessen einen völlig fehlbesetzten, jederzeit austauschbaren Mann, dessen Talente ebenfalls nicht im Schauspiel zu finden sind.

Humor-Vakuum

Wenn es doch wenigstens lustig wäre! Es gibt in Verpiss dich, Schneewittchen nicht einen einzigen Gag, bei dem das Timing stimmt und der einem auch nur im entferntesten Sinne ein Lachen entlocken könnte. Einer der größten "Gags" des Films besteht darin, dass einer von Sammys Badegästen als lebende Trommel benutzt wird und man sich als Zuschauer*in immer wieder ansehen muss, wie rhythmisch auf die dicke, behaarte Plauze geschlagen wird. Na, müssen Sie schon lachen? Fehlt nur noch etwas aufgesetzte Dramatik im Schlussdrittel und Rassismus-Kritik auf unterstem Niveau und fertig ist die deutsche Filmkatastrophe.

Natürlich wird der Film auch noch von allerhand anderen mehr oder weniger berühmten Personen dafür benutzt, mal wieder das Gesicht in eine Kamera zu halten, um nicht in Vergessenheit zu geraten. So darf Bernhard Brink ein Ständchen singen und Tom Gerhard als Hausmeister Krause einen Merkel-Witz erzählen, dessen Pointe sich wohl niemals erschließen wird. Fehlen nur noch Katy Karrenbauer und Jenny Elvers und das dreckige Dutzend wäre komplett. Irgendwann kommt dann der Punkt im Film, an dem merkwürdigerweise gar keine Gags mehr kommen. So fragt man sich nur noch, ob das Drehbuch endgültig implodiert ist oder der Regisseur keine Lust mehr hatte. Nicht einmal die Outtakes im Abspann sind lustig! Ein Armutszeugnis einer Komödie. 

Fazit

Wäre Verpiss dich, Schneewittchen nicht so dermaßen belanglos und uninteressant, hätte diese "Komödie" schon jetzt beste Chancen, als schlechtester Film des Jahres bezeichnet zu werden. Wegen solcher Filme gerät das deutsche Kino immer wieder in Verruf.

 

Kommentieren

Verpiss dich, Schneewittchen

Regie: Cüneyt Kaya

Laufzeit: 88 Minuten

FSK 12

Kinostart: 29.03.2018

Cast: Bülent Ceylan, Josefine Preuß, Nilam Farooq, Chris Tall und viele mehr