Desinfektion

Vernebelung im Krankenhaus

Auf dem letzten Hygienestammtisch, der dieses Mal im Diakonissenkrankenhaus stattfand, wurde die Reinigung mithilfe der Wasserstoffperoxidvernebelung vorgestellt. Doch was bedeutet dieses Wortungetüm?
Referentin Brigitte Schenk (rechts im Bild) mit einigen Mitgliedern des Hygienestammtisches

Der Hygienestammtisch wurde 1992 vom Sankt Georg Krankenhaus Leipzig ins Leben gerufen und trifft sich seitdem regelmäßig, um sich über neue Hygienemethoden auszutauschen. Dieses Mal ging es um die Wasserstoffperoxidvernebelung (H2O2). Die Referentin war Frau Brigitte Schenk, OP-Schwester im Diakonissenkrankenhaus Leipzig. 

Selten angewandt

Die Wasserstoffperoxidvernebelung kommt in Deutschland bis jetzt kaum zum Einsatz. Doch sowohl das Diakonissenkrankenhaus Leipzig als auch das Bergmannstrost-Klinikum in Halle nutzen sie. In Leipzig wird H2O2 seit 2015 eingesetzt. Damals kam ein Patient ins Krankenhaus, der viele multiresistente Keime hatte, sodass das Krankenhaus vor der Frage stand, wie danach das Zimmer zu desinfizieren wäre.

Man setze die Technik nach der Schlussdesinfektion ein, so Frau Schenk. Schlussdesinfektion bedeutet, dass das gesamte Zimmer vollständig desinfiziert wird. Dabei wird das gesamte Zimmer gereinigt und dann am Ende mit Desinfektionsmittel desinfiziert. H2O2 kommt im Diakonissenkrankenhaus vor allem auf der Intensivstation zum Einsatz. Dort aber auch nur, wenn es wirklich sinnvoll ist: So zum Beispiel, wenn der vorherige Patient eine Erkrankung aufgrund von multiresistenten Keimen hatte.

Wie läuft eine H2O2-Vernebelung ab?  

Nach der Schlussdesinfektion werden alle Geräte so frei wie möglich in dem Raum aufgestellt bzw. gelegt. Das Wasserstoffperoxid wird von einer Maschine, die Ähnlichkeit mit einer mobilen Klimaanlage hat, in den Raum „genebelt“. Dabei wird der gesamte Raum - auch Rauchmelder, Lüftungsschächte und Türrahmen - versiegelt. Es dauert etwa eine halbe Stunde, bis sich das Gas im Raum verteilt hat. Einwirken muss es 90 Minuten. Anschließend muss der Raum noch einmal für eine dreiviertel Stunde gelüftet werden. Frau Schenk erklärt, dass Wasserstoffperoxid auch dahinkomme, wo weder Tuch noch Lappen auch den letzten „Schmutz“ erwischen könnten. So könne man zum Beispiel in den letzten Winkel des Lüftungsschlitzes medizinischer Geräte kommen. Das hätten Messungen ergeben, sagt Frau Schenk.

Überprüft man Stellen, die nur durch die Schlussdesinfektion bearbeitet wurden, stellt man fest, dass gewisse Stellen wie zum Beispiel die Lüftungsschlitze nicht 100 prozentig desinfiziert sind. Nach der Wasserstoffperoxidvernebelung hingegen weisen diese Stellen keine Bakterien und anderes mehr auf - 95 Prozent der Flächen sind nach der Vernebelung desinfiziert, wohingegen es davor nur 70 Prozent sind. 

Für uns liegen die Vorteile ganz klar auf der Hand. Es ist ein umweltfreundliches Verfahren, weil Wasserstoffperoxid in Wasser und Sauerstoff zerfällt. Wir erreichen damit viele Erreger, die abgetötet werden, und es ist für uns eine wertvolle Ergänzung der normalen Flächendesinfektion, die sonst im Haus stattfindet.

 

Brigitte Schenk, OP-Schwester

Die Anschaffungskosten von den Geräten sind sehr teuer – eine Vernebelungsmaschine kostet 4000 Euro. Dabei sind noch nicht Stromkosten, Personalkosten und anderes berücksichtigt. Trotz der effektiven Desinfektion durch H2O2 gibt es Stimmen, die sagen, dass eine normale Schlussdesinfektion ausreiche, erklärt Schenk. Eine Alternative zu der Wasserstoffperoxidvernebelung gibt es nicht. Es ist bis jetzt nur eine Ergänzung zur Schlussdesinfektion. 

Weitere Informationen zum Thema können Sie im Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Ella Kreße nachhören:  

 
 

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