Gebärdensprache

Vermittler im Alltag

Wie andere Dolmetscher ist auch der Dolmetscher für Gebärdensprache ein Vermittler zwischen verschiedenen Sprachen. Das Besondere dabei: Die Gebärdensprache ist keine Lautsprache, sondern kommuniziert visuell.
Gebärde für "arbeiten"

Michael Hahn arbeitet als Gebärdensprachdolmetscher in Leipzig. Er erklärt, dass viele Dolmetscher für Gebärdensprache durch das Interesse an Sprache an sich zu diesem Beruf gelangen – nicht etwa durch einen individuellen Hintergrund wie beispielsweise gehörlose Verwandte. Wer die Deutsche Gebärdensprache (abgekürzt DGS) und das Dolmetschen lernen möchte, muss ein Studium von rund vier Jahren in Angriff nehmen. Der grundständige Studiengang Gebärdensprachdolmetschen wird in Deutschland an vier Standorten angeboten. Darunter sind die Städte Landshut, Hamburg und Magdeburg. In Sachsen wird an der westsächsischen Hochschule Zwickau noch auf Diplom studiert. Auch Michael Hahn hat absolvierte dort sein Studium und erklärt, dass im Unterricht oft mit Videos gearbeitet wurde:

Wir haben etwas gedolmetscht und haben uns das im Nachhinein angeschaut und ausgewertet. Und genauso haben wir aber auch Videos von Gehörlosen benutzt, die zum Beispiel von ihrer Ausbildung erzählt haben, um zu sehen, wie die so eine Geschichte aufbauen, wie sie etwas erzählen.

 

Michael Hahn, Dolmetscher für Gebärdensprache

Das Besondere an der Gebärdensprache

Michael Hahn ist fasziniert von der Gebärdensprache. Vor allem davon, wie Mimik und Ausführungsweise die Sprache wesentlich bestimmen. Ein Beispiel: Bei der Gebärde für „arbeiten“ schlägt man seine Fäuste aufeinander. Wenn man ausdrücken möchte, dass jemand sehr hart oder viel arbeitet, intensiviert man die Gebärde, schlägt die Fäuste also schneller und härter aufeinander. Durch diese extreme Bildhaftigkeit unterscheidet sich die Gebärdensprache grundlegend von allen anderen Sprachen.

Fähigkeiten des Dolmetschens

Ein Dolmetscher beziehungsweise eine Dolmetscherin braucht ein gutes geistiges und visuelles Auffassungsvermögen. Gedolmetscht wird in beide Richtungen: Von der Laut- in die Gebärdensprache und andersherum. Michael Hahn begleitet Gehörlose hauptsächlich in ihrem Arbeitsleben, zum Beispiel zu Betriebsversammlungen. Auch bei Arztbesuchen ist Michael Hahn oft gefragt:

Das ist dann bei vielen auch so, dass sie sagen: Oh warum habe ich das nicht vorher schon so gemacht? Also sie haben einfach den gesetzlichen Anspruch, gerade im Gesundheitsbereich, weil die Krankenkassen das von den Kosten her übernehmen.

Michael Hahn

Aufträge für Gebärdendolmetscher

Die meisten Dolmetscher arbeiten freiberuflich. Michael Hahn erhält seine Anfragen entweder direkt von seinen Kunden oder über die sächsische Landesdolmetscherzentrale für Gebärdensprache in Zwickau. Diese verteilt zum Beispiel zentrale Anfragen von Firmen auf entsprechende Regionen. Einige Anfragen kommen auch von politischen Parteien:

Wir als Dolmetscher sind grundsätzlich neutral, aber wenn ich zum Beispiel eine Partei inhaltlich ablehne, dann kann ich das auch nicht dolmetschen.

Michael Hahn

Ein freiberuflicher Dolmetscher entscheidet selbst, wann, wo und wie viel er oder sie arbeitet. Michael Hahn schätzt, dass in Leipzig rund 20 Gebärdensprachdolmetscher tätig sind. Bei recht vielen Gehörlosen in Leipzig und steigender Nachfrage sei die Auftragslage für die Dolmetscher ziemlich gut.

Männliche Gebärdensprachdolmetscher sind rar

In einigen Fällen scheint Michael Hahn gegenüber seinen vorwiegend weiblichen Mitstreiterinnen sogar einen Vorteil zu haben:

Bestimmte Klienten oder Klientinnen denken, dass ich für manche Einsätze besser geeignet bin, weil ich ein Mann bin. Weil eben bei vielen noch im Hinterkopf ist: Männer können Technik.

Dolmetscher Michael Hahn

Michael Hahn liebt in seinem Beruf den Moment, wenn die beiden Gesprächspartner feststellen, dass sie sich einander jetzt viel besser verstehen können als früher, ohne Dolmetscher. Gebärdensprachdolmetscher sind also nicht nur für Gehörlose eine Chance zu kommunizieren.

Hören Sie hier den gesamten Beitrag zum Thema von mephisto97.6-Redakteurin Ronja Binus:

Ronja Binus über den Beruf des Gebärdensprachdolmetschers
Gebärdensprachdolmetscher

 

 

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