Urban Gardening

Verjüngungskur in Leipzigs Kleingärten

Leipzig gilt als heimliche Hauptstadt des Kleingartens. Jeder sechste Einwohner hat hier mit einem Kleingarten zu tun. Meist denkt man da vor allem an ältere Herrschaften, die akribisch in ihrem Gärtchen arbeiten. Ist da noch Platz für junge Leute?
Mittagsruhe, täglich von 13-15 Uhr, laut Kleingartenordnung
Eine Kleingartenanlage besteht nur aus strengen Regeln - oder?

Leipzig lädt mit einer Vielzahl von Parks und dem Auenwald mit seiner großen Grünfläche zur Erholung ein. Doch auch in über 278 Kleingartenanlagen kann man die Seele baumel lassen. In diesen findet man aber nicht nur ältere Menschen. Auch immer mehr junge Leute entscheiden sich für einen Kleingarten. So wächst eine neue Gärtnergeneration heran, die auch das Fortbestehen der Kleingartenvereine sichert.

Melanie Hagenau und Corinna Thamm haben eine Junggärtnerin getroffen
Der Kleingarten wird jung

Die Geschichte der Kleingärten in Deutschland ist alles andere als langweilig - sie beglücken schon seit über 200 Jahren die Herzen der Kleingärtner. Die deutsche Kleingartenbewegung lässt sich auf insgesamt sechs Ursprungslinien zurückführen, von denen Leipzigs Schrebergärten eine darstellen. 1921 fanden die verschiedenen Kleingartenbewegungen schließlich im Reichsverband der Kleingartenvereine Deutschlands zusammen.

Die erste Kleingartenbewegung entstanden 1814: Die Armengärten in Kappeln an der Schleih. Ihre Gründung entstand auf Initiative der wohlwollenden Bürgerschaft und hatte das Ziel, das Armenproblem des beginnenden 19. Jahrhunderts zu mildern. Weitere Ursprungslinien der Kleingartenbewegung sind die „Rotkreuzgärten“ des Deutschen Roten Kreuzes, die Gärten von Betrieben und Institutionen, und die Berliner Laubenkolonien. Auch sie stehen in der Tradition der Armengärten. Eine weitere Urpsrungslinie sind die Gärten der Naturheilbewegung. Mittelpunkt dieser Bewegung ist die naturgemäße Lebens- und Heilweise, die sich an der instinktiven Befolgung der Naturgesetze des Lebens ausrichtet.
Aber auch die Ursprungslinie der „Schrebergärten“, die 1864 in Leipzig entstanden und auf den namensgebenden Leipziger Arzt Moritz Schreber aus Leipzig zurückführen sind, dürfen nicht vergessen werden. Die Schrebergärten beruhten auf einem pädagogischen Konzept und dienten ursprünglich als weitere Beschäftigungsmöglichkeit für Kinder.

Aus den „Kinderbeeten“ wurden jedoch rasch „Familienbeete“, die man später unterteilte und umzäunte – die „Schrebergärten“. Sie gingen bald in die Obhut der Eltern über.
Die historische Kleingartenanlage „Dr. Schreber“ steht heute unter Denkmalschutz und beherbergt auch das Deutsche Kleingärtnermuseum.
Die Kleingartenbewegung hängt eng mit der Industrialisierung zusammen. Kleingärten stellten einen Erholungsraum und einen Ausgleich zur schweren körperlichen Arbeit dar. Sie trugen außerdem zu einer Steigerung der Lebensqualität in Städten bei. Neben der Erholung steht außerdem die Bewirtschaftung der Gartenfläche im Zentrum der Kleingärtnerei.

Gesetz des Kleingartens

Durch Gesetze wird in der Gesellschaft allen Bereichen eine Struktur gegeben um das Zusammenleben einfacher zu gestalten. Das gilt auch für die Kleingärten.
Seit 1983 gibt es das Bundeskleingartengesetz (BKleingG). In ihm ist geregelt,

  • die Begriffsbestimmung Kleingarten samt kleingärtnerischer Nutzung,
  • die Gemeinnützigkeit und
  • die Pacht ,vor allem was Vertrag, Dauer, Kündigung betrifft.

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes von 2004 wurde die kleingärtnerische Nutzung spezifiziert. Laut einem Grundsatzurteil muss

… wenigstens ein Drittel der Fläche zum Anbau von Gartenerzeugnissen für den Eigenbedarf genutzt [werden] ... 

                                        BGH-Urteil, Az.:III ZR 281/03

Die genaue Flächenaufteilung eines Schrebergartens ist ebenfalls geregelt, allerdings nicht per Gesetz.

Maximal ein Drittel der Fläche darf mit Rasen belegt sein und maximum ein Drittel der Fläche, wiederum aber nicht größer als 24m², darf versiegelte Fläche sein, sprich Laube, Wege, Terrasse.

Katharina Paetzelt, Leiterin des Deutschen Kleingärtnermuseums in Leipzig

Für Menschen, die den großen Wunsch nach einem Garten haben, denen aber die Verantwortung zu viel ist, kann der Freizeit- und Erholungsgarten eine gute Alternative bieten. Denn mit dieser Art von Garten gehen weniger Pflichten, aber auch weniger Rechte einher. So sind diese Gartenbesitzer nicht an die Kleingartenordnung gebunden. Allerdings kann jederzeit eine Kündigung durch den Eigentümer ausgesprochen werden.

Lust auf Kleingarten?

Wenn du jetzt auch Lust auf einen eigenen Kleingarten bekommen hast, findest du hier eine Übersicht über die Kleingartenanlagen des Stadtverbandes Leipzig. Einfach durchklicken und den richtigen Verein aussuchen. Die meisten haben auf ihrer Homepage stehen, wie viele freie Parzellen sie haben. Viel Spaß!

 

 

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Corinna Thamm, Melanie Hagenau
29.08.2017 - 10:47
  Kultur

Deutsches Kleingärtnermuseum

nächster Termin für Kleingartenfreunde: 
Apfelsortenbestimmung
Samstag, 23. September 2017
14.00 - 18.00 Uhr
im Kleingartenverein "Dr. Schreber"