Im Gespräch: K. Lücker und U. Daenschel

Vergessene Heldinnen der Weltgeschichte

Alexander, Luther und Kolumbus – diese Männer schrieben Geschichte. Doch die meisten Schulbücher verschweigen die Rolle ebenso bedeutender Frauen. Kerstin Lücker und Ute Daenschel wollen das mit ihrer "Weltgeschichte für junge Leserinnen" ändern.
Redakteurin Nadja Mitzkat im Gespräch mit Kerstin Lücker und Uta Daenschel
Redakteurin Nadja Mitzkat im Gespräch mit Kerstin Lücker und Uta Daenschel

Es ist an der Zeit, die Weltgeschichte um all ihre vergessenen Heldinnen zu ergänzen. Jenseits der üblichen Klischees – die schöne Kleopatra, die grausame Lucrezia Borgia, die mutige Jeanne D`Arc – erzählt dieses Buch von Frauen, die Geschichte machten und die trotzdem kaum jemand kennt: von Sitt al-Mulk, die in den Wirren des Streits zwischen Schiiten und Sunniten das Amt des Kalifen von Kairo übernahm. Von Wu-Zetian, die als „chinesischer Kaiser“ dazu beitrug, den Buddhismus in China zu verbreiten. Und von Ada Lovelace, die das erste Computerprogramm schrieb und damit das digitale Zeitalter einläutete.

Weltgeschichte und prägende Frauengestalten

In ihrem Buch erzählen Lücker und Daenschel die Weltgeschichte nicht neu, aber anders: Allen wichtigen Ereignissen fügen sie immer auch Frauengestalten hinzu. Denn es gab nicht nur Könige, Diktatoren, Bettler und Erfinder. Sondern auch Pharaoninnen, Sklavinnen, Mathematikerinnen und Astronautinnen.

Diese Frauen wollen die Autorinnen aus der Vergessenheit holen. Dafür verweben sie die Weltgeschichte mit den Erzählungen prägender Frauengestalten. Ihre Vorgehensweise richtet sich gegen Schulbücher, in denen Geschichtsschreibung, nach wie vor eine männerzentrierte Angelegenheit ist.

Anekdotischer Ritt durch die Geschichte

Allerdings kommen die vorgestellten Frauen in ihrem Buch manchmal etwas zu kurz. Wirklich in die Tiefe gehen die Autorinnen kaum. Das ist ihrem ambitionierten Projekt geschuldet: Auf 500 Seiten erzählen sie die ganze Weltgeschichte von der Steinzeit bis in die Gegenwart. Mehr als ein großzügiger Ritt durch die Geschichte kann und will das Buch daher nicht sein.

Die Autorinnen konzentrieren sich auf prägnante Anekdoten und betten diese in größere Zusammenhänge ein. Damit stehen sie in der Tradition des Kunsthistorikers Ernst Gombrichs und seines Klassikers Eine kurze Weltgeschichte für junge Leser.

Der Hauptunterschied zwischen beiden Büchern? Anders als bei Gombrich spielen Frauen bei Lücker und Daenschel quer durch alle Zeiten eine Rolle. Manchmal besetzen sie Nebenrollen, manchmal sind sie die Hauptfigur. Davon sollten ruhig auch junge Leser erfahren – zahlreiche junge Leserinnen sind den Autorinnen ohnehin gewiss.

Redakteurin Nadja Mitzkat im Gespräch mit den Autorinnen Kerstin Lücker und Ute Daenschel über Heldinnen der Geschichte:

Kerstin Lücker und Uta Daeschel im Gespräch mit Nadja Mitzkat
Kerstin Lücker, Ute Daenschel
 

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Kerstin Lücker wurde 1974 in der Pfalz geboren. Sie studierte Musikwissenschaft, Philosophie und Slawistik in Dresden, Brünn (CZ) und Wien und promovierte in Musiktheorie. Sie lebt als freie Autorin, Übersetzerin und Redakteurin in Berlin.

Ute Daenschel wurde 1978 in Göttingen geboren. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Pädagogik in Braunschweig und promovierte mit einer Arbeit zur Technik-, Kultur- und Gendergeschichte des 20. Jahrhunderts. Sie lebt als freie Autorin und Lektorin in Berlin.