Die Kolumne

Verbaler Brechdurchfall

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Paul Materne über Kuhbesamung, Kinderpopel und Kanarienvögel
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist in dieser Woche passiert? Unsere Kolumnisten haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören:

Verbaler Brechdurchfall - die Kolumne von Paul Materne
Verbaler Brechdurchfall - die Kolumne von Paul Materne

Der Hauptstadt-Flughafen soll jetzt mit Leipziger Hilfe fertig gebaut werden: Der ehemalige Leipziger Baudezernent Engelbert Lütke Daldrup wird neuer Geschäftsführer beim BER. Hast du einen Tipp für ihn?

Sorry, ich glaube diesem Typen ist nicht mehr zu helfen. Engelbert – seine Frau nennt ihn übrigens Engelchen – also Engelchen, ich frage dich jetzt hier: Wie in Gottes Namen kommt du auf die Idee diesen Job anzunehmen? Geschäftsführer des Berliner Flughafens. Mir würden viele Sachen einfallen, die ich eher machen würde. Zum Beispiel Klärschlamm-Taucher (ohne Neoprenanzug). Oder auch: Kuhbesamer oder alleinerziehende Mutter von acht Kindern. Engelbert Lütke Dadrup macht es trotzdem – allein dafür hat er meinen Respekt. Aber man muss auch sagen: Mit Großprojekten kennt er sich ja aus. Er war nämlich auch mitverantwortlich für den Bau des City-Tunnels – der eröffnete auch ein paar Jahre später. Und kostete auf einmal doch 350 Millionen mehr als gedacht. Von daher kann er in Berlin auch sagen: Oh, der Flughafen wird doch erst vielleicht, eher nicht, natürlich locker acht Jahre später fertig und kostet fünf Milliarden mehr.

In Sachsens Kitas fehlt das Führungspersonal. Laut einer Studie fehlen mehr als eintausend Stellen. Aber was muss der Chef einer Kindertagesstätte eigentlich können?

Kolumnist Paul

Ach keine Ahnung, eigentlich auf Kinder Rücksicht nehmen und so'n blabla. Vielleicht sollte ich mal Chef werden. Dann würde da nämlich ein anderer Wind wehen. Zum Beispiel wenn Eltern sich mit ihrem Kind vorstellen.

 

Mutter: Ja also, unser kleiner Geronimo Nepomuk ernährt sich vegan und hat zwölf unterschiedliche Allergien. Und mit anderen Kindern kann er auch nicht so guut...

Ihr Junge kriegt bei uns erstmal einen vernünftigen Namen. Nicht so einen neumodischen Scheiß. Er heißt jetzt Gerhard. Zur Ernährung lässt sich sagen: Hier wird gegessen, was auf den Tisch kommt! Und wenn Gerhard nicht spurt, frisst er halt seine Popel oder die Haare seines Tischnachbarn. Extrawünsche am Arsch. Und zu den Allergien: Reine Erfindung. Alles Fake. Hier wird er auf das wahre Leben vorbereitet.

Deshalb folgende Regeln:

  1. Kinder gehen bei Wind und Wetter ohne Jacke raus. Die müssen abgehärtet werden.

  2. Um Spielzeug wird sich geprügelt. Wer nicht drum kämpft, fliegt raus. Survival of the fittest.

  3. Mittagschlaf ist gestrichen! Ich darf hier in der Redaktion auch nicht schlafen!

Weitere Informationen gibt es auf dem Elternabend. Nächsten Sonntag 23 Uhr. Stühle und Alkohol selber mitbringen! Und jetzt Schnauze.

Unbekannte haben in einer Kleingartenanlage in Gohlis Gartenlauben und Schuppen verwüstet. Sie knackten Türen, schmissen Scheiben ein und bedienten sich an den Getränken, die sie fanden. Was kann man nur gegen Kleingärten haben?

Die haben Gartenlauben und Schuppen verwüstet? Die sehen doch eh meistens schon verwüstest aus – so viel Müll wie da rumliegt. Scheiben haben sie eingeschlagen? Die sind doch in der Regel viel zu dünn und bringen nicht viel, es ist arschkalt in so einer Gartenlaube. Getränke? Was stehen da für Getränke rum? Vita Cola, die schon 10 Jahre abgelaufen ist? Ne Flasche Korn? Wurstwasser?

Allgemein Kleingartenanlagen – lebt da überhaupt wer? Da gibt es kein warmes Wasser, geduscht wird in der Regentonne. Und irgendwelche Goldfischteiche, wo nur Kröten drin sind. Und so Gewächshauser, die schon lange nicht mehr betreten wurden und wo die Nachbarn mittlerweile eine außerirdische Lebensform vermuten.

Zusammengefasst: Einbruch sinnfrei! Also liebe Gangster sucht euch das nächste Mal etwas, wo man noch so richtig was verwüsten kann.

Und nächste Woche?

Kommt wieder eine journalistische Kolumne und nicht so ein hirnloser Schrott. Vielen Dank aber trotzdem an meinen besoffenen Kanarienvogel, der mir diese Kolumne diktiert hat.

 

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Paul Materne
11.03.2017 - 17:04