Kolumne

Unwissenheit oder doch Phobie?

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Sophie Schröder erklärt, warum sich jeder erstmal in die eigene Hose schauen sollte.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören finden Sie hier:

Die Kolumne von Sophie Schröder.
0709_Kolumne_komplett

„Warum bleiben Transmänner eigentlich nicht Lesben, statt sich umoperieren zu lassen?“ Vor kurzem im Auto meiner Schwester, ich sitze auf dem Beifahrersitz – und schaue sie vollkommen entsetzt an. Ist meine Schwester transphob? Naja, aber woher soll sie es auch Wissen, wenn sie selbst kaum mit dem Thema in Berührung kommt? Und ist es dann so falsch zu fragen? Fragen ist wichtig und immerhin ist das schnell erklärt: Es gibt einen Unterschied zwischen Sexualität und Identität – deswegen ist ein Transmann, der auf Frauen steht, heterosexuell. Schlimmer ist es, wenn Menschen es gar nicht besser wissen wollen.

Deshalb hier ein kleiner Appell:

Liebe nicht-trans Personen und Heteros – Nein, ich meine nicht alle von euch. Ich meine die Damen und Herren, die denken, sie hätten das Recht auf der Sexualität und Geschlechtlichkeit anderer rumzuhacken. Die denken, es wäre okay, Transpersonen mit dem falschen Pronomen oder Namen anzusprechen – um sich dann darüber zu empören, wenn der Gegenüber das gar nicht mal so lustig findet. Ich meine die Leute, die noch immer der Meinung sind, dass andere Sexualitäten hinter verschlossene Türen gehören. Es tut mir Leid, aber meine Freundin ist kein komischer Fetisch, den ich irgendwo verstecke! Und natürlich auch die älteren Damen und Herren, die jetzt sagen: Bei uns gab es das damals nicht – was auch nicht korrekt ist.

Ihr alle:

Behaltet eure Kommentare und respektlosen Fragen einfach für euch. Und hört auf so zu tun als wäre es eine Entscheidung, die LGBTQ-Personen selbst treffen. Denn das ist ein großer Teil des Problems: das Grundverständnis fehlt. Weder Sexualität, noch Geschlechtsidentiät sind eine Entscheidung. Wenn ich mich oute, setze ich meine Umgebung von einem Ist-Zustand in Kenntnis und stelle diesen nicht zur Diskussion! Dann will ich kein Rumgemecker über nun ausbleibende Enkel hören. Wenn ich mit meiner Freundin auf der Straße laufe, ist das kein öffentliches Statement, auf das sich jeder und seine Katze einen Kommentar erlauben darf. Und wenn Transmänner und Transfrauen sich ihrem Geschlecht entsprechend kleiden wollen, dann sollen sie das gottverdammt auch tuen dürfen, ohne sich irgendwelche beknackten Kommentare anhören zu müssen.

Denn es erfordert sehr viel Mut sich zu outen.

Und ich möchte damit nicht sagen, dass sich LGBTQ-Personen unbedingt outen müssen. Für viele transgender Personen ist es wichtig, ungeoutet zu bleiben. Denn ein Transmann ist ein Mann – egal, ob er in einem weiblichen Körper geboren wurde oder nicht. Selbes gilt für Transfrauen. Eigentlich kann man das Trans davor auch weglassen, denn es sind Männer und Frauen. Oft haben gerade diese Personen bereits einen schweren Weg hinter sich und oft auch noch vor sich haben. Keiner nimmt zum Spaß Hormone oder lässt einfach aus Langeweile geschlechtsanpassende Operationen vornehmen – das ist keine Entscheidung, sondern dahinter steht der Leidensdruck, endlich wie die Person auszusehen, die man innerlich bereits ist.

Und deswegen noch ein letzter kleiner Tipp für alle Leute, die denken, dass LGBTQ-Personen sich zu ihrer Geschlechtlichkeit oder Sexualität entscheiden: Schreibt es einfach in eure kleinen Tagebücher, denn eure Kommentare braucht keiner. Oder kurz gesagt: Seid einfach keine, pardon, Arschlöcher – that’s it.

 

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Sophie Schröder
07.09.2018 - 13:51