Amerikanisch-europäische Beziehung

Unterschiedlich, aber auch gleich!

Bei uns zu Gast war Tyson Barker, um mit mephisto97.6-Redakteur Thilo Körting über die aktuelle Beziehung zwischen Europa und Amerika zu reden. Gesprochen wurde über die Ukraine-Krise und wie sich Amerika die deutsche Rolle in Zukunft vorstellt.
Tyson Barker im Interview.

 Tyson Barker ist Berater für europäische Angelegenheiten des amerikanischen Außenministeriums und beschäftigt sich gerne mit Deutschland. Schon viel Zeit hat er hier verbracht und unser Land lieben gelernt.

Für mephisto97.6 hat er sich Fragen zu aktuellen Problemen gestellt und die derzeitige politische Situation eingeordnet.

 

mephisto97.6: Sie sind ja hauptsächlich verantwortlich für gegenseitige Beziehungen zwischen Europa und Amerika. Gegenseitig, das bedeutet auch immer Auseinandersetzungen mit den gleichen Themen. Wie unterschiedlich ist denn die öffentliche Diskussion bei gleichen Themen zwischen Deutschland und Amerika?

 

Tyson Barker: Also ich würde sagen, dass es auf der einen Seite unterschiedlich ist und auf der anderen Seite gleich ist. Zum Beispiel TTIP. Hier in Europa, besonders in Deutschland wird es heftig diskutiert und debattiert. In den USA, wenn man einen normalen Bürger auf der Straße fragt „Bist du pro TTIP oder gegen TTIP?“. Die Antwort die man natürlich bekommt ist:  „Was zum Teufel ist TTIP?“. Aber trotzdem haben wir, also die Bürger in Deutschland und den USA, die gleichen Werteinstellungen. Wir glauben an die Demokratie, an die Marktwirtschaft. Wir glauben, dass jeder das Recht hat sein Potential zu erfüllen. Und das sieht man auch in den Debatten.

 

mephisto97.6: Die Späh-Affäre der NSA hat hier die Gemüter sehr erhitzt. Wie bewerten sie die momentane Wahrnehmung von europäischer Seite auf die USA?

 

Tyson Barker: Das wird auf jeden Fall wahrgenommen. Wir haben es wirklich in Kauf genommen, weil Europa und besonders Deutschland ein wichtiger Partner ist für die USA. Also wir versuchen jetzt das Vertrauen wieder aufzubauen durch verschiedene Dialoge. Und neulich war der Chefstab vom Weißen Haus hier, um die Kanzlei zu besuchen und versuchen dieses Thema ein bisschen zu überwinden. Wir haben jetzt einen neuen bilateralen Cyber-Dialog herausgestellt, der sich auch mit diesen Themen auseinandersetzen sollte. Also wir arbeiten wirklich hart daran zu versichern, dass wir diese Themen zu der Zufriedenheit der deutschen Bevölkerung auseinandersetzen können.

 

mephisto97.6: Wir machen jetzt mal einen harten Schnitt und gehen über zur Ukraine-Krise. Es wird dann ja oft davon gesprochen, dass hier der Kalte Krieg wieder so ein bisschen aufblitzt. Wie hat denn diese Krise, dieser Konflikt, die Beziehung zu Europa verändert?

 

Tyson Barker: Also die Beziehung hat sich wesentlich verändert. Russland hat in den letzten Monaten sich dafür entschieden sich zu isolieren aus der internationalen Gemeinschaft. Aber ich würde nicht sagen, dass es wie im Kalten Krieg ist. Wir reden nicht von einer Ideologie. Es geht um ein Land, das sehr revisionistisch ist, die Grenzen Europas ändern will und dadurch isoliert wird. Die Weltgemeinschaft hat sich geeinigt gegen Russland und gegen diese Politik.

 

mephisto97.6: Auf dem NATO-Gipfel wird jetzt diskutiert, ob mehr Truppen in der Ukraine  stationiert werden sollen. Warum befürwortet die USA diese Bestrebungen, obwohl sie ja eigentlich gegen eine kriegerische Lösung des Konfliktes ist?

 

Tyson Barker: Also erstens muss man sagen, dass die Ukraine kein Mitglied der NATO ist und dadurch haben wir es nicht vor Truppen in der Ukraine zu stationieren, das ist nicht wahr. Was wir vorhaben ist technische Assistenz für die Ukraine zu leisten, in militärischen Bereichen, aber auch in nicht-militärischen Bereichen. Das heißt in der Ökonomie Korruption zu bekämpfen, um die Wirtschaft wieder aufzubauen, die Finanzen zu sanieren. Diese wichtigen Themen.

 

mephisto97.6: Die USA sind Hauptbeteiligter in der NATO fordert aber mehr Anteile aus Europa. Wie stellt sich denn die USA in Zukunft auch auf militärischer Basis die Zusammenarbeit vor mit Europa?

 

Tyson Barker: Mehr in der Verteidigung zu leisten auf der Seite Europas ist uns sehr wichtig. Und das wird auch beim Gipfel herauskommen. Der Präsident wird das betonen. Die USA ist natürlich auf der anderen Seite eine atlantische Macht, aber auf der anderen Seite eine pazifische Macht. Und wir müssen uns darum kümmern, dass auch die Sicherheit in diesem Teil der Welt gesichert wird. Und wir machen das mit begrenzten Ressourcen und dadurch müssen wir andere Mittel finden diese Last, diese Verantwortung in unsere Allianz irgendwie besser zu teilen zwischen uns. Und Deutschland jetzt ist in einer guten Lage, mit dieser wirtschaftlichen Stärke, also mehr Beitrag dazu zu leisten.

 

Thilo Körting im Interview mit Tyson Barker.
Thilo Körting im Interview mit Tyson Barker.

 

 

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Roxana Cremer
03.09.2014 - 16:58