Wirtschaftskrise

Untergang der Lehmann Brothers

Vor 10 Jahren ging die Investmentbank Lehmann Brothers übers Wochenende Pleite. Damit begann die globale Wirtschaftskrise. Die Krise erklärt und das aktuelle Risiko bewertet von Wirtschaftswissenschaftlern gibt's in unserem Streitgespräch.
Lehmanns Brothers, Finanzkrise
New Yorker Börse - wo die Krise ihren Anfang nahm

„Wir haben in den Abgrund geschaut!“ Sagte der damalige Finanzminister Peer Steinbrück zum Untergang der Lehmann Brothers Investment Bank. Lehmann Brothers ist am Wochenende um den 15. September vor 10 Jahren Pleite gegangen. Vorher hatte niemand damit gerechnet, dass die Bank überhaupt Pleite gehen kann. Doch im September 2008 war klar, dass nur der Staat die Lehmann Brothers Investment Bank retten kann. Aber die U.S. Regierung entschied sich gegen eine Rettung. Die Lehmann Brothers gingen unter und die größte Wirtschaftskrise in der Geschichte des Kapitalismus entzündete sich. Die Wurzeln der Krise liegen aber im Jahr 2005. Damals vergaben US Banken tausendfach sogenannte Subprime Kredite an Bürger*Innen.

"Die Subprime-Kredite und die Krise" - ein Erklärstück von Moritz Lünenborg mit anschließender Diskussion
Die Subprime-Kredite und die Krise

Also im Aufschwung wird sich der Aufschwung immer weiter fortsetzen, weil die Kritik mit dem Argument beruhigt werden kann, dass die Entwicklung doch positiv ist.

Gunther Schnabl, Professor für politische Ökonomie an der Universität Leipzig

Das ist eben nicht sozusagen Selbstheilungskräfte des Marktes, sondern Selbstzerstörungskräfte. Wenn ich eben durch Konkurrenz gezwungen bin, in etwas nicht wirklich nachhaltiges einzusteigen und zu verstärken und dadurch erst die Blase zu erzeugen, vor der wir alle Angst haben.

Hannes Böhm, Referent Netzwerks Plurale Ökonomik

 

Die Weltwirtschaftskrise entzündet sich

"Die Weltwirtschaftskrise entzündet sich" - Ein Erklärstück von Moritz Lünenborg mit anschließender Diskussion

Rebecca Kelber, Sophia Spyropoulos, Manuel Anhut, Lennart Johannsen, Max Brose

EST Globale Finazkrise

Im Jahr 2007 sind die Subprime-Kredite, also Immobilienkredite an einkommensschwachen Kunden, zum Problem für die Banken geworden.

Im Herbst 2008 erreicht die Finanzkrise ihren Höhepunkt. Die große Investmentbank Lehman Brothers geht Pleite.

Ich würde nicht retten, es müssen Zeichen gesetzt werden ... Ich glaube, man hat Lehmann Brothers kollabieren lassen, weil man wusste, dass die meisten Schuldner von Lehmann Brothers im Ausland sitzen.

Gunther Schnabl, Professor für Politische Ökonomie an der Universität Leipzig

Wenn man vor zehn Jahren aufgewacht ist und war US Finanzminister und sieht Lehmann Brothers ist dabei pleite zu gehen, hätte man retten müssen? Ja, wahrscheinlich schon. (...) Ich denke, dass man das einfach total unterschätzt hat.

Hannes Böhm, Referent des Netzwerk Plurale Ökonomik

Die Unsicherheit und das Misstrauen unter den Banken wird so groß, dass sie sich scheuen überhaupt noch Kredite zu vergeben. Riskante Investments werden zu Schleuderpreisen abgestoßen.

Rund um den Globus stürzen die Aktienkurse. 2008 tritt damit die zweite Phase der Krise ein. Die Finanzkrise entwickelt sich zu einer globalen Wirtschaftskrise. Weil die Banken keine Kredite an Unternehmen mehr vergeben, fahren diese ihre Investitionen zurück. Dadurch bricht die Wirtschaftstätigkeit in vielen Ländern stark ein. Auch in Deutschland. Die weltweite Wirtschaftskrise erzeugt hier den größten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

 

Die globale Wirtschaftskrise wird zur Staatsschuldenkrise

"Die Wirtschaftskrise wird zur Staatsschuldenkrise" - Ein Erklärstück von Moritz Lünenborg mit anschließender Diskussion

Lennart Johannsen, Manuel Anhut, Max Brose

1409 EST Staatsschuldenkrise

Die Bundesregierung entschied sich 2008 dafür die deutschen Banken zu retten. Um die Krise einzudämmen, beschloss sie folgende Maßnahmen:

Erstens: sie richtet den Sonderfonds für Finanzstabilisierung ein. Dieser Fond unterstützt die deutschen Banken mit 480 Milliarden Euro.

Zweitens: Die Bundesregierung spricht eine Garantie für alle privaten Anleger aus. Damit will sie einen Sturm auf die Banken verhindern und das Vertrauen der Sparer stärken.

Drittens: Die Bundesregierung legt Konjunkturprogramme fest. Diese Konjunkturprogramme sollen dem wirtschaftlichen Abschwung entgegenwirken. Ein Beispiel die ist Abwrackprämie. Deren Ziel ist es den Absatz von Autos zu stabilisieren und somit die Jobs in der Autoindustrie.

Der goldene Weg müsste natürlich sein, dass wir eine Finanzmarktarchitektur aufbauen, wo wir nicht in die Lage versetzt werden müssen, wo uns Banken erpressen können, dass sie gerettet werden. Das muss durch effektive Regulierung entstehen.

Hannes Böhm, Referent des Netzwerks Plurale Ökonomik

Auch auf globaler Ebene werden Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise gefasst. Zentralbanken kaufen Wertpapiere und senken wichtige Zinssätze. Innerhalb der nächsten Jahre erholt sich die Wirtschaft in vielen Ländern. Deutschlands BIP wächst wieder. Aber die großen staatlichen Programme zur Stabilisierung der Finanzindustrie und der Konjunktur hatten eine Kehrseite.

Ich glaube nicht, dass man durch Regulierung die zukünftigen Krisen verhindern kann.

Gunther Schnabl, Professor für Politische Ökonomie an der Universität Leipzig

Um die Wirtschaft anzukurbeln und die Banken zu retten, nehmen viele Staaten hohe Kredite auf. Und verschulden sich. Somit beginnt nach Finanz- und Wirtschaftskrise die Staatsschuldenkrise. Wegen des mangelnden Vertrauens in hoch verschuldete Staaten verkaufen viele Anleger ihre Staatsanleihen. Und kaufen keine Neuen.

Im Frühjahr 2010 kann die griechische Regierung ihre auslaufende Anleihen nicht mehr tilgen und die Staatsausgaben finanzieren. Um der Staatsschuldenkrise zu begegnen, schnüren die EU-Länder und der Internationale Währungsfonds ein Rettungspaket. Das heißt, sie geben Kredite nach Griechenland. Griechenland muss sich dafür zu Reformen verpflichten. Auch Irland, Portugal, Spanien und Zypern sind in den kommenden Jahren auf Kredite aus dem europäischen Krisenfonds angewiesen. Bis heute sind die Auswirkungen der Staatsschuldenkrise in vielen Ländern zu spüren.

In Reaktion auf die tiefgreifende Krise wurden in der EU und in den Mitgliedsstaaten eine Vielzahl von Reformen umgesetzt. Dazu gehört beispielsweise die Bankenunion. Dabei geht es darum, einen einheitlicheren Ordnungs- und aufsichtsrahmen für europäische Banken zu schaffen. Außerdem entstaden neue Institutionen wie das European Systemic Risk Board. Deren Aufgabe ist es das Finanzsystem zu überwachen und Risiken zu erkennen. Zudem wurden neue Regeln für das Bankwesen aufgestellt. Dieses Regelwerk heißt Basel 3. Es legt Eigenkapital- und Liquiditätsregeln für Banken fest

Trotz dieser Mechanismen schätzt Professor Gunther Schnabl das Risiko für eine erneute Bankenkrise sehr hoch ein.

Aber im Wesentlichen hat man den Anpassungsbedarf den Krisenbedarf nur noch größer gemacht und nach hinten verschoben und es nur eine Frage wo die neuen Risiken nun sind.

Gunther Schnabl, Professor für Politische Ökonomie an der Universität Leipzig

Diese Risiken sieht er vor allem im deutschen Immobilienmarkt, den deutschen und amerikanischen Aktienmärkten, der hohen Verschuldung einiger Euroländer und in der Verteilung der Zuschüsse aus den Rettungspaketen für verschuldete Euroländer.

Das billige Geld, das aus dem Krisenmanagement jetzt resultierte, das ist zumeist in die Taschen der reichen Menschen geflossen.

Gunther Schnabl, Professor für Politische Ökonomie an der Universität Leipzig

Gleichzeitig wurden die Löhne in den mittleren und unteren Einkommenschichten gesenkt. Ein Vorgehen, das für politischen Zündstoff sorge.

Auch Hannes Böhm sieht potenzielle Krisenherde im jetzigen Wirtschaftssystem. Gerade die von Finanzminister Olaf Scholz kürzlich geforderte erneute Vergrößerung deutscher Banken, sei ein Fehler, der damals zur Staatsschuldenkrise geführt hätte.

Am Ende standen wir da, mit jeder Nation die eine Reihe von Großbanken hat, die ein vielfaches größer sind als die Wirtschaftsleistung dieser Länder.

Hannes Böhm, Refent des Netzwerk Plurale Ökonomik


 

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Moritz Lünenborg, Max Brose
15.09.2018 - 12:18