Lateinamerikanische Tage

Umweltschutz auf ecuadorianisch

Wasserprivatisierung ist verboten – ein guter Ansatz Ecuadors. Trotzdem ist es auch in Naturschutzbelangen noch ein Entwicklungsland, meint Margarita Borja. Die Journalistin berichtete im Rahmen der Lateinamerikanischen Tage aus ihrer Heimat.
Der Rio Napo in Ecuador. Ein Hektar Land hier beheimatet mehr Baumarten, als in Kanada und den USA zusammen.

Wie eine Utopie

„Es klang zu schön, um wahr zu sein“ - so beschreibt Margarita Borja, in Leipzig lebende ecuatorianische Journalistin, das Konzept des „buen vivir“, des „guten Lebens“. Es beschreibt das Handeln im Einklang mit der Natur: umweltschonende Energiegewinnung, Schonung von Ressourcen und die Achtung der Rechte von Indigenen, die zum Teil noch wie vor hunderten Jahren leben. Letztere Rechte sind sogar in der Verfassung verankert. Das „buen vivir“ sollte eine Leitlinie der Politik von Ecuadors Präsident Rafael Correa sein. Auch dafür wurde er gewählt und hatte großen Rückhalt in der Bevölkerung. Die Präsidentschaftswahl 2006 gewann er mit rund 56% der Stimmen, 2009 wurde er mit 51% wiedergewählt.

Traum trifft Realität

Doch die Realität sieht, auch acht Jahre nach der ersten Wahl Correas zum Präsidenten, nicht „grün“ aus. Das Land ist weiterhin abhängig vom Öl: 2013 resultierten 31% der gesamten Staatseinnahmen aus dem Export des „schwarzen Goldes“. Eines der visionärsten Projekte zur Schonung des Regenwaldes im Nationalpark Yasuní wurde abgebrochen. Yasuní ITT war die von Correa vorgeschlagene Idee, Ölreserven im Osten des Landes unangetastet zu lassen, wenn die internationale Gemeinschaft im Gegenzug bereit wäre, etwa die Hälfte der Ecuador dadurch entgangenen Einnahmen zu erstatten. 3,6 Milliarden Dollar wären nötig gewesen - doch Correa stoppte das Projekt, als Mitte 2013 erst rund 13 Millionen Dollar in einem UN-Fond eingezahlt worden waren. Deutschland wollte sich anschließend durch das Waldaufforstungs-Programm REDD+ engagieren, doch auch das wurde von Ecuador aufgekündigt.

Der falsche Ansatz

Die Journalistin Margarita Borja sprach im Grassimuseum über Umweltschutz in Ecuador
Die Journalistin Margarita Borja sprach im Grassimuseum über Umweltschutz in Ecuador

Um über ecuatorianische Umweltbestrebungen zu sprechen, zeigte Margarita Borja am Sonntag den Film „Yaku Aya“ im Grassi-Museum. Der Name meint in der im Andenraum gesprochenen Sprache Quetchua so viel wie „Wesen des Wassers“. Nur mit Musik untermalt wird der Weg eines Tropfen Wassers vom Gletscher bis ins Meer verfolgt und zeigt dabei die vielfältigen Bedeutungen, die Wasser haben kann. "Es ist Leben und Tod, diese Ambiguität gefällt mir", begründet Margarita Borja die Wahl des Films. Gedreht wurde er in Ecuador. Zwar sei dort die Verabschiedung eines Wassergesetzes, das sowohl die Privatisierung verbietet, als auch den Handel damit mit einer anderen Regierung, ein Fortschritt. Doch insgesamt setze die Regierung am falschen Punkt an, meint Margarita Borja, statt einer Debatte müssten die Grundlagen der Wirtschaft verändert werden.

Warum Margarita Borja den Film „Yaku Aya“ zeigen wollte und wo sich deutsche und ecuatorianische Umweltschutzansätze unterscheiden, erklärt sie im Gespräch mit mephisto 97.6-Reporterin Christine Warnecke.

Die ecuatorianische Journalistin Margarita Borja im Interview über Umweltschtuz
Die ecuatorianische Journalistin Margarita Borja im Interview über Umweltschtuz

 

 

Kommentieren

Christine Warnecke
25.11.2015 - 14:02
  Wissen