Umwelt

Umweltpreis für neue Abwassertechnik

Ein Leipziger Wissenschaftlerteam hat eine dezentrale Abwasserbehandlung entwickelt und in Jordanien umgesetzt. Dafür wurden sie jetzt mit dem Deutschen Umweltpreis geehrt.
Jordanien
Beispielbild Jordanien

Die Umweltbiotechnologen Prof. Roland A. Müller und Dr. Manfred van Afferden, die Volkswirtin Dr. Mi- Yong Lee vom Zentrum für Umweltforschung sowie der Initiator des Bildungs- und Demonstrationszentrums haben ein neues dezentrales Abwasserverfahren erarbeitet und dieses umgesetzt. Unter dezentralen Abwasserverfahren sind Kanalnetze zu verstehen, jenseits der bisher vor allem im städtischen Raum vorhandenen Abwasserentsorgung.

Das Preisträger-Team
Das Preisträger-Team

In Jordanien gelangen bisher 45 Millionen Kubikmeter Abwasser pro Jahr ins Grundwasser. Dabei gibt es keine ausreichende Filterung und Behandlung der Abwässer, sodass das Ziel des dezentralen Abwassermanagements vor allem der Schutz des Grundwassers ist. Dieses soll mit der neuen Abwassersystemlösung vor Schadstoffen, und Krankheitserregern geschützt werden. Außerdem soll auch der Frischwasserverbrauch in Zukunft verringert werden.

Leipziger WissenschaftlerInnen direkt vor Ort

Seit 2006 waren die Leipziger Forschenden in Jordanien und arbeiteten an der der Entwicklung und am Aufbau des neuen Abwassersystems. Auf den Impuls des Staatssekretärs des jordanischen Wasserministeriums hin, wurde in der Hauptstadt Amman ein Büro für das dezentrale Abwassermanagement eingerichtet. Dadurch konnten die WissenschaftlerInnen direkt vor Ort präsent sein und erreichten somit mehr Akzeptanz bei anderen Beteiligten des Abwasserprojekts, was die Umsetzung des Abwassermanagements möglich machte.

Vor allem trockene Regionen profitieren von neuem Abwasserverfahren

Die neu entwickelte Abwassertechnik sei besonders in klimatisch sehr trockenen Regionen, wie beispielsweise den Ländern des Mittleren- und Nahen Ostens relevant. Denn dort ist die Reinigung von Abwässern aufgrund der hohen Temperaturen und des geringen Wasservorkommens aufwendiger. Das neue Abwasserverfahren sei aber auch bei hohen Temperaturen wassersparend, energetisch effizient und lässt sich bei der Entfernung von Keimen gezielt steuern. Damit bringt es auch viele Vorteile für die Abwasserentsorgung im ländlichen Raum Jordaniens. Mit dem Projekt werde gleichzeitig auch ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der „Sustainable Development Goals“ der Vereinten Nationen geleistet. Diese beinhalten die Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser- und Sanitärversorgung für alle.

Das dezentrale Abwassermanagement sei jedoch nicht nur für Jordanien relevant.  Auch mit dem Oman findet bereits eine Zusammenarbeit in einer solchen Abwasserbehandlung statt. Prof. Roland A. Müller erklärt aber, dass auch in Europas wachsenden Städten ein dezentrales Abwassermanagement sinnvoll sein kann. Gerade durch den Klimawandel und demographische Veränderungen können solche Wasserinfrastruktursysteme in Zukunft auch in Europa eine ressourcensparende Lösung für Abwässer sein.

 

 

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Insa Trölenberg
23.08.2018 - 19:33
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