Kolumne

Umsorgt statt besorgt?

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Svenja Tschirner über eine neue Task Force und Sachsenbashing
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Den Beitrag zum Nachhören findet ihr hier:

Die Kolumne - von Svenja Tschirner

Zweiter Sprecher: Lennart Johannsen

Die Kolumne von Svenja Tschirner

Statt mit der geballten linken Faust stehen die Sachsen und Sächsinnen mit ausgestrecktem rechtem Arm und skandieren rechte Parolen. Der doch sehr braune Anstrich einiger Bürger des Freistaates ist mit ziemlicher Sicherheit wöchentlich irgendwo eine Schlagzeile. So auch am Montag wieder. Da war es zwar kein Pegida-Spaziergang, der für Aufregung sorgte, dafür aber ein Terrornetzwerk aus Chemnitz. Die Mitglieder wollten Journalisten und Journalistinnen, politisch Andersdenkende und Menschen mit Migrationshintergrund erschießen.

Die Aktion sorgt natürlich wieder für jede Menge schlechte Presse für Sachsen. Eigentlich sollte man statt Sachsenbashing einfach nur gegen Dresden und Chemnitz labern. Dann hätten wir hier in Leipzig unsere Ruhe.

Naja, auch in Leipzig haben wir nicht zwangsläufig unsere Ruhe. Zum Beispiel bei den Randalen in Connewitz haben Rechte kräftig gewütet. Außerdem, wenn sich die Rechten wieder missverstanden fühlen und wieder glauben, ihnen würde keiner zuhören, dann können sie wieder in ihre maßgeschneiderte Opferrolle schlüpfen. Und das bringt denen wieder mehr Leute, die sagen, man dürfe ja nichts sagen.

Also hätte sowas wie Montag in Chemnitz auch gut und gerne hier in Leipzig passieren können. Deshalb sitzt jetzt hier auch die Neue „Task Force Gewaltdelikte“. Die ist hier beim LKA, und agiert für ganz Sachsen.

Das klingt erstmal super. Eine Task Force aus Sachsen, die sich gegen Rechtsextremismus und Terror einsetzt. Aber das Aufdecken des rechtsradikalen Terrornetzwerkes ging nun mal nicht auf die Rechnung der neuen Task Force. Das hat die Polizei ausnahmsweise von ganz alleine hingekriegt.

Und die „Taskforce Gewaltdelikte“ gehört ja nun mal auch zum polizeilichen Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum Landeskriminalamt Sachsen. Also kurz gesagt: zur Polizei. Ministerpräsident Kretschmer hat allerdings betont, dass es um die Bündelung geht. Und außerdem arbeiten da ja verschiedene Experten aus allen möglichen Gebieten zusammen. Die können jederzeit zum Einsatz kommen, sind also in Rufbereitschaft, falls sie gebraucht werden.

Sieht das dann so aus wie in Feuerwehrvideos? Der Alarm geht los und die Mitglieder der Task Force springen vom Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel auf, rutschen die Stange runter zu ihren Einsatzfahrzeugen und sausen los.

Süffisanz bringt da nicht viel. An sich finde ich die Idee gut. Ich frage mich aber, warum es diese „Task Force“ nur in Sachsen gibt. Schließlich geht es den Rechten ja nicht nur um ein sächsisches Sachsen sondern um ein deutsches Deutschland. Aber vielleicht ist das ja so eine Art Pilotprojekt, das man dann Bundesweit ausbauen kann. Und es setzt ein deutliches Zeichen dafür, dass die Straftaten aufgeklärt werden.

Die Task Force setzt vor allem für Politiker ein Zeichen, klar.

Trotzdem. Bei Terror und Extremismus ist es erstmal wichtig, dass überhaupt etwas dagegen unternommen wird. Und sei das Zeichen noch so klein. Egal wie dämlich man die Mittel und Wege zur „Terrorbekämpfung“ findet, sie helfen und können Rückhalt geben. Und außerdem will keiner irgendwann von einem Terrornetzwerk überrascht werden. Je mehr man was gegen Terror und Extremismus tut, desto eher können sich auch besorgte Bürger umsorgt fühlen. Das wäre doch ein netter Effekt. Besonders in Sachsen.

 

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Svenja Tschirner
05.10.2018 - 14:25