Klimawandel

Umfrage zum Klimawandel

Die Stadt Leipzig startet heute eine Umfrage zum Klimawandel. Darin geht es um persönliche Betroffenheit und gesundheitliche Auswirkungen durch Schadstoffe. Wir haben mit Dr. Andreas Marx über den Klimawandel in Sachsen gesprochen.
Symbolbild: Umweltschutz
Symbolbild: Umweltschutz

Das Interview finden Sie hier zum Nachhören und unten auch zum Nachlesen:

Ein Interview von Johanna Honsberg mit Dr. Andreas Marx über den Klimawandel in Sachsen
Klimawandel-Umfrage

Das Interview wurde redaktionell gekürzt.

mephisto 97.6: Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Natur in Sachsen aus?

Andreas Marx: Der Klimawandel wirkt sich vor allem auf die Natur aus, in dem sich die Ökosystemparameter ändern. Wir haben die Pflanzen an die Temperaturen angepasst […], und wenn diese sich verändern, dann verändert sich natürlich auch die Natur und auch die Zusammensetzung der Pflanzen.

Wie genau verändern sich die Pflanzen?

Pflanzen und Tiere verändern sich so, dass zum Beispiel hitzeliebende Arten mehr werden und kälteliebende Arten weniger. Das kann man zum Beispiel bei Schnecken oder Schmetterlingsarten beobachten […]. Diejenigen, die die Wärme und Hitze besser vertragen, breiten sich im Moment aus. Bei kälteliebenden Arten schrumpfen die Populationen.

Der Leipziger Sommer war in diesem Jahr sehr heiß. Die Temperaturen lagen teilweise bei 38°C. Ist das auch ein Aspekt des Klimawandels, oder war das einfach nur ein heißer Sommer?

Der Sommer 2018 war bisher noch nicht so extrem wie zum Beispiel der Sommer im Jahr 2003. Aber wenn man es nüchtern betrachtet, sieht man, dass wir auch in Leipzig ein anderes Klima haben als vor 40 Jahren. Statistisch gesehen würden wir sechs bis sieben Hitzetage pro Jahr erwarten. Hitzetage sind Tage, die wärmer werden als 30°C. Bisher hatten wir über 20 [dieser Hitzetage]. So ist es auch bei den Tropennächten – also Nächte, die wärmer als 20°C bleiben. Da hat man das große Problem, dass das sehr stark auf die Gesundheit der Menschen geht. Man ist weniger leistungsfähig und man leidet mehr unter der Hitze. Wir hatten in diesem Jahr bisher sechs Tropennächte. Die gab es bis in den 1980er Jahre kaum in Leipzig – sie waren quasi nicht vorhanden.

Dr. Andreas Marx, Leiter des Mitteldeutschen Klimabüros Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Dr. Andreas Marx, Leiter des Mitteldeutschen Klimabüros Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

Gibt es schon Prognosen für die nächsten Jahre?

Was man zum Klimawandel relativ sicher sagen kann ist, dass nicht nur die mittleren Temperaturen steigen werden, sondern auch dass sich die Hitzeperioden verändern und mehr werden. Daran müssen wir uns anpassen.
Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, dass nicht nur die Sommer wärmer werden, sondern auch die Winter. Kurioserweise gehört das zu den positiven Punkten des Klimawandels. Zum Beispiel verringert sich der Heizbedarf. Andersherum bedeutet das eben auch, dass der Kühlbedarf steigt. […]

Was kann das Land Sachsen gegen den Klimawandel tun? Welche Maßnahmen müssten seitens der Politik getroffen werden?

Das sind zwei Sachen. Der eine Punkt ist, sich an den Klimawandel anzupassen. Dies findet in Teilen statt, in dem man sich in verschiedenen Sektoren – zum Beispiel in der Landwirtschaft – überlegt, wie man mit Hitze und Trockenheit umgeht. In den Städten ist es auch kein neues Thema. Auch da weiß man eigentlich, dass grüne Infrastrukturen – also vor allem Parkanlagen – und blaue Infrastrukturen (Gewässer) die Stadt kühlen und so der Hitze entgegenwirken können.
Der zweite Punkt ist natürlich die Treibhausgase zu vermeiden, um nicht weiter dazu beizutragen, dass sich das Klima so stark erwärmt. […] Das würde für Sachsen bedeuten, sich gründlich zu überlegen, wo wir mit der Kohleverstromung hinwollen und wann die Kohleverstromung beendet werden soll.

Was können Leipziger Bürger und Bürgerinnen gegen den Klimawandel tun?

Man braucht da immer eine Mischung aus dem Einzelnen, der was tut und der Politik, die die Rahmen dafür setzt. Der Einzelne kann etwas gegen den Klimawandel tun, in dem er regionale Produkte einkauft. Weil diese meistens eine bessere CO2-Bilanzen mit sich bringen als ein Produkt, das um die halbe Welt gereist ist. Man kann sich auch selber fragen, wie das eigene Verkehrsverhalten so ist. Gerade Flugreisen gehören zu den großen CO2-Produzenten.

 

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Johanna Honsberg, Louisa Grübler
16.08.2018 - 19:43
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