Europawahl

Von Überraschung bis Schock

Die Konservativen siegen, die Sozialdemokraten überraschen, die Rechtspopulisten preschen voran – vor allem in Leipzig. Das Ergebnis der Europawahl mischt so manche Karten neu und offen ist noch jetzt, wer zum neuen Kommissionspräsidenten wird.
Plakat mit den Daten der Europawahl
Das Parlament ruft zur Wahl in ganz Europa auf

Konservative siegen, Sozialdemokraten überraschen

Bei der Europawahl verteidigte die konservative Europäische Volkspartei (EVP) mit 28 Prozent ihre Spitzenposition. Verfolgt wird sie von der sozialdemokratischen S&D mit nur drei Prozentpunkten weniger. Eine Überraschung. Denn trotz des polarisierenden Spitzenkandidaten Martin Schulz, war das Wahlergebnis der SPD bis zum Sonntagnachmittag noch überhaupt nicht absehbar. Die sächsische Europa-Abgeordnete Constanze Krehl bleibt dank des überraschenden Wahlergebnisses weiterhin im Europaparlament.

Drittstärkste Kraft im Europaparlament bleibt die liberale Fraktion mit 9 Prozent der Stimmen, ihr folgen die grüne Fraktion, die Europäischen Konservativen und die Linke. Was die Prognosen im Vorfeld der Wahl bereits vermuten ließen, hat sich in den meisten Ländern bestätigt: Die extremen Parteien waren bei dieser Wahl deutlich stärker als noch 2009. An sie gehen knapp 9 Prozent der Sitze im neuen Europaparlament.
Seit Februar gibt es in Deutschland keine Dreiprozenthürde mehr. Durch den Erfolg einiger kleiner Parteien steigt daher die Zahl der deutschen Parteien im Europäischen Parlament voraussichtlich von fünf auf zwölf.

Druck von Rechts

Auffällig bei dieser Europawahl: Der Rechtsdruck. Mit Marine Le Pen hat der rechtspopulistische Front National in Frankreich das Rennen gemacht. Aber auch in Griechenland, Großbritannien und Finnland gewannen die Rechtspopulisten Sitze. Gut möglich, dass sie sich zu einer Fraktion im Europaparlament zusammenschließen werden. Wirklich behindern könnten sie die Arbeit des Europaparlaments zwar nicht, besorgniserregend ist die Entwicklung aber dennoch.

Stimmen aus Deutschland

Wahlergebnis
Deutsches Wahlergebnis bei der Europawahl

Insgesamt ähnelt das Wahlergebnis aus Deutschland dem europäischen Bild: Trotz Einbußen bleibt die Union stärkste Kraft, dahinter liegt die SPD, 6,4 Prozent der Stimmen dazugewinnen konnte. Die euroskeptische Alternative für Deutschland (AfD) trat zum ersten Mal zur Wahl an und erreichte auf Anhieb 7 Prozent der deutschen Stimmen.

Stimmen aus Leipzig

Wahlergebnisse
Leipziger Wahlergebnisse bei der Europawahl

In Leipzig ergibt sich dagegen ein leicht verändertes Bild: Linke und SPD liegen hinter der CDU fast gleichauf, die Grüne hat es mit 12,4 Prozent ins Mittelfeld geschafft. Überraschend stark war auch in Leipzig die AfD. Mit 8,4 Prozent überholte sie die FDP deutlich, die als Verlierer des Abends gilt.

 

Laura Kneer gibt einen Überblick über alle Zahlen zur Europa- und Stadtratswahl
EST Wahl

Es bleibt spannend

Besonders interessant wird nun noch die Wahl zum Kommissionspräsidenten: Zwar bleibt die konservative EVP stärkste Kraft, ihr Spitzenkandidat Jean-Claude Junker scheint jedoch noch nicht gesetzt. Polarisiert hat während des Wahlkampfs vor allem der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten Martin Schulz. Wer es am Ende wird, liegt jedoch nicht nur an der Abstimmung des Europaparlaments, sondern auch an der Entscheidung des Europäischen Rats.

 

Moderator Mike Herbstreuth und mephisto 97.6-Redakteurin Anna Vogel mit Reaktionen zur Wahl aus dem Neuen Rathaus
SG Wahl Anna
 

Kommentieren

Laura Kneer und Anna Vogel
26.05.2014 - 13:43