Wirtschaft

Über die Zukunft des Geldes

Die Zukunft des Geldes ist ungewiss. Wird sie digital sein und es gar kein Bargeld mehr geben? Kommen wir zurück zum Ware-gegen-Ware-Tausch? Oder werden ganz neue Denkweisen benötigt um Geld zu betrachten?
Geldscheine in einer Dose
Zeit zum Umdenken?

Was ist eigentlich Geld? Geld ist ein Tauschmittel. Und um Geld, also zum Beispiel den Euro, gegen Arbeitsleistung oder Waren zu tauschen, bedarf es der allgemeinen Akzeptanz dieses Tauschmittels.

Neue Ideen Geld zu betrachten

Doch Geld liegt im Umbruch. Heutzutage verzichten immer mehr Menschen auf Bargeld und zahlen immer öfter mit der Giro Card oder der Kreditkarte. In manchen Ländern, Schweden ist dabei das beste Beispiel, ist Bargeld bereits nahezu abgeschafft. Andere Menschen wiederum scheinen das Vertrauen in den Euro verloren zu haben und „bezahlen“ mit sogenannten Regionalwährungen. Das sind Tauschsysteme, in denen Waren in Arbeits- oder Lebenszeit bezahlt werden. In Deutschland gibt es mittlerweile bereits über dreißig solcher Regionalwährungen. Und dann gibt es noch verschiedene Forderungen, Geld aus einem ganz neuen Blickwinkel zu betrachten und das Finanzsystem in ein für alle Menschen nützliches System zu verändern. Dafür steht die Initiative „Fließendes Geld“.

…wie ist die sogenannte Geldumlaufsicherung? Was ist die Motivation, dass jemand der viel Geld verdient hat und es aktuell nicht ausgeben will, das Geld für den Wirtschaftskreislauf wieder freizugeben?

 Steffen Henke, Initiative „Fließendes Geld“

Steffen Henke ist seit 28 Jahren selbstständiger Finanzberater und beobachtet das derzeitige Geldsystem mit großer Sorge. Deshalb setzt er sich für die Initiative „Fließendes Geld“ ein. Die Idee dahinter sei es, so Henke, Zins und Zinseszins abzuschaffen. Stattdessen soll ein generelles Umdenken einsetzen, welches Menschen dazu motivieren soll, ihr Geld ständig dem Wirtschaftskreislauf zuzuführen. Also den Geldumlauf zu sichern, statt Geld zu Hause oder in Tresoren zu verwahren. Henke erklärt, dass im aktuellen Finanzsystem Zinsen als Anreiz dienen, damit Menschen ihr überflüssiges Geld auf die Bank bringen. Doch dieses System von Zins und Zinseszins nutzt nur denen, die wirklich sehr viel Geld haben, sagt Henke.

Zins und Zinseszins führt auf Dauer zum Zusammenfall des Systems

Denn so wie Menschen Zinsen auf ihr Guthaben erhalten, müssen andere Menschen im gleichen Maße dazu auch Zinsen auf ihre Schulden zahlen. Dieses System kann laut Henke nicht auf Dauer funktionieren, da es mathematisch betrachtet einer Exponentialfunktion gleicht. Und exponentielle Wachstumsprozesse können nur zeitlich begrenzt funktionieren. Denn um diese am Laufen zu halten, müsste jedes Jahr mehr produziert werden, als das Jahr zuvor. Und das wiederum ist auf einem Planeten mit nur begrenzten Ressourcen dauerhaft nicht möglich. Seine Idee, und die der Initiative „Fließendes Geld“ ist es, statt der Zinsen eine Gebühr zu erheben, wenn Menschen ihr Geld horten und es nicht dem Wirtschaftskreislauf zurückführen.

Ein Geldsystem ohne Zinsen ist eine Katastrophe

Chris Oliver Schickentanz ist Chefstratege der Commerzbank und hält ein Geldsystem ohne Zinsen für eine Katastrophe. Denn aktuell liegt der Einlagenzins bei minus 0,4 Prozent und damit habe die Europäische Zentralbank bereits darauf spekuliert, dass Gelder für Investitionen genutzt werden. Dennoch würden große Unternehmen ihr Geld zurückhalten und es nicht für Investitionen nutzen.

Für große Unternehmen (…) hängen Investitionen vielmehr davon ab, ob sie das Zutrauen haben, dass sich diese Investition auch in Zukunft auszahlt.

Chris Oliver Schickentanz, Chefstratege der Commerzbank

Für Schickentanz ist das der Beweis, dass die wirtschaftliche Sicherheit eine große Rolle spielt, wenn es um Investitionen geht. Ein Beispiel wäre, eine Firma die Plastikflaschen herstellt. Sie würde nur dann in die Forschung und Produktion eines biologisch-abbaubaren Plastiks investieren, wenn sie den Absatzmarkt dafür sieht. Ein stabiles Wirtschaftsumfeld ist also von großer Bedeutung.

Der Finanzberater Steffen Henke gibt zu bedenken, dass die Menschen einfach grundsätzlich lernen sollten, anders über Geld zu denken. Die Idee, zu implizieren, dass wenn jemand Geld auf die Bank bringt, nach einer gewissen Zeit mehr dafür zurück bekommt, hält er für moralisch fragwürdig.

Ein Finanzsystem, dass dem Gemeinwohl dient?

Das Gemeinwohl und der Wohlstand aller wäre nur gegeben, wenn jeder etwas dafür tut. In Bezug auf Geld hieße das, Geld investieren oder auf die Bank bringen, statt es zu Hause zu behalten. Keine Zinsen mehr für überschüssiges Geld auf der Bank, stattdessen die Sicherheit, dass das Geld dort keinen Wertverlust erleidet. Regionalwährungen sind seiner Ansicht nach ein erster Schritt in diese Richtung. In Leipzig gibt es beispielsweise den Lindentaler. Hier tauschen Mitglieder Lebenszeit gegen Lindentaler. Dabei beschreibt eine Stunde Lebenszeit einen Wert von 20 Lindentalern. Der Lindentaler existiert nur virtuell und alle Transaktionen werden online abgeschlossen. Alle Mitglieder akzeptieren den Lindentaler als Zahlungsmittel und sollen sich aktiv am Austausch beteiligen. Auf ungenutzte Lindentaler gibt es keine Zinsen, stattdessen verfallen sie nach einer gewissen Zeit. Gewissermaßen wird die Idee des fließenden Geldes also auch schon umgesetzt.

Ich habe das schon erlebt bei Unternehmern z.B. die eine Insolvenz hingelegt haben und wegen der Insolvenz keine Kreditkarte bekommen haben. Das fängt damit an, dass man sich im Internet keine Urlaubsreise buchen kann, wenn man keine Kreditkarte hat.

Steffen Henke, Intiative „Fließendes Geld“

 

Mit einem Klick bezahlen – in Zukunft ganz ohne Bargeld?

Auch in Bezug auf die Abschaffung des Bargeldes sind sich Schickentanz und Henke uneinig. Chefstratege Schickentanz beobachtet eine zunehmende Akzeptanz des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und sieht darin auch die Zukunft. Finanzberater Henke sieht das Persönlichkeitsrecht in Gefahr. Würde Bargeld komplett abgeschafft, muss jeder nur noch online bezahlen. Alle Handlungen und Transaktionen sind somit nachvollziehbar. Doch die Folgen, wenn diese Informationen in die falschen Hände geraten, seine unabsehbar.

Das Finanzsystem liegt im Umbruch. Geld ist im Wandel. Wichtig ist, das Zahlungsmittel, egal welcher Art, allgemein akzeptiert werden. Mit Regionalwährungen schlagen Menschen bereits einen neuen Weg ein. Und es wird noch weitere Entwicklungen geben. Gerade weil das aktuelle Finanzsystem für den Großteil der Bevölkerung keine Sicherheit bietet. Doch ob es dann Regionalwährungen neben dem Euro geben wird, oder nur noch bargeldlose Zahlungen, wird die Zeit zeigen – und die Menschen.

 

Den Beitrag finden Sie hier zum Nachhören:

Ein Beitrag von Claudia Peißig über die Zukunft des Geldes
Über die Zukunft des Geldes
 

Kommentare

zu diesem Thema empfehle ich die Lektüre meines Buches „Neues Geld für die Welt“ ,
alternativ die gekürzte Fassung „Globales Geld für Alle“ .
beide erschienen im BoD Verlag

Herzlichst,
Carl Bodinet

Dass der Chefstratege der Commerzbank dies anders sieht, überascht mich nicht. Es braucht schon einen Perspektivenwechsel, um gewohnte Bahnen zu verlassen und die Dinge mal neu zu denken. Vertrauen ist natürlich auch ein wichtiges Kriterium bei Investitionen. Aber wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Haltedauer von Aktien in den letzten Jahren von 2 Jahren auf wenige Millisekunden gesunken ist, frage ich mich, ob Vertrauen im Börsenhandel überhaupt noch ein Kriterium ist. Also ich brauche dafür etwas länger als eine Sekunde. Und auf die Exponentialfunktion geht er auch nicht ein und der damit verbundenen Geldkonzentration bei ca 10% der Bevölkerung. Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auf. Das könnte unter anderem auch am Zinseszins liegen. Bei 5% Zins bekommt ein Milliardär pro Tag einen Zinsgewinn im Wert eines kleinen Einfamilienhauses - weil das Geld für ihn "gearbeitet" hat. Stimmt das wirklich? Woher kommen den diese Zinsen? Wer zahlt dafür ein, dass ihm dieser Gegenwert ausgezahlt werden kann?

Fachkundige Details zum Thema Fließendes Geld findet man auch im Buch von Steffen Henke: "Fließendes Geld für eine gerechtere Welt: Warum wir ein alternatives Geldsystem brauchen, wie es funktioniert und welche Auswirkungen es hat ". ISBN 978-3828840232

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Mehr zum Thema "Fließendes Geld" erfahren Sie unter https://www.neuesgeld.net/

 

Alles über den Lindentaler: https://lindentaler.org/