Im Gespräch: Kristina Pfister

Über das Glück sich losmachen zu können

Das Ende der Jugend, zwei Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und ein gemeinsamer Sommer – Kristina Pfister schreibt in ihrem Debütroman „Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten” über die Krisen der Generation Y.
Kristina Pfister zu Gast bei mephisto 97.6
Kristina Pfister zu Gast bei mephisto 97.6

Düstere Aussichten

Annika ist deprimiert. Während ihre Freunde in New York abhängen, sich verloben und das erste Gehalt verprassen, steht sie alleine am dunklen Fenster ihres kleinen Wohnheimzimmers am Rande der Stadt. Sie hat keinen Job sondern nur ein Praktikum, ihre einzige Kontaktperson ist ihre Mutter. Der sagt sie, es gehe ihr gut. Aber das ist gelogen.

Das Ende der Jugend

Wo wollen wir hin? Was wollen wir machen? Ist es das schon gewesen? Mit viel Einfühlungsvermögen beschreibt Kristina Pfister, eine Lebensphase, die vielen jungen Menschen nur allzu gut bekannt ist: Das Gefühl der Leere am Ende des Studiums, das oft auch das Ende der Jugend verheißt. Die Autorin, selbst erst 30 Jahre alt, weiß wovon sie schreibt. Sie ist nah dran an der Generation Praktikum, die wie Annika endlos Serien schaut, um sich von der eigenen Unzufriedenheit abzulenken, neidisch die facebook-Profile von alten Schulfreunden stalkt und mit einer großen Zukunftsangst zu kämpfen hat, gegen die auch Partys, Alkohol und Cannabis nicht helfen.

Ein aufregender Sommer

Annika hadert mit genau diesen Ängsten. Seit sie ihr Studium beendet hat, weiß sie nicht wohin mit sich. Doch eines Abends klingelt die schöne Marie-Louise, Annikas abenteuerlustige, furchtlose Nachbarin, an der Tür des Wohnheimzimmer. Nach der kurzen Begegnung verschwindet Marie-Louise nach „London, Baby!” und Annika zieht deprimiert wieder zu Hause bei ihrer Mutter ein. Doch als die beiden Mädchen sich zufällig wieder treffen, beginnt ein aufregender, ereignisreicher Sommer in der Kleinstadt, bei dem Annika trotz aller Verzweiflung und Leere ein Stück ihre Lebensfreude zurück gewinnt.

Glück und Schmerz

Kristina Pfister erzeugt durch sehr detailreiche Beschreibungen anschauliche Bilder im Kopf des Lesers und der Leserin. Gerade die Erzählung über die vielen kleinen Abenteuer, die Annika im Sommer mit Marie-Louise erlebt, lassen beim Leser diese Alles-ist-möglich-Stimmung der Jugend entstehen, ohne das die Beschreibungen unrealistisch oder kitschig werden. Denn Annika kämpft trotz all der Ereignisse mit diesem „schweren Gefühl im Magen”. Die Autorin nähert sich dem Thema Depression sehr subtil. Ohne Begriffe wie „Depression” oder „Therapie” zu benutzen, schafft sie es, dem Leser die Krankheit, unter der Annika leidet, näher zu bringen.

Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten

Kristina Pfister erzählt in ihrem Debütroman treffend von der Verzweiflung der Generation Y, der Schwierigkeit von Umbruchsphasen im Leben und dem Glück, das zu machen was man will, ohne sich darum zu kümmern, was Andere sagen – wenn auch nur einen Sommer lang.

 

Sie hat auch über ihre persönlichen Hoch- und Tiefphasen in ihrem Leben gesprochen – auf der Bühne mit Moderator Yannick Jürgens.

Moderator Yannick Jürgens im Gespräch mit Kristina Pfister
Moderator Yannick Jürgens im Gespräch mit Kristina Pfister
 

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Kristina Pfister wurde 1987 in Bamberg geboren.

Sie studierte Literatur, Kunst- und Medienwissenschaften in Konstanz und Regensburg. Sie nahm als Stipendiatin an der Bayrischen Akademie des Schreibens, sowie der on3-Lesereihe des Bayrischen Rundfunks teil. "Die Kunst einen Dinosaurier zu falten" ist ihr erster Roman.

Verlag: Klett-Cotta

Preis: 19,99 Euro